Büchersuche (G. Flaubert, D. H. Lawrence und K. Gier)

Ferienzeit, Lesezeit: Draußen bimmeln die Kühe, das Heu duftet, der Liegestuhl lockt, da fehlt nur ein gutes Buch.

Und was gibt das Bücherregal des Ferienhauses her? Flaubert, „November“. Nie gehört, aber „Madame Bovary“ habe ich gerne gelesen, warum also nicht Flauberts Erstling? Junger Mann verfällt einer Prostituierten, stand im Umschlag. Na dann. Aber während der ersten 50 Seiten taucht keine Prostituierte auf, stattdessen geschieht im Grunde gar nichts. Nur dass die Welt ganz schlecht ist und dass der junge Held ganz fürchterlich darunter leidet, erfahren wir. Metaphernselig und tief im Dunkeln sich suhlend – dagegen ist Goethes „Werther“ ja geradezu heiter. Auf Seite 60 habe ich aufgehört.

Statt dessen: Drei Erzählungen von D. H. Lawrence in einer zweisprachigen Ausgabe. Könnte was sein, die Geschichte mit dem Seitensprung der bekannten Lady war ja auch nicht schlecht. Gut, ich habe brav bis zum Ende gelesen, Begeisterung stellte sich nicht ein. Auch hier weiß der Leser schon zu bald, dass die drei Beziehungsgeschichten nur tragisch enden können. Ist dann spannend, zu sehen, wie tragisch. Eine der drei Geschichten macht eher den Eindruck, eine Vorarbeit für einen Roman zu sein, auch bei der anderen, längsten des Bandes („England, mein England“) skizziert der Autor mehr den Lebenslauf des Paares wie ein Therapeut, der sich die wichtigsten Stationen notiert, als dass er detailliert erzählen würde. Wieder geht die Beziehung Stufe um Stufe den Berg hinab, aber, um das Ende zu verraten, sie bringen sich nicht um, sondern der Held fällt im Krieg einer Granate zum Opfer – und ausgerechnet diese Szene beschreibt D.H. Lawrence in allen Einzelheiten. Durchaus unerfreulich, hätte meine Mutter gesagt.

Dann lag da noch ein dritter Band im Regal: Kerstin Gier, „Silber“. Spiegel Bestseller.

Nun lese ich eigentlich grundsätzlich keine Bestseller, von einer Kerstin Gier hatte ich noch nie was gehört. Aber wenn nichts anderes da ist …
Nun, ein grottenschlechter Roman für 13jährige Mädchen. Grottenschlecht, aber mit dem Lesen aufhören konnte ich dann doch nicht.
Ich hatte so den Einruck, dass die Autorin den Roman gar nicht selbst geschrieben hat, sondern ein Team, das in einer Art Brainstorming überlegt hat, welche Zutaten man braucht, um für die Zielgruppe der pubertierenden Mädchen eine Geschichte zu schreiben. Ist ja kein Fehler, aber dazu hat man all die Zutaten genommen, die man schon aus Hunderten von Filmen und Romanen kennt: Das Mädchen mit der hässlichen Brille, die am Ende auf Kontaktlinsen umsteigt, Dämonenbeschwörung auf dem Friedhof, eine Gang von wundertollen reichen Jungs im rechten Alter, eine karrieresüchtige Mutter, die ihr Kind nicht versteht, der geschiedenen Vater, der keine Zeit für die Kinder hat; eine vornehme Traditionsschule im feinsten London. Alles mit zeitgenössischen Ingredienzien wie iPhones und iPads (nur diese Marke, kennt die Autorin keine anderen oder hat Apple gesponsert?), einem Blog und irgendwelchen aktuellen Heldinnen der Pop-Kultur abgeschmeckt.
Aber: Die zweite Hälfte habe ich auf dem Flughafen und beim Flug gelesen. Als das Flugzeug auf der Landebahn aufgesetzt hat, bin ich total erschrocken, denn ich hatte vor lauter Lesen nicht mitbekommen, dass wir schon bei der Landung waren. Das wäre mir bei G. Flaubert oder D. H. Lawrence nicht passiert.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.