Dag Solstad: Scham und Würde

…. weil ich hier alle gelesenen Bücher vorstelle …

Der Schirm, der auf dem Cover abgebildet ist, spielt in einer Schlüsselszene dieses Romans eine wichtige Rolle. Der Ich-Erzähler, ein Lehrer, ist nämlich eines Tages so frustriert, dass er auf dem Schulhof seinen Schirm zertrümmert und eine Schülerin derb beleidigt. Ihm ist sofort klar, dass damit sein Lehrerdasein ans Ende gekommen ist. Er läuft sinnlos kreuz und quer und die Stadt Oslo und lässt sich sein Leben durch den Kopf gehen. Dieser Rückblick füllt den ganzen restlichen Roman.

Der Autor gilt als bedeutender norwegischer Autor. Ich werde aber kein Buch mehr von ihm lesen. Dieser Roman hat es mir schon schwer gemacht.

Stilistisch orientiert sich Dag Solstadt an Thomas Bernhard. Die gleichen langen, langen Sätze, die gleichen Wiederholungen, das gleiche langsame, sozusagen kreisförmige Fortschreiten der Handlung. Aber: Viel langweiliger als Thomas Bernhard, denn es handelt sich eher um so eine Art weichgespülten Thomas Bernhard. Es fehlt die Schärfe, die unerbittliche Schimpferei, die so bei Bernhard oft so grotesk daher kommt, dass sie eine surreale Qualität gewinnt, die diese Texte erst erträglich und manchmal auch vergnüglich machen.

Abgesehen vom Stil hat mich auch die Geschichte dieses Mannes, sein langsames Abgleiten in alltägliche Langeweile und das Auseinanderleben mit seiner Frau nicht so arg gefesselt. Kennt man irgendwie schon.

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