Was ich von Vater und Mutter gelernt habe

Meine Eltern auf einer Reise in die Kaschubei ca. 1980

Von meiner Mutter habe ich gelernt:

  • Porzellan muss weiß sein. Wenn nicht, dann selbst handgemalt oder Meissner Porzellan
  • nur handgeknüpfte Orient-Teppiche sind echte Teppiche
  • Bettwäsche muss weiß sein
  • Unterwäsche muss auch weiß sein
  • ein richtiger Mann trägt keine kurzen Hosen. Nie
  • Möbel müssen aus hellem Holz sein. Es sei denn, es handelt sich um Erbstücke
  • Man hängt keine Drucke an die Wand, entweder echte Bilder oder gar nichts
  • Nichts gegen Markenkleidung, aber die Marke muss unsichtbar bleiben. Man will schließlich keine Reklame machen

Was ich von meinem Vater gelernt habe:

  • bei diesen und ähnlichen Fragen ist es am besten, die Entscheidung seiner Frau zu überlassen: „Wie du möchtest, Liebling…“
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19 Gedanken zu „Was ich von Vater und Mutter gelernt habe

    1. emhaeu Autor

      Hallo Jürgen! Aber gab es nicht in jedem Elternhaus solche Regeln, die im weiteren Sinne das Ästhetische betreffen? Was Kleidungsbetrifft, z.B.? Und, in den 50ern, und bis dann Anfangs der 60er die drei ältesten Schwestern aus dem Haus waren und die Erbschaft von der Großmutter kam, da waren das alles Sprüche ohne materiellen Background. Schönen Gruß! Martin

      Antwort
      1. juergenkuester

        Hallo Martin! Das, was Du beschreibst, das waren Dinge, die ich bei den besser Gestellten in unserer Nachbarschaft gesehen und gehört habe. Bei uns zuhause ging es eigentlich immer um das Nichtauffallen, angepasst sein und darum, sich in der Öffentlichkeit brav zu benehmen.
        Liebe Grüße Juergen

  1. Ulli

    Ich mag das Foto sehr und ich sehe Ähnlichkeiten –
    ansonsten war es bei meiner Mutter auch kaum anders, außer dem weißen Geschirr waren nur noch Sammeltassen erlaubt!
    herzlichst
    Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Na, meine Mutter (Jahrgang 1910) war ja auch Ostpreussin, die Generation ihres Vaters hatte sich von der Landwirtschaft getrennt – nun war man Städter, Kleinstädter, wenn man es genau nimmt. Kann gut sein, dass es da wichtig war, sich von allem Bäurischen zu distanzieren.

      Antwort
      1. emhaeu Autor

        Karierte oder geblümte Bettwäsche war für meine Mutter völlig daneben, aber Sonnenbräune nicht. Man verbrachte im Sommer ja immer ein paar Wochen am Strand und die Großmutter achtete darauf, das Licht und Luft an die Kinder kommt. Habe davon noch eine Reihe Bilder .

      2. puzzleblume

        Am Strand war die Großmutter stets voll bekleidet, nur mein Großvater und Vater waren in der Badehose.
        Ich glaube aber, in den zwanziger Jahren kamen die ersten Gesundheits-Aspekte des Sonnenlichts in den Fokus, so dass da vermutlich zwei Seelen in ihrer Brust rangen, denn immerhin trug sie die damals aufgekommenen „Reformkleider“.

  2. Susanne Haun

    Lieber Martin,
    meine Mutter hätte die „Regeln“ deiner Mutter sicher unterschrieben auch wenn ihr für manche Dinge das Geld gefehlt hätte.
    Eine Regel kommt noch hinzu: Die weißen Hemden müssen lange Arme haben, bei Wärme kann der Mann sie gegebenenfalls hochkrempeln.
    🙂
    LG Susanne

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Kaschubenland, da kam ja Günter Grass her, spielt, wenn ich mich recht erinnere, in seiner „Blechtrommel“ eine Rolle, die kaschubische Großmutter.

      Antwort

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