Sommer-Sonnenwende

Bald ist es wieder so weit, dann geht es bergab mit der Sonne. Die Postkarte zum Thema habe ich beim Rumkramen gefunden, keine Ahnung, wie sie in die Kiste gekommen ist.

Sie stammt von Georg Plischke (1883 – 1973), der, wie man sieht, sehr versiert in der Anfertigung von Scherenschnitten gewesen ist. Er hat 47 Jahre lang jedes Jahr einen Postkartenkalender mit Scherenschnitten herausgegeben, den er „Plischke-Jahrweiser“ genannt hat. Dieser Scherenschnitt stammt aus dem „Jahrweiser“ von 1934.

Hübsch, kunstfertig, nett, harmlos. Hm.

So ganz nicht. Denn was ist das für ein eigenartiges Wort: „Jahrweiser“ statt Kalender…

Das Grimmsche Wörterbuch kennt den Begriff nicht, er muss also neueren Datums sein. Und, siehe da, er ist entstanden im Umkreis der „Alldeutschen“, die das lateinische „Kalender“ als „volksfremd“ abgelehnt haben, also im Umkreis der militaristisch-völkischen Bewegung. Dazu passt dann auch das Motiv: Das Feiern der Sommer-Sonnenwende, vor allem mit Sonnenwend-Feuern, wurde im Zuge der Rückwendung zum „Germanischen“ von den „Alldeutschen“ und ihrem Umfeld propagiert und dann von den Nationalsozialisten als „rein germanisches Fest“ (obwohl es keinen historischen Beleg für einen germanischen Ursprung gibt) groß inszeniert.

Nun will ich nicht behaupten, Georg Plischke, der überall nur als humorvoller Künstler erwähnt wird, sei ein strammer Nazi gewesen. Aber zumindest eins war diese Postkarte im Jahr 1934: Sehr kompatibel mit dem Zeit-Un-Geist.

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2 Gedanken zu „Sommer-Sonnenwende

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