Am Waldrand


Bis zum Waldrand bin ich geradelt, bis zum Rand des Merzenicher Erbwaldes. Merzenicher Erbwald – das sagt vermutlich niemandem etwas. Aber wenn ich mein Rad von der anderen Seite fotografiere (Entschuldigung, schlechtes Bild), …. … dann sieht man, weshalb Wald und Weg hier enden: Kaum 100 Meter beginnt der Tagebau, 200 Meter weiter trägt einer der Riesenbagger gerade die obersten Erdschichten ab.

Der Merzenicher Erbwald spielt seltsamerweise bei der ganzen Diskussion um den Hambacher Forst keine Rolle. Dabei ist er größer als der Hambacher Forst, ist schon heute durch den Tagebau ein Stück kleiner geworden und liegt kaum einen Kilometer von dem Waldstück entfernt, dass von den Medien Hambacher Forst genannt wird. Oder, neuerdings, weil der Begriff „Forst“ nicht so recht dazu passen will, dass es sich bei dem umstrittenen Waldstück angeblich um einen einzigartigen, uralten Wald handelt, „Hambacher Wald“ – ein Begriff, der sich auf keiner Landkarte findet.

Würde sich mal jemand die Mühe machen, eine vernünftige Landkarte der Gegend zu betrachten, würde er sehen, dass die Waldstücke, die heute noch vorhanden sind, ganz anderes heißen: Morschenicher Bürge, Golzheimer Bürge, Buirer Bürge, Probstei, Vogelsang, Manheimer und Blatzheimer Bürge. Das etwa 140 ha große Stück, das die Braunkohlegegner besetzt haben – die Eingänge sind verbarrikadiert, Spaziergänger werden von „Wachen“ begutachtet – ist nur ein Teil: Morschenicher Bürge, Golzheimer Bürge und Buirer Bürge. Das „Probstei“ genannte Stück wiederum ist nur noch ein kleiner Rest. Denn schaut man sich historische Karten an, dann sieht man, dass dieses Stück im letzten Jahrhundert mächtig dezimiert worden ist und durch große Kiesgruben immer noch weiter dezimiert wird. Regt sich aber niemand drüber auf.

Die alten Rodungen erkennt man übrigens auch an den heutigen Flurnamen: Grossrott, Hausmannsrott, Etschröttgen und Am Rottsweg. Diesen Rottsweg hat  irgendwann mal jemand auf einer amtlichen Karte „Rotzweg“ geschrieben. War wohl zu peinlich, heute heißt die Strasse ganz anders. Dieser heute weitgehend zu Ackerland umgewandelte Probsteiwald, kaum mehr als ein paar Hektar groß,  ist jedenfalls das einzige Stück, dass tatsächlich einmal zum großen erst erst gräflichen, dann königlichen, dann staatlichen Hambacher Forst gehört hat.

Na gut, das sind alles nur Beckmessereien, kann man sagen. Aber egal, wo man den Sachen mal ein wenig auf den Grund geht bei dem „Hambacher Wald“, ob es das Alter ist, die Ausdehnung, die ehemalige Nutzung, die Einzigartigkeit dieses ach so wertvollen Biotops bis hin zur darin lebenden Bechstein-Fledermaus – überall stößt man auf Behauptungen, die einer vom anderen abschreibt. Und je öfters es abgeschrieben wird, desto mehr wird aus einer Vermutung oder einer Behauptung eine Tatsache.

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15 Gedanken zu „Am Waldrand

    1. emhaeu Autor

      Da bin ich also eine aussterbende Art, sozusagen auf der roten Liste der Fortbewegungsmittel. Ist aber was dran, zumal ich grundsätzlich ohne die modische Bunte Radlerkleidung unterwegs bin. ….

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      1. puzzleblume

        Ach, ich vergass die in Neonfarben gekleideten und behelmten Ehrgeizlinge – so sieht man die Freizeitradler hier im Flachland seltener, wir haben eher die e-motorisierte Gruppe der sich, weil sie ja Energiene freihaben, laut unterhaltenden Spazierenfahrer.

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      2. Pit

        Na ja, obwohl ich immer Radlerkleidung trage, sehe ich mich doch nicht als „Ehrgeizling“. Und behelmt bin ich auch immer unterwegs. Waere dem nicht so, wuerde ich hoechstwahrscheinlich nicht mehr hier schreiben koennen, nach einem Sturz, von dem ich heute immer noch nicht weiss, wie es dazu gekommen ist, bei dem ich aber trotz Helm eine schwere Gehirnerschuetterung davongetragen habe.

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  1. Pit

    Lieber Martin,
    danke fuer diesen historischen Abriss.
    Aber hier ganz etwas Anderes: ist das in Brooks Ledersattel am Radl?
    Liebe Gruesse aus einem 42-Grad-heissen Fredericksburg,
    Pit

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    1. emhaeu Autor

      Ja, lieber Pit, ich habe den Brooks von meinem Schwager geschenkt bekommen, war anfangs sehr skeptisch, aber finde ihn inzwischen sehr gut 😊

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      1. Pit

        Fuer mein Salsa Fargo 2 [https://wp.me/p4uPk8-tA] habe ich eigentlich schon seit Langem mit einem Brooks geliebaeugelt. Der Sattel, den ich zur Zeit da drauf habe, tut meinem „Sitzfleisch“ nicht so unbedingt gut. Habe ich bei unserem RailTrailsRoadTrip neulich wieder bemerkt, und das nicht nur am ersten Tag [https://wp.me/p4uPk8-1mV]: wenn die Strecke etwas laenger wird, schmerzen die Sitzknochen, und das strahlt in die Oberschenkel aus. Mal sehen, ob bzw. wann ich mir einen anderen Sattel zulege.
        Liebe Gruesse,
        Pit
        P.S.: Seltsamerweise habe ich diese Probleme bei meinen beiden Strassenrennraedern nicht. Mit den Saetteln war ich vom ersten Augenblick an zufrieden.

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      2. Pit

        Hallo Martin
        stimmt natuerlich, aber zum Einen waere ein etwas mehr „tourenmaessiger“ Sattel fuer das Rad wohl besser, und zum Anderen ist ein Brooks natuerlich etwas Besonderes.
        Oder ich muss einfach mehr radeln, um mein Sitzfleisch abzuhaerten. 😀

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      3. emhaeu Autor

        ne, besser ein anderer Sattel als auf Abhärtung hoffen – Brooks braucht halt eine gewisse Einfahrzeit, wo man mit Lederfett und Wasser arbeiten muss, damit er sich langsam dem „Sitzfleisch“ anpasst.

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      4. Pit

        Das mit der Einfahrzeit habe ich auch gelesen, und das waere ja kein Problem. Was auch noch fuer Brooks spricht: sie haben auch ein Modell, das zwischen einem richtigen Rennradsattel und einem klassischen Tourensattel liegt. Das wuerde wohl ziemlich genau dem entsprechen, was ich brauche.

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      5. Pit

        Auch wenn ich ja normalerweise die oertlichen Laeden gerne unerstuetze, so wird es hier wohl doch auf das Internet hinauslaufen, denn mein bevorzugter oertlicher Fahrradladen hat „ganz stolze Preise“, um das einmal vorsichtig so auszudruecken.
        Hab‘ einen feinen (Rest)sonntag,
        Pit

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