Turmvögel

Mulmig war es mir vorher schon. Handschuhe sollte ich mitbringen, einen Mundschutz, und stellenweise könne man nur tief gebückt weiter kommen.

Ich hatte gelesen, dass es eine kleine Gruppe im Ort gibt, die sich um die Steinkäuze kümmert, die unter anderem oben im Kirchturm nisten. Die Gruppe hat irgendwas mit dem NABU zu tun, der „Chef“ ist der naturbegeisterte pensionierte Pfarrer des Ortes.

Heute morgen hatte ich meinen ersten Einsatz. Der Pfarrer war da und noch ein Mitstreiter. Der Pfarrer gab uns allerdings nur den Schlüssel und einige Instruktionen. Unverschämte Dohlen hätten jede Menge Reisig an einen Nistplatz der Steinkäuze geschleppt, außerdem sollten wir gucken, ob die Steinkauzeier noch da seien.

Erst kam eine Wendeltreppe, dann – wie befürchtet – steile luftige Treppen:

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Nichts für Leute wie mich, die nicht gerade schwindelfrei sind. Dann unter das Dach vom Hauptschiff, wo wir bemerkten, dass wir besser eine Taschenlampe mitgenommen hätten:

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Und schon hatten wir das Loch gefunden, durch das die Dohlen jede Menge Reisig geworfen hatten. Wir waren mit einer großen Mülltüte ausgerüstet, hätten aber drei davon gebraucht. Was wollen die Dohlen nur mit alle dem Reisig?

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Die Nistkästen waren gut in Ordnung, je drei Eier lagen drin. In dem einen Nest lagen auch drei Zigarettenstummel – scheinen den Vögeln zum Nestbau recht zu sein.

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Dann mussten wir noch höher klettern, kamen an den Glocken vorbei. Mein Begleiter schärfte mir ein, nur ja auf die Uhr zu sehen, damit wir nicht zufällig neben einer Glocke stehen, wenn sie zur vollen oder halben Stunde schlägt. Dann brauche man Ohrenschutz, meinte er.

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An der alten Turmuhr – die Uhr hat langst ein neues Werk, aber das alte hat man stehen lassen – habe ich meinen Begleiter die letzten steilen Treppen alleine hochkrabbeln lassen. Für’s erste, so fand ich, hatte ich meine mangelnde Schwindelfreiheit genug auf die Probe gestellt.

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15 Gedanken zu „Turmvögel

  1. Ulli

    Mutig, sag ich da nur. Ich bin auch nicht schwindelfrei, mir hilft dann immer genau auf den Punkt vor mir zu gucken, bloß nicht abweichen, Herzchen klopft, aber irgendwann wird es dann besser.
    Ich find es auf alle Fälle klasse, dass du das machst!
    Liebe Grüße
    Ulli

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    1. emhaeu Autor

      Musste ich erst googeln, die Heiden. Nun ist Pommern ja weit weg vom Rheinland, aber so geniale Logistiker sind die Rheinländer nicht. Aber wir hatten viel Spaß, und lernfähig sind wir auch: für die nächsten Turmbesteigung haben wir schon eine Liste mit den nötigen Gegenständen erstellt.

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      1. Pit

        Ja, so ganz wohl war uns da nie, zumal die Leiter recht alt war. Da half nur gut festhalten und immer nur nach oben schauen. Aber schliesslich waren wir ja in der Kirche. Da musste ja Alles gut gehen! 😀

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      1. Pit

        Ok, dann mal andersrum: das mit dem „näher zu Gott“ gilt natürlich nur für „Katholen“. Für „Ketzer“ geht es, aber das passt dann ja auch wirklich, in die anderen Richtung: ab in die Tiefe – und man weiß ja, was da zu erwarten ist.
        Vielleicht hilft Dir aber auch der folgende Witz [ich hoffe, ich kriege den Linner Dialekt meiner Kindheit richtig rüber].
        Also: rutscht ein Dachdecker vom Dach, kann sich aber gerade noch eben so an der Dachrinne festhalten. Kommt der Pastor vorbei, schaut rauf und ruft, „Minne Jong. halt dech ann Jott!“ – Ruft der Dachdecker zurück, „Nää, Härr Pastor, ech halt mech levver ann de Daachkall!“

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