Wladimir Kaminer: Schönhauser Allee

(… weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe …)

Endlich mal wieder ein Buch, das mir gefallen hat. Das zweite Buch von Wladimir Kaminer, der mit „Russendisko“ bekannt geworden ist.

Eine Sammlung von Erzählungen, die alle um die Schönhauser Allee in Berlin kreisen, die Straße, auf der Kaminer damals gewohnt hat. Manchmal hatte ich den Eindruck, die Szenen aus dem Alltag dieser Gegend und ihrer multikulturellen Bewohner seien belanglos, so locker-leicht sind sie aufs Papier geworfen. Aber der Eindruck täuscht, denn Kaminer gibt Einblicke in diese Welt, aber er bewertet sie nicht, gibt dem Leser nicht mit dem Holzhammer vor, wie er das Erzählte denn einzuordnen hat.

Beispielsweise bei der Geschichte, bei der sich zu einer Party eine ganze Reihe von meist aus Russland stammenden Menschen zusammenfinden. Der Leser verliert bald den Überblick über die Verhältnisse: Alle kennen sich gut und alle, so scheint es, sind mehrfach verheiratet gewesen. Ein jeder begrüßt gut gelaunt seinen Ex-Partner oder/oder die Ex vom Ex-Partner. Am Ende wird der Hintergrund des fröhlichen Treffens mehr angedeutet als klar: Die anwesenden Personen haben jeweils geheiratet, um einem weiteren Russen die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. Und sich dann scheiden lassen.

Manchmal trägt Kaminer recht dick auf, übertreibt er deutlich. Aber das geht dann nach dem Motto: Wen kümmert es, ob das Erzählte wahr ist – Hauptsache, es handelt sich um eine gute Geschichte.

Oben steht, dass ich alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe. Drum ein kleiner Nachtrag. Von Botho Strauß habe ich „Das Partikular“ gelesen, ein Erzählungsband aus dem Jahr 2000. Genauer: Ich habe darin gelesen, nach weniger als der Hälfte aufgehört. Viel zu prätentiös, eine gesuchte, „erhabene“ Sprache. Und lauter unerfreuliche Paargeschichten.

5 Gedanken zu „Wladimir Kaminer: Schönhauser Allee

  1. puzzleblume

    Ich mag seine Art, mit der er auf dem Wellenkamm der Realität surft und mit den Vorurteilen der Leser spielt, die er glauben lässt, was sie wollen, falls sie es nicht anders bemerken. Die Glossen, die bei uns in gewissen Abständen in der Zeitung erscheinen, vor allem die Beschreibung russischer Alltags- und Umstands-Erlebnisse, erinnnern mich in gewisser Weise an die Übertreibungen von Ephraim Kishon.

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    1. emhaeu Autor

      Die wenigen Stellen, in denen er in diesem Buch über Zustände in Russland erzählt, sind ausgesprochen hart, z.b. wenn er die Wohnsiedlung beschreibt am Rand von Moskau, in der er aufgewachsen ist. 27 m2 war die Zweizimmerwohnung groß, Deckenhöhe 1,90 Meter – und ich befürchte, das war keine Übertreibung.

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