Vladimir Nabokov – Pnin

Immer noch auf der Suche nach einem nicht-tragischen modernen Roman, bin ich  auf „Pnin“ gestoßen. Wie schrieb Marcel Reich-Ranicki so schön: „Ein Wunderwerk des Humors …. Ein Jahrhundertroman.“ Hört sich toll an, steht deshalb auch auf dem Umschlag.

Habe mich aber schwer getan mit den 230 Seiten.  Nichts gegen die Formulierkunst und Formulierlust des Autors, auch nichts gegen die ständigen Anspielungen und kleinen Rätsel – obschon es ein wenig nervt, dass man ohne häufige Blicke in den kenntnisreichen Kommentar nicht klar kommt.

Aber ist die Geschichte des Herrn Pnin, des russischen Emigranten, der sich im Norden der USA als Dozent durchschlägt, wirklich so tragfähig? Die ersten 50 Seiten habe ich darauf gewartet, dass endlich eine Geschichte in Gang kommt. Nun gut, ich will nicht sagen, dass gar nichts passiert. Hat man sich bis zum Ende durchgekämpft und lässt das ganze Revue passieren, merkt man, dass Nabokov in den zahlreichen Exkursen und Hin- und Hersprüngen tatsächlich die Geschichte des Herrn Pnin dargelegt hat. Ist auch durchaus humorvoll in seiner Skurrilität, der Russisch-Dozent mit seinem nicht besonders guten Englisch. Aber so eine rechte Lesespannung, so ganz traditionell nach dem Motto: Wie wird es nun weiter gehen, kommt nicht auf.

Es entsteht eher ein Tableau, im die Zustände an einer amerikanischen Universität um 1950 beleuchtet werden und vor allem die Welt der russischen Emigranten. Letztere sind mir richtig sympathisch geworden. Das ist doch was.

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2 Gedanken zu „Vladimir Nabokov – Pnin

    1. emhaeu Autor

      Ja, das ist was, denn aufgrund meiner Familiengeschichte ist das Bild, das ich von den Russen hatte, etwas, sagen wir mal, einseitig gewesen.

      Antwort

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