Die Bäume sind gefallen

Da liegen sie, die beiden mächtigen Birken. Und das ist nur ein Teil. Im Vorgarten liegt noch eine weitere Birke, neben der Garageneinfahrt ein großer Haufen Holz vom Walnussbaum.

Nun bin ich niemand, der Bäume fällt, weil ihn die Blätter auf dem Rasen stören oder dergleichen. Der Sturm war schuld. Der Sturm und das Alter. Der eine Birkenzwilling hatte schon länger eine Menge morscher Äste, oben wuchsen dicke Pilze aus dem Stamm, die Spechte hatten ihre Freude. Deshalb hatten wir beschlossen, den Baum in Ruhe sterben zu lassen. Bis der Sturm kam. Der Sturm hat nämlich direkt die ganze Krone abgebrochen und diese Krone ist nicht etwa auf den Rasen gefallen, sondern hat sich in den Ästen des anderen Birkenzwillings verfangen.

Da hing sie nun in großer Höhe und schaukelte mit der Birke im Sturm. Als nachts dann ein dicker Ast der schaukelnden Krone abgebrochen ist und auf dem Gartenweg gelandet, war klar, so geht es nicht weiter. Und weil die Sache meine baumfällerischen Fähigkeiten überstieg, musste ein Fachbetrieb her.

Der Fachmann kam, meinte, dass er normalerweise auf die Bäume klettert und sie Stück für Stück abträgt, dass ihm dies aber in diesem Fall zu gefährlich sei, da ja die schaukelnde Krone jederzeit auf ihn fallen könnte. Ein Hubwagen müsse her, und zwar ein so großer, dass man von der Straße aus die Plattform in der Wipfelhöhe positionieren könne. So ein Ding habe er nicht, meinte der Baumfäller, der übrigens einen üppigen Bart und noch üppigere Rastalocken hatte, aber ein guter Freund von ihm, auch ein Fachbetrieb, der habe einen großen Hubwagen.

Drei Tage später kam unser Baumfäller wieder, kurz darauf ein etwas ramponierter, aber großer Hubwagen, aus dem ein Mann stieg, der keinen Bart und eine Kurzhaarfrisur hatte, aber etwa einen Kopf größer als ich war und dessen Muskelmasse die meinige etwa um das Fünffache übertraf. Er redete nicht gerne, wäre auch nicht einfach gewesen, die Plauderei, denn der Hubwagen-Motor machte ordentlich Lärm, dazu kamen bald 4 unterschiedliche Kettensägen.

Nach einer Stunde waren beide Birken Stück für Stück abgetragen. Unglaublich, wie schnell und präzise Fachleute so etwas hinbekommen. Und weil die Plattform des Hubwagens sich so schön hoch fahren ließ, wurde auch der uralte Walnussbaum direkt einer Baumpflege unterzogen, also hier und da ein morscher Ast entfernt und der ganze riesige Baum wieder in Form gebracht, ungefähr so, wie der Frisör das macht.

Zuletzt noch die Birke an der Straße. Überall Pilze, keine Knospen. Der Baum, ich habe es eingesehen, war zu 95% tot. Und wo der Hubwagen schon mal da ist…

Nach zweieinhalb Stunden war der Krach vorbei und eine größere Menge von Geldscheinen wechselte den Besitzer. Heute haben wir an die Stelle, wo die Birkenzwillinge standen, einen schon relativ großen Apfelbaum gepflanzt. James Grieve, Hochstamm.

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14 Gedanken zu „Die Bäume sind gefallen

  1. Pit

    Lieber Martin,
    jetzt, im Fruhjahr, mit den frischen gruenen Blaettern, sehen die meisten unserer Eichen wirklich praechig aus. Und wir hoffen ja, dass das mit dem Befall von „Oakwilt“ ausgestanden ist. Das ist uebrigens ganz fuerchterlich hier, wenn man mancherorts sieht, dass ganze Landstriche nur tote Eichen haben.
    Ich sehe uebrigens auch lieber beim Faellen s-zu als es selber zu machen. Da muss ich unbedingt nochmal drueber bloggen. Ich habe naemlich sogar Videos, wo die Leute wie die Affen in unseren Baeumen herumturnen, und das mit laufenden Kettensaegen!
    Liebe Gruesse, und hab‘ eine feine Woche,
    Pit

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  2. derdilettant

    Die gründliche Präzision der Fachleute, irgendwie faszinierend und erschreckend. Ich habe mal gesehen, wie Profis in wenigen Minuten einen massiven Kachelofen zusammen gekloppt haben. Brutal präzise. Da schaudert der Laie…

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    1. emhaeu Autor

      Ja, bei den Baumfällern ging alles so schnell, dass ich vor lauter Aufregung und überall herumliegendem Holz erst langsam begriffen habe, dass jetzt da, wo die alten Bäume waren, ein Loch ist. Gerade eben habe ich mir auf einem Video von 2015 noch mal angesehen, wie es denn vorher ausgesehen hat ….

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  3. puzzleblume

    Traurig, ein solches Baumräum-Aktionstag, weil gleich so viel auf einmal geschieht, aber wenn es notwendig ist, soll man lieber nicht mit viel zu kleinem Gerät selbstgefährdend herumwerkeln.
    Birken haben leider kein langes Baumleben, und bei meinen Fünfziggjährigen bin ich bei jedem Sturm froh, dass sie noch so fit und elastisch mitmachen können, aber hoffe sehr, dass sie den Obstgehölzen noch ausreichend Zeit geben, sich auch noch zu etwas zu entwickeln, das den Namen „Baum“ verdient, bevor sie hinfällig zu werden beginnen.

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    1. emhaeu Autor

      Die neu gepflanzten Bäume, die die Birken ersetzen sollen, sehen so schrecklich mickrig aus: Zwei Hochstamm-Apfelbäume, einer davon James Grieve, den Namen des anderen habe ich vergessen, die in der Baumschule schon mächtig groß erschienen. – Das Alter der gefällten Birken per Zählung der Jahresringe zu ermitteln, traue ich mich jetzt nicht mehr, nachdem ich von Dir gelernt habe, dass das nicht so einfach ist, wie ich immer dachte ….

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      1. puzzleblume

        Im Zweifelsfall ist es nie weniger. So gesehen kann man zumindest beim Zählen nicht übertreiben.
        Damals, als ich den „Wald“ meiner Eltern vor dem Neubau habe weitgehend fällen lassen, habe ich mich leider auch mit dem norddeutschen Vegetationstempo vollkommen verschätzt. Im Garten am Neusiedler See waren gerade die Bäume und Sträucher doppelt so schell, mindestens!

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      2. emhaeu Autor

        Im Rheinland wächst es schon schneller. 1981, als wir das vorige Haus gekauft haben, hatten die Vormieter voller Wut darüber, dass nicht sie das Haus bekommen hatten, im Garten bis auf einen Boskoop und eine riesige Douglasie alles platt gemacht. Wir haben dann eine Süßkirsche, vier Tannen, einen Holunder, drei Birken und einen Ahorn gepflanzt. Und später alles wieder absägen müssen, weil die Bäume zu schnell zu groß geworden waren, vor allem der Ahorn und der Holunder waren nach 20 Jahren schon riesig und der Garten nur etwa 400 qm.

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    1. emhaeu Autor

      Für mich kommt die schwere Arbeit noch, muss ja Brennholz gemacht werden. Als die Männer da waren, brauchte ich nur zugucken und die Fachleute bewundern ….

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  4. Pit

    Hier gaebe es auch noch ein paar Baeume [Eichen], die gefaellt werden muessten. Mal sehen, wann wir so einen Hub-und-Kettensaegenmann vorbeikommen lassen. Da werden auch ein „paar Scheinchen“ den Besitzer wechseln muessen. 😦

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      1. Pit

        Lieber Martin,
        solche Stuerme [ich habe gerade einmal umrechnen muessen: das waeren knapp 70 Meilen] sind hier zum Glueck sehr rar. Zwar kann ein Tornado [der dann noch wesentlich hoehere Geschwindigkeiten bringen wuerde] nicht gaenzlich ausgeschlossen werden und manchmal wird vor moeglichen Tornados gewarnt, aber gluecklicherweise leben wir hier nicht in der beruehmt-beruechtigten „Tornado Alley“. Die Eichen werden, selbst jetzt, da sie absolut tot sind, nicht umfallen, aber Aeste koennen schon runterkommen, auch bei weniger Wind, und einige sind es schon. Wir werden allerdings mit dem Faellen bis in den Sommer warten, weil dann der Boden wegen der Trockenheit so hart ist, dass die schweren Maschinen/Anhaenger, die die Baumfaeller benoetigen, keine zu tiefen Spuren im Rasen hinterlassen.
        Im obersten Bild hier [https://wp.me/p4uPk8-pz] stehen alle 4 Eichen noch. Zwei davon sind mittlerweile weg, und die anderen beiden muessen jetzt auch bald dran glauben – leider. Sie sind absolut tot.
        Zusaetzlich zu denen hier, die fuer mich zum Faellen zu dick sind, haben wir noch 7 oder 8 andere, die auch weg muessen, die ich aber vermutlich selber faellen kann. Diese Krankheit „Oakwilt“ ist wirklich schlimm [sie hat uns bisher 25! Eichen gekostet], aber es siert so aus, als ob wir das mittlerweile im Griff haetten. Gegen Ende April werden die Spezialisten wieder vorbeischauen, und hoffentlich gibt es dann, wie in den vergangenen beiden Jahren, die gute Nachricht, dass keine Baeume mehr behandelt werden muessen. Und erst recht, dass keine mehr gefaellt werden muessen. Halte mal bitte die Daumen.
        Liebe Gruesse aus einem jetzt endlich richtig fruehlingshaften Fredericksburg,
        Pit

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      2. emhaeu Autor

        Lieber Pit! auf dem Bild, das du verlinkt hast, sehen die Eichen ja wirklich gut aus. Sehr, sehr schade, wenn solche Bäume der Krankheit zum Opfer fallen. Selber fällen, so meine Erfahrung, macht ein wenig Spaß, aber den Profis zuschauen, wie sie das ratzfatz erledigen, hat auch was!
        Schönen Sonntag!
        Martin

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