Unruhige Geister auf Reisen

„Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen“, sagte Pascal mal. Na, vielleicht ist es in dem Zimmer nicht auszuhalten, wer weiß? Aber was ist, wenn der gleiche Mensch in einer wunderschönen Landschaft sitzt, ringsum Natur, Natur, Natur – und trotzdem weg will?

Ging mir so durch den Kopf, als ich gerade mal wieder in der asturischen Bergwelt war. Zusammen mit einem alten Schulfreund. Er war keine Ausnahme, eher der Normalfall: Am ersten Tag richten sich die Leute ein, schauen sich die Hütte an, betrachten das Bergpanorama von der Terrasse aus und sind des Lobes voll. Am zweiten Tag werden sie schon nervös: Müssen wir nicht ins Tal fahren, um etwas einzukaufen? Sollen wir nicht mal eines der Restaurants unten am Meer ausprobieren? Falls nicht, machen sie ein paar Photos, schreiben ein paar Mails. Und wenn sie merken, dass die Internetverbindung hier oben sehr instabil ist, setzen sie sich in einen Liegestuhl und lesen eines der mitgebrachten Bücher.


Am dritten Tag ist dann aber endlich ein Ausflug fällig. Es gibt ja so viel zu sehen in der Gegend: Die Basilika von Covadonga, die berühmten präromanischen Kirchen in Oviedo und was der Reiseführer so hergibt. Und so besichtigen dann Leute, die seit 50 Jahren in oder um Köln wohnen, ohne auch nur die Hälfte der berühmten dortigen romanischen Kirchen je betreten zu haben, die Kirchen von Oviedo. Oder von Covadonga. Und die Lagos, zwei Bergseen, die muss man auch unbedingt gesehen haben! Mein schüchterner Einwand, dort oben sehe es genau so aus wie hier, wird ignoriert, mein Hinweis, die Fahrt nach dort oben sei sehr beschwerlich, die Strasse eng und kurvenreich, wird eher als Ansporn verstanden: Ja, das ist es doch, eine abenteuerliche Fahrt in die Bergeinsamkeit! Ich bleibe derweil in der Hütte und genieße die Bergeinsamkeit ganz ohne Strassen und Auto.

Einmal machen wir eine kleine Wanderung in der Umgebung, einmal gehen wir zu Fuß ins Dorf. Danach hat mein Companero genug, jetzt kennt er die Gegend, hat genug Bilder im Smartphone, liest lieber in seinem Buch, als Wiesen und Wälder in der unmittelbaren Umgebung zu erkunden, fährt nach Ribadesella ans Meer, dann noch einmal Richtung Meer, um die Küstenstadt Llanes kennen zu lernen, dann überredet er mich, einen Tag früher aufzubrechen, er wolle unbedingt noch das schöne Santander besichtigen.

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11 Gedanken zu „Unruhige Geister auf Reisen

  1. puzzleblume

    Es ist erstaunlich selten, jemanden zu treffen, der einfach nur wie ein Teil des Gesamten sein möchte und das aushält, statt genau in dem Moment in Panik und Selbstabgrenzungsbedürfnis aufzuspringen, und wegzulaufen, sei es körperlich oder geistig, durch Lesen, Sprechen, Pläne machen.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      „einfach nur Teil des Gesamten“ – das ist es. Drum ist es dach auch so schwer, sich wieder hier einzufinden und hier ein Teil des gesamten zu sein ….

      Antwort
  2. Pit

    Tja, lieber Martin, was soll nun ich erst sagen, wenn wir demnaechst ca. 4000 Meilen in 18 Tagen „abspulen“? 😀 Aber einerseits ist unser Land hier eben so riesig, dass man – wenn man denn bestimmte Ziele hat – schon weite Fahrten in Kauf nehmen muss, und andererseits haben wir ja auch unseren schoenen und grossen Garten zum Geniessen und Entspannen.
    Apropos unsere geplante Reise: am 16. Mai geht es mal wieder auf einen „RailTrailsRoadTrip“. Wir haben ja immer noch unser ultimatives Ziel, mindestens 10 Meilen in jedem Bundesstaat der USA zu radeln, nicht aufgegeben. Und da stellen wir so langsam fest, dass wir die Staaten in der „Naehe“ so allmaehlich schon abgeklappert haben und daher die Entfernungen, die wir zuruecklegen muessen, immer groesser werden. Dieses Mal geht es ueber Mississippi [das wir schon „abgehakt“ haben] nach Alabama, Georgia, South Carolina, North Carolina, Ohio, Tennessee, Kentucky und Indiana. Auch wenn es so aussieht, als ob wir kaum Zeit fuer etwas haetten, so haben wir doch so geplant, dass ausser Radeln und Autofahren auch noch Besichtigungen drin sind.
    So, jetzt aber noch zu Deinen Bildern hier: die finde ich einfach grossartig! 🙂 Die machen Lust auf die asturische Bergwelt.
    Noch einmal zurueck zu unserem Garten: es war zwar in der letzten Zeit absolut zu trocken, und der Rasen ist nicht so schnell gewachsen wie sonst, aber maehen muss ich trotzdem. Gestern habe ich eine Haelfte geschafft, heute ist die andre dran. Nachdem ich vor zwei Wochen eine „Rasenkehrmaschine“ gekauft habe [die ist sehr hilfreich, damit, wenn einmal viel Gras anfaellt, oder wenn die Eichen ihr Laub abgeworfen haben, nicht so viel liegen bleibt und das Gras unterdrueckt], habe ich allerdinngs festgestellt, dass ich jetzt die doppelte Zeit brauche, weil es besser ist, in zwei Arbeitsgaengen [erst maehen, dann kehren] vorzugehen. Ach ja: unser Garten ist zwar sehr schoen, aber auch zeitintensiv.
    So, jetzt aber Schluss (fuer heute). Nachher moechte ich ja auch noch das Champions-League Fussballspiel zwischen Real und Bayern gucken.
    Liebe Gruesse,
    Pit
    P.S.: Und ich moechte auch noch ein bisschen an einem Blogartikel ueber unseren Tag segelnderweise auf dem Wasser vor Galveston sachreiben. Ja, ich habe das Bloggen wieder angefangen! Zuerst schon hier, in meinem „Bilderbuchblog“ [https://pitsbilderbuch.wordpress.com/].

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ja Mensch, lieber Pit, mit dem Fahrrad. Und ich bin dieses Jahr insgesamt vielleicht 40 km gefahren, was eindeutig ein Negativ-Rekord ist. – Eingentlich soll man ja den Rasenschnitt nie liegen lassen, mache ich auch nicht, genauer: Habe ich nicht gemacht. Aber in diesem Frühjahr (brauchte erst 2maL zu mähen …) habe ich meinen Computerfrust (über den ich noch berichten werde) mit körperlicher Arbeit bekämpft und den gesamten Rasen jedemal mit dem kleinen Handmäher gemäht. Treibt den Schweiß, baut Frust ab, aber wenn ich dann noch den Rasenschnitt aufgekehrt hätte, dann wäre noch mehr Schweiß geflossen. Da bin ich lieber wieder auf die Jagd nach den Buchsbaumzünslern gegangen, die unseren schönen Buchsbäumen den Garaus machen wollen ….. wünsche dir eine schöne Zeit! Martin

      Antwort
      1. Pit

        Da hast Du mir in diesem Jahr schon 40 Kilometer auf dem Rad voraus, lieber Martin. Ich bin naemlich noch keinen einzigen geradelt – fauler Hund, der ich nun mal bin. 😀 Deswegen bin ich sehr gespannt darauf, wie es mir auf der Tour ergehen wird. Normalerweise sollen es ja nur die mindestens 10 Meilen in jedem Bundesstaat sein. Aber an den ersten zwei Tagen will ich zwei komplette Radwege, den Chief Ladiga Trail in Alabama und den Silver Comet Trail in Georgia radeln. Die gehen naemlich direkt ineinander ueber. Aber das sind dann zusammen 90 Meilen. Wir haben unser Quartier so ziemlich auf der Mitte. Da koennte Mary mich morgens an den Anfang des einen Trails bringen, ich radle zum Quartier, und am naechsten Tag vom Quartier zum Ende des zweiten Trails, wo Mary mich wieder aufpicken kann. So jedenfalls ist bis dato meine Planung.
        Das mit dem Rasenschnitt liegenlassen habe ich mal so, mal so gehoert. Es kommt, so unser Landwirtschaftsberater, auf den Boden an. Mancher Boden kann das gebrauchen, mancher eher nicht. Hier fuer uns halte ich es so, dass ich den Schnitt liegen lasse, wenn es nicht viel ist. Aber so richtig Heu auf dem Rasen, das waere nicht gut. Also wird das abgekehrt und kompostiert. Unsere Rehe habe ich naemlich bisher nicht zum Heu Fressen ueberreden koennen. Die halten sich llieber an unsere Zierpflanzen. Auch die jungen Eichen, die an vielen Stellen spriessen, und die ich gerne bewahren moechte, halten sie fuer eine Delikatesse. 😦
        Mit einem Handmaeher kann ich hier natuerlich nichts werden, bei ca.8.000 bis 9.000 Quadratmeter Rasen, Da muss ich schon mit dem Motormaeher [Rasentraktor] ueber den rasenb rasen. 😉
        Mach’s gut, und auch Dir und Roswitha einen schoenen Wonnemonat,
        Pit

  3. Ulli

    Lieber Martin,
    manche so, manche anders, nicht wahr?! Wir haben vor ein paar Tagen über diesen Ort gesprochen und haben beide Sehnsucht nach genau diesem Still, das ja auch nicht nur still ist, nach der Schlichtheit, dem wackeligem Netz (das wir eh kaum gebraucht haben), nach der Bergwelt, den Kühen und wohl auch nach dem Nachbarn und seinem Riesenhund und…
    liebe Grüße, Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Liebe Ulli, dann macht euch doch auf den Weg, Holz ist dank der Arbeit eines bekannten Herren genug für Wochen da ….. lg Martin

      Antwort
      1. Ulli

        Wir denken an September/Anfang Oktober, jetzt hat der „Herr“ ja Gärten bis zum abwinken zu beackern und ich kann Zurzeit hier auch leider nicht weg, aber danke schon einmal, wir mailen, wenn wir mehr wissen, okay?!

      2. Ulli

        Ja, schauen wir, H. war auf jeden Fall sehr angetan als ich ihm von unserem kurzen Austausch erzählt habe…

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