Die Bagger kommen

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In Kerpen-Manheim, dem Ort, der dem Tagebau weichen muss, wird es jetzt ernst. Die ersten Straßenzüge werden abgerissen.Ich will jetzt nicht über die Sache an sich diskutieren, da sind alle Argumente längst ausgetauscht. Die einen befürchten den Untergang von Natur und Klima, die anderen den Untergang von Arbeitsplätzen und sicherer Stromversorgung.

Was mir nur aufgefallen ist, als ich so durch das Dorf ging: Der Abriss verläuft nach einem feststehenden Muster. Zuerst werden alle Gartenbäume und Sträucher gefällt, die Wurzeln rausgezogen und alles, was Holz ist, von einem Unternehmen abtransportiert. Die machen vielleicht Spanplatten draus oder Holzbriketts. Dann werden die Gärten entrümpelt.

Was die Leute mit viel Energie für einen Kram in ihre Gärten geschleppt haben! Gartenhäuser aus Holz oder Stein, immer aber mit einem soliden Betonfundament versehen. Gartenwege nach rechts, links und in jede Ecke, Betonplatten in Zement verlegt, Randsteine natürlich auch. Eine Terrasse am Haus, ein Sitzplatz weiter hinten im Garten, wieder findet man alles, was die Baumärkte so hergeben. Dann eine Trennmauer zum Nachbarn, einen Sandkasten für die Kinder, einen dekorativen Pseudo-Brunnen,einen überdachten Stellplatz für die Mülltonnen, einen Gartenteich mit Betoneinfassung…..

Erst, wenn das alles weg geräumt wird, sieht man, wie groß diese Gärten eigentlich sind, wie viel guter Boden sich unter all dem Zeugs versteckt.

Wenn dann noch die Häuser abgerissen sind und aller mineralischer Schutt dem Recycling zugeführt, dann wird da, wo mal Manheim war, wieder ein Feld sein. Oder eine schöne Wiese, an der sich Kühe und Schafe erfreuen können.

Vielleicht, ging mir durch den Kopf, eine feine Lösung: Der Braunkohletagebau wird eingestellt, der ganze Beton kommt weg und aus dem Betonhaufen Manheim wird eine Wiese.

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14 Gedanken zu „Die Bagger kommen

    1. emhaeu Autor

      Ja, als ich da so durchspaziert bin, musste ich auch ab und zu schlucken, vor allem bei den Details, wenn z. B. in einem Garten noch Kinderspielzeug rumliegt. Aber, wie ich schon Pit geschrieben habe: Für den Außenstehenden ist schwer nachzuvollziehen, was die ehemaligen Bewohner so empfunden haben. Wir sind ja auch erst vor 4 Jahren umgezogen (natürlich freiwillig und nicht wegen Tagebau), nachdem wir 33 Jahre vorher in unserem Haus in Horrem gewohnt haben. Und viel, viel Energie in das alte Haus und den Garten gesteckt hatten. Und geflucht, weil es schlecht gebaut (1933) war und trotz und wegen der zahlreichen Um- und Anbauten einfach einen schwierigen (verkorksten?) Grundriss hatte. Und kaum 2 Jahre später ist das alte Haus schon so gut wie vergessen, auch der Garten. Nur die Johannisbeeren, die waren im alten Garten viiiiel besser. Und die Rosen bunter …..

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    1. emhaeu Autor

      Liebe Susanne! Nach dem Abbau bestimmt. Oder ein Feld. Oder an der Stelle wird Wasser sein, denn direkt hinter unserem Haus wird ein riesiger See entstehen. Leider erst nach meinem Umzug auf den Friedhof.

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  1. puzzleblume

    Eine interessante Betrachtung, quasi aus einer Art Vogelperspektive. Wenn der Tagebau mit der Region fertig ist, folgt ja sicherlich auch wieder so ein wahrschenlich nicht minder vorübergehendes Stadium der Übernahme durch die Natur. Im Grunde ist es eine Besiedlungsgeschichte im Zeitraffer, bloss dass der Mensch die zerstörerische Kraft darstellt, wo es woanders Erdbeben, Vulkane oder Überschwemmungen verursachen.

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    1. emhaeu Autor

      Ja, einerseits war auch schon vorher die Kraft, die den Urnaturzustand zerstört hat, denn die Gegend war ja nun wahrlich kein Naturschutzgebiet. Andrerseits wird, wenn die Kohle weg ist, sofort der Mensch wieder als gestalterische Kraft tätig. Ich habe das ja schon 2mal mitbekommen sozusagen seit meiner Kindheit. Es wird nichts dem Zufall überlassen, weder die Wahl der Erden, die da hingekippt werden, noch die Oberflächengestaltung noch die Bepflanzung. Schon seit mehreren Jahren wird auf der Seite des Hambacher Tagebaus, wo die Auskohlung begonnen hat, wieder neu gestaltet. 1500 ha Wald sind da schon entstanden, nach den feinsten Standards gegenwärtiger Waldanlagekunde geplant und durchgeführt. Mischwälder mit Trockenwiesen und Feuchtbiotopen, was man will. Die Natur, vor allem die Tierwelt, übernimmt dann erstaunlich schnell die Gebiete. Siehe z.B. http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/juelich/exkursion-auf-die-sophienhoehe-natur-vom-reissbrett-mit-hoher-wertigkeit-1.1776551
      Den Tieren ist es, vermute ich, ziemlich egal, ob da natürliche Natur oder menschengestaltete Natur entsteht.

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    1. emhaeu Autor

      Ja, für den außenstehenden wie Du und ich schwer abzuschätzen, was die Betroffenen so empfinden. Die hatten ja etwa 40 Jahre Zeit, sich auf die Situation einzustellen und zu versuchen, das beste draus zu machen. Es gibt im Dorf ja auch keinen nennenswerten Widerstand, nicht mal eine Bürgerinitiative, kein Transparent, keine Plakate. Ein Neuanfang kann ja auch positiv sein, ich kenne z.B. ein Paar, das hat sich entschieden, sich mit dem Geld von RWE ein Haus am Waldrand in Bergischen Land zu kaufen. Das neue Dorf ist, meiner Meinung nach, ziemlich schrecklich geraten. Das liegt aber nicht an RWE, sondern an den Bewohnern, die bei allen Schritten ihre Vorstellungen einbringen konnten. Wahrscheinlich gefällt es ihnen so. Muss mal Bilder in Manheim-Neu machen.

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      1. Pit

        Es ist wirklich schwierig, denke ich, sich als Aussenstehender in die Gefuehlslage der alteingesessenen Einwohner zu versetzen. Fuer mich besonders, weil ich nie so richtig heimatverbunden gewesen bin.

    1. emhaeu Autor

      Finde ich auch. Wäre dann eine schöne Gegend da. Die Autobahn ist ja schon verlegt, im Hintergrund der Wald, vorne die Felder (die nicht abgebaggert werden, und ich stehe mitten drin auf der Wiese.Hab ich nichts gegen.

      Antwort

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