Plünderer unterwegs


Nein, ich will nichts über die Dörfer schreiben, die jetzt Stück für Stück abgerissen werden, sondern über mich.

Es muss Mitte der 80er Jahre gewesen sein, da habe ich an das Haus, in dem wir damals wohnten, einen kleinen Anbau gesetzt. Geld war sehr knapp damals, da sich das kurz zuvor gekaufte Haus als viel renovierungsbedürftiger herausstellte, als das so schien. Der Anbau wurde also mit einfachen Materialien gebaut, das kleine Dach wollte ich mit Dachziegeln decken, die der Dachdecker da ausgebaut hatte, wo die neuen Dachflächenfenster hingekommen waren. Schien eine ganze Menge zu sein.

Die Dachziegel reichen aber nicht. Was tun? Der Baustoffhändler meinte, solche Dachziegel gäbe es nicht mehr, ich sollte doch komplett neue nehmen. Da habe ich zufällig in der Zeitung gelesen, dass das Dorf Etzweiler bald abgerissen würde, ein Geisterdorf hieß es, das bald der Braunkohle zum Opfer fallen würde. Da müssten doch solche alten Dachziegel massenhaft rumliegen, dachte ich.

Es lag aber nichts rum, die Dachziegel waren auf den Dächern der leeren Häuser. Ein paar Dächer waren sogar genau mit dem gleichen Dachziegeltyp gedeckt wie mein Anbau-Dach. Aber wie sollte ich die da runter kriegen?

Ich schlich um das Dorf rum und fand tatsächlich einen Gartenschuppen, der mit den richtigen Ziegeln gedeckt war. Von der niedrigen rückwärtigen Gartenmauer aus konnte man die Dachziegel bequem herunter holen und in den Kofferraum legen. Im Schuppen, konnte ich durch die größer werdende Dachlücke sehen, standen noch Gartenmöbel. Ja so sind die Leute, dachte ich, unmöglich, diese Wegwerfgesellschaft.

Zu Hause zeigte sich, dass die Menge nicht ausreichte. 10 Stück fehlten noch. Also noch einmal nach Etzweiler, noch einmal 10 Dachziegel entfernt. Inzwischen dämmerte es schon stark. Und als ich mit den Dachziegeln im Kofferraum auf die Dorfstrasse eingebogen bin, sah ich, dass in dem Haus, zu dem der Gartenschuppen gehörte, Licht brannte. Mist, da wohnen ja noch Leute! Nichts wie weg….

 

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10 Gedanken zu „Plünderer unterwegs

    1. emhaeu Autor

      Ja, so lernt man für’s Leben. Tatsächlich ist es mir aber bis heute ein Dorn im Auge, was bei dem Abriss der Häuser alles weggeworfen wird. Die Materialien werden zwar getrennt und recycelt, aber da bleibt noch genug übrig. Im Frühjahr hätte ich fast in so einem Vorgarten in Manheim wunderschöne Krokusse ausgebuddelt. Als ich das nächste Mal da war, war schon alles platt gemacht. Heute ist das eh alles nicht mehr wie früher, weil heute sofort Security-Leute auftauchen. Ist wahrscheinlich nötig, weil sonst regelrechte Plündererbanden kommen, die Türen aufbrechen und alles mitnehmen, was sich irgendwie verscherbeln lässt, z.B. Dachrinnen aus Kupfer. Aber uralte Dachpfannen wollen die auch nicht …

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      1. Pit

        Da faellt mir auch nichts zu ein, denn, es war ja Mitte der 80er, als juegendlichen Uebermut kann man es ja wohl nicht mehr werten – ohne Dir zu nahe treten zu wollen. 😀

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