Johann König – Blinder Galerist

Nach einer Reise nach Berlin und einem Besuch in der Galerie König jetzt die Autobiografie des immer noch jungen Galeristen (Jahrgang 1981) gelesen. Ein Nachmittag auf dem Heizkissen wegen Hexenschuss – und schon war das Buch ausgelesen.

Interessante Einblicke in die Kölner Kunstszene der 80er Jahre, als Kind haben die Königs in dem Haus der Buchhandlung König in der Ehrenstrasse gewohnt, nur 100 Meter von unserer Buchhandlung entfernt, und der Onkel von Johann König, Walther König oder seine Mitarbeiteer haben freundlicherweise die Pakete, die in den frühen Morgenstunden für unsere Buchhandlung vom Großhändler angeliefert wurden, entgegengenommen.
Eine glückliche Kindheit, in der Familie drehte sich (fast) alles um Kunst, dann der schreckliche Unfall, durch den Johann König fast völlig erblindet ist, jahrelangen Operationen und Therapien, ein ewiges auf und ab, Jahre in einem Blindeninternat, schließlich, sozusagen gleichzeitig mit dem Abitur in der Blindenschule, die Gründung einer eigenen Galerie in Berlin-Mitte, die heute zu den großen Playern im internationalen Kunstmarkt zählt.

Als wir in Berlin waren, waren wir (wieder) in der Galerie, die nicht mehr in Mitte, sondern am Rande von Kreuzberg liegt, und zwar in einer umgebauten Kirche, die um 1960 im Beton-Stil errichtet worden ist. Sehr, sehr eindrucksvolle Räume, jede Menge Mitarbeiter, ein Skulpturengarten, alles vom Feinsten.
Die aktuelle Ausstellung dort habe ich zuerst überhaupt nicht verstanden, fand sie schon ein wenig ärgerlich, weil ganz offenbar nach dem Motto „Nicht kleckern, sondern klotzen“ konzipiert. Nichts dort ist für den Normalbürger; auch wenn er mal kurz 50.000 oder 100.000 Euro auf den Tisch legen könnte, würden den allermeisten die Räume fehlen, um die Objekte auszustellen.
Kunst für Großsammler und Museen oder für Großsammler mit eigenen Museen. Da wird das große Rad gedreht und Johann König dreht eifrig mit, ein Dienstleister für die mit den ganz großen Vermögen, ein verwöhntes und übersättigtes Publikum, dem immer etwas Neues, etwas besonders Spektakuläres geboten werden muss, wie eben in der jüngsten Ausstellung ein großes, eigens für die Ausstellung angefertigtes Zirkuszelt, das den ganzen großen ehemaligen Kirchenraum einnimmt und in dem dann die Werke der Künstlerin zu sehen sind.
Aber im Grunde war das immer so. Nur dass die Sammler heute nicht mehr de` Medici oder Heinrich Thyssen heißen und in der Toskana oder in Lugano wohnen, sondern in Miami, Abu Dhabi und Shanghai ….

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2 Gedanken zu „Johann König – Blinder Galerist

    1. emhaeu Autor

      Na, die meisten hatten Geld nötig. Aber schon Rembrandt ist ja reich geworden mit seinen Werken, Ende des 19. Jahrhunderts dann die „Malerfürsten“ , deren Werke heute in den Kellern der Museen lagern – da rollte auch schon der Rubel und gemalt wurde, was Geld brachte.

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