Wilhelm Raabe: Die Gänse von Bützow

(… weil ich hier über alle Bücher, die ich gelesen habe, Buch führe …)

Ich bin ja gewiss alles andere als ein DDR-Nostalgiker, aber eins haben sie damals gemacht: feine Klassikerausgaben. Die heute im Müll oder öffentlichen Bücherschränken landen, wie auch Raabe Novelle „Die Gänse von Bützow“.

Ein von Klaus Ensikat fein illustriertes Bändchen, sorgfältig kommentiert, sogar das Nachwort ist lesbar und trieft nicht vor Ideologie (mal davon abgesehen, dass die Französische Revolution DDR-korrekt immer als „große bürgerliche Revolution“ bezeichnet wird).

Ein politisches Thema hat sich Raabe vorgenommen und parodistisch-satirisch gestaltet. Ja, tatsächlich, es handelt sich um eine lustige Novelle, eine Komödie.

Bei der Lektüre ging mir immer durch den Kopf, dass mich ein Schüler indischer Herkunft kurz vor dem Abitur mal gefragt hat, ob es eigentlich in der deutschen Literatur nichts Lustiges gebe. Ob „Rolltreppe abwärts“, „Schimmelreiter“, „Biedermann und die Brandstifter“,  „Homo Faber“, „Werther“, „Woyzeck“, die „Verwandlung“ oder der „Faust“ – ihm seien während seiner Schulzeit nichts als gescheiterte Gestalten begegnet, nichts als Elend und Verzweifelung.

Nun, hier haben wir eines der zugegebenermaßen seltenen Gegenbeispiele. Eine humorvolle Geschichte über ein ernstes Thema, nämlich einen Aufstand einer Dorfbevölkerung gegen ihre Obrigkeit. Aber, leider, nun doch keine Schullektüre, denn Raabe parodiert durchgängig die Gelehrtensprache der Zeit um 1800, so dass die Novelle heute auch für Menschen, die eine einigermaßen solide klassische Bildung genossen haben, nur noch mit Hilfe des Kommentars verständlich wird.

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5 Gedanken zu „Wilhelm Raabe: Die Gänse von Bützow

    1. emhaeu Autor

      Es gibt ja auch viel weniger Komödien auf dem Theater, auch im Film. Da ich weder Krimis, noch herzzerreißende Dramen, noch Horror in allen seinen Spielarten mag, bleiben nicht mehr viele Filme übrig. Streicht man jetzt noch alle Komödien, die Teenies als Zielpublikum haben, dann wird es schon eng. Mit den Jahren hat man die guten dann alle schon ein paarmal gesehen.

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      1. puzzleblume

        Kann ich gut nachvollziehen. Müsste man für einen Film ins Kino gehen, fällt für mich auch noch das ansich Sehenserte weg, weil es mir unerträglich laut ist.

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    1. emhaeu Autor

      Es lohnt sich, nur für Schüler, die meist keine Lust haben, überhaupt was zu lesen, geschweige dann Texte, die dem Lesen einen gewissen Widerstand entgegen setzen, für die ist es halt nichts.

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