Jakob Wassermann: Mein Weg als Deutscher und Jude


(nicht nur, weil ich hier über alle Bücher berichte, die ich gelesen habe ….)

Weiß gar nicht mehr, wie ich über dieses Buch gestolpert bin. Jakob Wassermann kannte ich nur als Verfasser der (ungeliebten) Schullektüre „Das Gold von Caxamalca“. Aber ich lese gerne Autobiografien und „Mein Weg als Deutsche und Jude“ konnte ich bei dem übrigens sehr zu empfehlenden Null Papier Verlag (https://null-papier.de/) kostenlos herunterladen.

Ein nicht immer leicht zu lesender, aber dann doch packender Text. Nicht leicht zu lesen, weil Wassermann eine, man könnte sagen, etwas hochgestochene Sprache verwendet; nicht leicht zu lesen, weil das Schicksal des Juden Jakob Wassermann, der ein deutscher Schriftsteller unter Deutschen sein wollte, kein leichtes Schicksal war.

1921 ist dieser autobiografische Essay erschienen – als Jakob Wassermann an dem Text geschrieben hat, war die NSDAP also noch gar nicht gegründet. Antisemitische Vereine allerdings gab es schon vorher zu Hauf. Mit diesen aber beschäftigt sich Jakob Wassermann gar nicht, er berichtet über das, was ihm von Menschen widerfahren ist, die keineswegs organisierte Antisemiten waren, sondern, sozusagen, normale Antisemiten, die ihm beispielsweise etwas Gutes tun wollen, indem sie sagen: Du bist zwar Jude, aber trotzdem ein anständiger Kerl.

Bei der Lektüre habe ich eine Zeitlang gedacht: Wäre Jakob Wassermann, wäre er kein Jude gewesen, nicht gleichermaßen zum Außenseiter gestempelt worden? Denn als Außenseiter hat er sich zeitlebens gefühlt, als einsamer Wolf, der so einsam war, weil er höchste Maßstäbe an sich, sein literarisches Werk und nicht zuletzt an seine Mitmenschen gestellt hat. Mag sein, hilft aber nicht darüber hinweg, dass Wassermanns Buch überdeutlich zeigt, wie tief der Antisemitismus gesessen hat (sitzt?) und wie grausam das Vorurteil sich auswirken kann.

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4 Gedanken zu „Jakob Wassermann: Mein Weg als Deutscher und Jude

    1. emhaeu Autor

      Der Mensch braucht zum Überleben nicht viel mehr als Brot, Wasser und Vitaminpillen. Der Rest, so könnte man sagen und haben z.B. streng asketische Mönche gesagt, ist Ballast. Klar. Aber mancher Ballast ist ein schöner Luxus, eine Freude, die man sich gönnen kann und sollte. — So ungefähr.

      Antwort
    1. emhaeu Autor

      Entschuldigung wegen der verspäteten Antwort – der Stress, der Stress. —– Interessant finde ich, dass das „gold von Caxamalca“ heute immer noch gelesen wir in der Schule. Bei mir ist es immerhin über 50 Jahre her. Und weil die Lektüre es Werkes, mag es so gut sein, wie es will, dann doch allzu oft insofern lebenslang nachwirkt, dass man den Text nie wieder in die Hand nimmt, hat mich das Reclam-Heft zwar jahrzehntelang von Ort zu Ort begleitet, aber reingesehen habe ich nie wieder. Jetzt ist es wie (fast) alle Reclam-Hefte in der Papiertonne gelandet. Auch schade, irgendwie. Erinnerung oder Ballast?

      Antwort

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