Fernsehen (2)

ard

Ab 1960 also stand ein Fernsehapparat im elterlichen Wohnzimmer. Bis ich 15 oder 16 Jahre alt war, schaute ich regelmäßig die Vorabendsendungen, dann gab es die Tagesschau, dann musste ich bald ins Bett, denn der Zug zur Schule fuhr morgens schon recht früh ab.

Als ich dann 16 war und meine beiden eigenen Zimmer im Obergeschoss beziehen konnte – die Schwestern waren alle ausgezogen, nun gab es genug Platz – änderte sich das. Angespornt durch den Freund und baldigen Ehemann meiner jüngsten Schwester, der ein großer Cineast und Intellektueller war, der das Fernsehen verabscheute, schaute ich jetzt nur noch Spielfilme mit „cineastischem Anspruch“, und zwar, wenn die Eltern zu Bett gegangen waren. Und hielt mich für einen großen Cineasten – was man in dem Alter halt so macht, um das eigene Ego aufzupolieren.

Das bliebt so, bis ich mit 21 meine erste eigene Wohnung in Köln bezogen habe. Wohnung ist etwas übertrieben: Denn ein 12 qm Zimmer mit schrägen Wänden, einer Kochnische und Toilette (kein Bad) konnte man nur mit einiger Übertreibung als Wohnung bezeichnen. Der Familienfernseher jedenfalls kam mit, denn meine Eltern hatten sich einen Farbfernseher zugelegt.

Dummerweise ging mein Fernsehapparat bald darauf kaputt. Mitten in einer Dokumentation über den Holocaust (nicht während der bekanten Serie von 1979, sondern etwa 1974). Ich beschloss, es meinem Schwager gleichzutun und gar nicht mehr fernzusehen.

So ist es dann lange geblieben. Ich machte Examen, ich heiratete, ich arbeitete als Lehrer, ich kaufte ein Haus, ich zerstritt mich mit dem Schwager – 16 Jahre ohne Fernseher.

Tatsächlich ist die Welt des Fernsehens bald weit weg, wenn man nicht an ihr teilnimmt. Wenn man nicht mehr das Fernsehprogramm studiert und all die Sendungen, über die die Kollegen reden, nicht kennt. Und auch große und kleine politische Ereignisse gehen an einem vorbei. Der Rücktritt von Willy Brandt, Helmut Schmidt als Kanzler, dann Kohl … alles nur ganz am Rande mitbekommen ….

Werbeanzeigen

4 Gedanken zu „Fernsehen (2)

  1. juergen61

    Ging mir ähnlich, die erste eigene Wohnung zu Studienbeginn in Dortmund war eine Dachgeschosswohnung mit Schrägen…offiziel 49qm, nutzbar 19qm…Kochecke mit 2 Herdplatten und 4qm Badezimmer wobei die Dusche als Dunkelkammer umgebaut wurde…geduscht wurde dafür im örtlichen Hallenbad 🙂 Fernseher hatte keinen Platz, das blieb die nächsten 15 Jahre so…aber auf meinen Verstärker, den Kassettenrecorder und den Kopfhörer konnte ich dann doch nicht verzichten…und jeden Tag gab es einen Ausflug in die Stadt wo die aktuelle Tageszeitung draussen vor dem Verlagshaus in grossen Schaufenstern zum Lesen aushing…nebenan bei Quelle konnte man dann umsonst fernsehen bis Abends um 22.00 der Strom ausgestellt wurde 🙂 LG , Jürgen

    Gefällt mir

    Antwort

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.