Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels

Nein, ich habe das Buch nicht gelesen, ich war im Theater. Was schon bemerkenswert ist, denn eigentlich boykottiere ich das Theater. Seitdem ich vor 15 Jahren eine Aufführung des „Faust“ gesehen habe, indem die Rolle des Faust von zwei verschiedenen Frauen gespielt wurde, der Text so gekürzt und geändert war, dass auch ich, der ich damals den Faust sehr genau kannte, weil ich ihn öfters im Unterricht durchgenommen habe, – ich also trotzdem über weite Strecken der Handlung nicht folgen konnte, seitdem habe ich mir gesagt: Macht euer Theater alleine.

Das Stück ist von unserem Dorftheater aufgeführt worden, in einem Raum, in dem nur 30 Zuschauer Platz haben; sozusagen ein Dorf-Event, da muss man ja hingehen.
Die Laienschauspieler haben sich auch wacker geschlagen, da gibt es nichts zu meckern. Aber das Stück hat nur meine Vorurteile bestätigt. Zwar wurden Männer von Männern gespielt und Frauen von Frauen. Aber ohne einige Essentials dessen, was sich so als modernes, „progressives“ Theater versteht, ging es nun doch nicht ab: Die armen Schauspieler mussten immer wieder schreien und brüllen, es wurde auf der Bühne gekotzt, eine Prügelei durfte auch nicht fehlen.
Man konnte sich überlegen, welche der vier Figuren denn nun am verlogensten oder am gestörtesten war, überlegen, welche der beiden Ehen die verlogenste und gestörteste. Kein positiver Ausblick, kein Hoffnungsschimmer, die Welt gehört dem „Gott des Gemetzels“, wie eine Figur sagt.
Was offenbar auch die Meinung der Autorin ist.
Demaskierung der bürgerlichen Gesellschaft nennt man dergleichen wohl. Aber kann man sich das nicht schon bei Ibsen oder Tschechow ansehen? Dem Bürgertum die Maske herunterreißen – mutig ist das heutzutage nun wirklich nicht mehr, da fallen mir viele andere gesellschaftliche Gruppen ein, denen die Masken herunterzureißen heute wirklich mutig wäre.

5 Gedanken zu „Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels

  1. Susanne Haun

    Ich erinnere mich nicht einmal mehr, wann ich das letzte Mal im Theater war, Martin.
    Ich denke, eher aus Zeitgründen, denn kann ich mich entscheiden, dann gehe ich lieber ins Konzert- als ins Schauspielhaus 🙂
    Eine schöne Vorweihnachtszeit von Susanne

    Liken

    Antwort

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.