Die grüne Kiste (Zimmerreisen XI)

Die grüne Kiste war schon immer da. Heute steht sie in meinem Arbeitszimmer, aber sie hat schon viele Standorte kennengelernt. Sie war schon immer da, schon in meiner frühen Kindheit. Dass es sich in Wirklichkeit um einen uralten Holzkoffer handelt, ist mir erst später aufgefallen. Keine Ahnung, woher meine Eltern das Ding hatten. Es war einfach da und gehörte mir. Spielsachen sollte ich immer in die grüne Kiste einräumen, damit es schön ordentlich aussah im Zimmer, und dann die Kiste unter mein Bett schieben.

Nachdem ich eine elektrische Eisenbahn geschenkt bekommen hatte – mein Lieblingsspielzeug über viele Jahre – kam die Eisenbahn in die Kiste. Ziemlich blöd, denn dazu musste ich die mühsam aufgebaute Anlage ja wieder abbauen. Spätestens wenn die Putzfrau kam, musste die Eisenbahn weg und die Kiste unter dem Bett sein. Seitdem hasse ich Putzfrauen.

Irgendwann habe ich die Kiste mit einem Blechschild verziert, das ich von einem alten Schränkchen abmontiert hatte, das im Hühnerstall stand und in dem mein Vater allerlei Pflanzenschutzmittel aufbewahrte. Als uns aufgefallen ist, dass es sich bei dem Schränkchen um eine hübsche Antiquität gehandelt hat, war es zu spät. Ließ sich nicht mehr restaurieren.

Als ich das Schild angebracht habe, war ich handwerklich, sagen wir mal, etwas roh. Ich habe nämlich einfach Nägel durch den Deckel gekloppt. So ist es bis heute geblieben:

20 Gedanken zu „Die grüne Kiste (Zimmerreisen XI)

  1. Pingback: Einladung zu den Zimmerreisen 06/2021 | Puzzleblume ❀

  2. puzzleblume

    Solche Lebensbegleiter tragen genauso ambivalente Geschichten wie die Optik vermittelt, das Aufräumenmüssen mit dem Gegengewicht des Schatzkistencharakters – daran erinnere ich mich auch, dass ich mit einer Spielzeugkiste (einer alten Persilkiste aus den 50ern) Ordnung halten musste. Dass der alte Holzkoffer auch noch eine dir unbekannte Vorgeschichte hat, macht es um so interessanter.

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      1. puzzleblume

        Es gab in den 50er Jahren Holzkisten von Persil, du findest viele Bilder im Netz. Meine war zwar bis zur Unkenntlichkeit rosa angemalt worden, aber meine Mutter sprach davon. Es werden einzelne Pappkartons darin gewesen sein. Bis ich Waschpulver bewusst zur Kenntnis genommen habe, hatte meine Mutter in den 60ern bereits grosse, runde Papptrommeln von OMO.

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      2. puzzleblume

        Und ich hatte meine Persilkiste. Aber das ja nur, weil die vorher dem älteren Bruder gehörte. Ansonsten erinnere ich mich an viele beklebte Variationen dieser Tonnen als Spielzeugaufbewahrung, Strickzeug- oder Papierkörbe.

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      3. emhaeu Autor

        Ha, eben ist es mir eingefallen: zu dem Zweck hatten wir im Esszimmer so eine typische 50er Jahre Ecksitzbank, gepolsterte, mit Kunstleder bezogene Sitze, die man hochklappen konnte. Und unter der Klappe waren viele Dinge, auch Gesellschaftsspiele, vor allem aber das, was meine Mutter „Gruscht“ nannte. Lange nicht mehr dran gedacht ….

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      4. puzzleblume

        Meine Familie hatte nie so eine Eckbank, aber ich kenne sie. So eine gab es bei meinem Patenonkel, einem Dorfschullehrer mit Wohunung im Schulhaus, ein beliebtes Sonntagsziel, denn damals hatten meine Eltern noch kein Haus mit Garten, und der Onkel hatte vier Kinder. So war die Lösung ideal: wir als insgesamt sechs Kinder durften im gesamten Haus, auch dem einzigen Klassenraum und dem Turnzimmer, dem Haus- und dem Schulgarten spielen, aber wir verbrachten doch die meiste Zeit in einem Ess- und Mehrzweckzimmer der Kinder, in dem besagte Truhen-Eckbank stand, und ein Fernseher gegenüber davon. Gesellschaftsspiele waren in der Truhe und in einem alten Rollschrank. Weshalb mir von der Eckbank die seltsamen, pilzförmigen Holz-Stopfen in Erinnerung geblieben sind, mit denen die roten Rückenpolster befestigt waren, weiss ich nicht. Vermutlich habe ich damit gerspielt, wenn mir die Fernseherei zu spannend wurde. Danke für die Erinnerung!

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    1. emhaeu Autor

      Auf jeden Fall immer noch praktisch, weil man allerhand Kram reinstopfen kann und das Zimmer dann aufgeräumt aussieht. Und modischer Shabby-Schick ( oder wie man das nennt)
      Schönen Sonntag! Martin

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