Leipzig – Denkanstöße in Halle 14

Und dann gibt es in Leipzig noch die Spinnerei, ein altes Fabrikgelände, in dem allerlei Galerien, Designer etc. sich niedergelassen haben. Mittendrin eine Ausstellungshalle, die Halle 14.

Eine riesige Halle im schicken Kaputt-Stil, die von der aktuellen Ausstellung nicht einmal annäherungsweise gefüllt werden konnte.

Eine Wand in der Halle 14, hat nichts mit der Ausstellung zu tun

Die Ausstellung war nicht uninteressant, aber schon der hochtrabende Titel „Neue urbane Produktion“ hat mich gestört. Gemeint ist: Künstler oder Designer basteln in der Stadt an irgendwelchen Projekten. Wobei eines der Projekte, nämlich die Herstellung von Lampenschirmen mit Solarenergie, nicht in einer Stadt angesiedelt ist, sondern auf dem platten Land im schönen Österreich. Dieses Projekt übrigens zeigt außer der, wie die Austellungsmacher meinen, „Vision einer harmonischen und erfolgreichen Kooperation zwischen Natur und Maschine, Handwerk und Technologie“, dass die Produzenten, wenn sie es ernst meinen mit der im Gleichklang mit der Natur erfolgenden technikarmen Produktion, dann halt tagelang oder während fast der gesamten Wintermonate einfach nichts produzieren können.

Die Installationen, schreiben die Ausstellungsmacher, „werfen Fragen auf über das Miteinander von Arbeit und Leben im 21. Jahrhundert und einen bewussten Umgang mit Zeit, Rohstoffen und Arbeitskraft“. Denkanstöße sozusagen. Aber gehen nicht alle diese Denkanstöße in die Richtung, die wir sowieso jeden Tag hören? Keine Plastiktüten, Produktion aus recycelten Materialien, maßgefertigte Sneaker (als Zeichen gegen globale Ungerechtigkeit!), Möbel aus Abfall, Kacheln aus Bauschutt, …. ach, ist ja alles nicht falsch, aber was ist das anderes als Mainstream? Kunst, die wirkliche Denkanstöße in eine neue, unerwartete Richtung gebt, ist das alles nicht.

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3 Gedanken zu „Leipzig – Denkanstöße in Halle 14

  1. puzzleblume

    Des Kaisers neue Kleider….
    Abgesehen davon, dass sich ein Landei wie z.B. ich vom so gern im shabby chic herumgeworfenen Begriff „urban“ und all dem hippen Bemühtsein ausgegrenzt fühlt, als wäre es ein geradezu religöses Privileg, über ein Miteinander von Arbeit und Leben nachzudenken, dessen auf dem Lande niemand teilhaftig werden kann.

    Antwort
  2. Ulli

    Die Frage, die ich mir schon oft gestellt habe ist die, ob es sie überhaupt jetzt und hier geben kann, die neuen, unerwarteten Richtungen, wenn die Ideen, die durchaus innovativ waren und sind nicht wahrgenommen, oder sage ich lieber nicht umgesetzt werden Ist das die Falle, die wirklich Neues blockiert?

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Eine Falle würde ich nicht sagen, ist vielleicht zu stark. Aber es ist schon eine Verlockung (oder wie manche sagen würden: ein spezieller Egotrip), mit dem Strom zu schwimmen und dabei laut zu rufen: Seht her, ich schwimme gegen den Strom!

      Antwort

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