Ludwig Thoma: Lausbubengeschichten

(… weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe ….)

Aus der Reihe: Bestseller von Anno Dazumal. Humor verkauft sich gut, so auch die „Lausbubengeschichten“ von Ludwig Thoma, erschienen 1905 – das bestverkaufte Werk des Autors.

Habe ich in der Bahn in der schön illustrierten (Zeichnungen des durch seine Arbeit für den „Simplicissimus“ bekannten Olaf Gulbransson) Ausgabe aus dem Rowolt-Verlag gelesen, die ich mal wieder aus einem öffentlichen Bücherschrank gefischt und nach der Lektüre wieder dorthin zurück gestellt habe.

Hat Spaß gemacht, alle die Streiche zu lesen, auch wenn die „Masche“ des Autors schon bald durchsichtig wird. Die Hauptfigur verspricht den Eltern immer wieder, nun endlich brav zu sein und mehr für die Schule zu tun, aber dann kommt halt was dazwischen. Könnte man eine Fernsehserie draus machen, was wie Lassie oder Fury.

Was auffällt: Nach heutige Maßstäben sind die Streiche recht heftiger Natur. Nicht nur Sachen wie das schöne Spieldampfboot eines Feriengastes werden in die Luft gesprengt, auch der Papagei einer ungeliebten Tante wird mit Hilfe von Sprengpulver ordentlich gerupft, ein Angorakater ähnlich traktiert, von zerbrochenen Scheiben ganz abgesehen. Auch Personen, die er nicht leiden kann, setzt der Held der Lausbubengeschichten recht heftig zu, bis hin zu dem, was der Jurist wohl Körperverletzung nennen würde. Daneben gibt es eine Reihe von Diebstählen – so richtig pädagogisch sind die Geschichten jedenfalls nicht, zumal der Oberlausbub zwar manchmal etwas zerknirscht, aber letztlich immer als Sieger dasteht.

2 Gedanken zu „Ludwig Thoma: Lausbubengeschichten

  1. emhaeu Autor

    Es ist, wenn ich darüber nachdenke, tatsächlich sozusagen ein Hauch Nietzsche oder Max Stirner (da ja gerade damals ziemlich im Schwange war) in diesen Texten, der Angriff auf die verachtete „bürgerliche Moral“ war einer der Kernpunkte des „Simplicissimus“, in dem die Lausbubengeschichten ja zuerst erschienen sind…..

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  2. puzzleblume

    Ich erinnere mich daran, das Taschenbuch aus dem Regal meiner Eltern gelesen zu haben, im Gegensatz zu vielen anderen ihrer und meiner Bücher nur ein einziges Mal: ich mochte es genau wegen dieser Rauheiten nicht. In meiner Kindheit waren etliche Jungs ähnlich unangenehm, da musste man das nicht auch nochmal literarisch haben.
    Seltsam, jetzt wo ich das schreibe, fällt mir die Diskrepanz zwischen meinem Urteil über die Laububengeschichten etc. und meiner Vorliebe für englische Krimis auf. Ich glaube, es liegt an den Gründen. Es gab ja unter den klassischen englischen Autoren verschiedene „Regeln“ uhnd eine davon war, dass Irrsinn oder ungezielte Bosheit keine Gründe für Morde in den Kriminalromanen sein durften, weil sie durch Logik lösbar sein sollten.
    Gut, dass du mir die Gelegenheit gegeben hast, darüber nachzudenken, weshalb mich das Buch so abgestossen hat.

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