Die Ferne lockt

Seit längerem sind wir mal wieder eine größere Strecke mit dem Auto gefahren, Köln – Nürnberg und mit einem Abstecher durch den Spessart zurück. 980 Kilometer insgesamt. Hat mir für einige Zeit wieder gereicht. Volle Autobahnen, LKWs, Raser und Drängler, eine Baustelle nach der anderen. Reine Nervensache, macht keinen Spaß.

Liegt es am Alter, dass es mir keinen Spaß mehr macht? Wenn ich so höre, was Leute aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis machen, scheint das so zu sein. Ein paar Beispiele:

Klassenfahrt nach Pisa. Kleinbus mit Gepäckanhänger. Ab Köln 1150 km, keine Zwischenübernachtung. Macht 2300 km, dazu die obligatorischen Ausflüge nach Florenz etc.

Rundreise Blumenriviera. Nur 1000 km eine Strecke, wieder fährt der Bus in einem durch, damit das zeitlich hinhaut, ist die Abfahrt in Köln morgens um 6.00 Uhr. Dann täglich Busausflüge bis nach Monaco, zurück wieder in einem durch.

Gut, im Bus kann man wenigstens vor sich hinträumen, der Fahrer fährt.

Andere fahren selbst. Beispielsweise in die schöne Bretagne, 950 km eine Strecke, der Fahrer ist immerhin 83 Jahre alt.

Oder nach Sardinien. Mit dem Wohnwagen hinten dran, weil auf Sardinien doch die Hotels so teuer sind. 1200 km ab Köln und dann mit der Fähre.

Mit der Fähre kann man auch nach Kreta: Erst 1850 km Autofahrt nach Brindisi, dann Fähre nach Patras, dann mit dem Auto nach Piräus, ab da Fähre nach Kreta. Auf Kreta ist es dann nicht mehr weit.

Aber warum ins ferne Ausland, wenn man auch in Deutschland bleiben kann? Wie wäre es mit einem verlängerten Wochenende in Usedom? Das sind ab Köln nur so um die 800 km, das fährt man doch in einem durch.

800 km – so weit ist es von Köln auch bis Saalbach-Hinterglemm. Da gibt es, habe ich mir sagen lassen, eine tolle Mountainbike-Anlage. Also wird das Rad auf den Radträger geschnallt und Gas gegeben. Zwei Tage Autobahn, drei Tage Mountainbiken.

„Und weil wir noch eine Woche Urlaub übrig hatten, sind wir im September dann nach Venedig gefahren, 1100 km – das kann man an einem Tag schaffen, wenn man sich beim Fahren abwechselt.“

Die Beispiele ließen sich vermehren. Nichts davon habe ich erfunden. Ob das alles ökologisch vertretbar und bei den deutlich gestiegenen Benzinpreisen auch ökonomisch sinnvoll ist, will ich im Moment mal beiseite lassen.

Aber macht das wirklich Spaß? Haben die Menschen Freude an den stundenlangen Autofahrten, bei denen man nicht viel sieht und bei denen nach ein paar Stunden nur noch irgendwie so Landschaften vorbeifliegen. Raststätten mit teurem Fast-Food und ungepflegten Toiletten. Oder nehmen sie das alles nur in Kauf, um in die Ferne zu kommen, weil die Ferne halt lockt … ?

23 Gedanken zu „Die Ferne lockt

  1. puzzleblume

    Geht mir genauso. Wobei ich in meinen frühen Camping Zeiten mit Dachzelt einen anderen Partner hatte, der weniger Platz brauchte, als derjenige, mit dem ich die letzten über dreißig Jahre ganz andere Erfahrungen gemacht habe. Und es soll doch Freude machen, miteinander woanders zu sein, nicht für einen oder beide ein schlechter Kompromiss.

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      1. puzzleblume

        Das könnte sogar noch enger sein, in so einer Doppelkajüte. Es gibt Urlaubsformen, bei denen es günstiger ist, nicht von grosser Statur zu sein, möglichst bei beiden, angefangen bei der Länge der Schlafplätze, bevor man überhaupt mit der Breite hadern könnte.

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  2. hanneweb

    Ähnliche Entfernungen, Nürnberg – Dortmund waren früher bei uns fast jeden Monat angesagt um Freunde und Verwandte in DO zu besuchen. Aber inzwischen ist das auch längst vorbei und nur noch selten, wobei jedoch 9 Stunden Autofahrt nach Usedom in den Urlaub kürzlich wieder zur Erholung zwar grenzwertig aber machbar war.
    Liebe Grüße, Hanne

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    1. emhaeu Autor

      Ja, das ist die Sache: Machbar ist es, aber ob sich das alles so lohnt? Auch deshalb waren wir dieses Jahr mit dem Zug in Timmendorfer Strand. Na ja, die Zugfahrten waren aus verschiedenen Gründen nicht so entspannend, wie wir uns das gedacht hatten. Und vor Ort kleine Ausflüge am Busfahrplan auszurichten, war auch gewöhnungsbedürftig. Manchmal träume ich schon von Bus-Pauschal-Reisen, wo man an der Haustür abgeholt und dann am Hotel abgesetzt wird … Schönen Sonntag!

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  3. Pit

    Eine ehemalige Kollegin hat einmal gemeint, warum wir bei unserem schoenen Haus und Grundstueck ueberhaupt noch verreisen, aber uns macht es eben Spass: es gibt so viel Schoenes zu sehen, alleine schon hier in den USA. Ich finde es uebrigens immer abwechslungsreich. Die Distanzen sind hier zwar unvorstellbar [unsere Reise im Juli/August bis nach Vermont hinauf war insgesamt ueber 9000 Kilometer], aber das Fahren auf den Highways hier ist ganz einfach uns problemlos, absolut nicht zu vergleichen mit Deutschlands Autobahnen: wirklich unstrapazioes, bei einer Hoechtsgeschwindigkeit von meistens maximal 75 Meilen/Stunde auf den Interstates. Die allermeisten halten sich daran, und Raser gibt es nur selten. Die trifft man eher innerhalb von Staedten an.
    Liebe Gruesse,
    Pit

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    1. emhaeu Autor

      So sind meine Erfahrungen in den USA auch gewesen. Von LA durch die Wüste nach Las Vegas: Tempomat an und dann gemütlich durch die Landschaft schaukeln. Dann Landstraße nach Palm Desert, auch eine feine Tour, wenn auch mit Schlaglöchern versehenen. Oder von San Francisco über die Küstenstraße nach LA, da war kaum Verkehr, alle fuhren ganz entspannt…
      Und, deckt sich mit meinen kleinen Erfahrungen. Rund um Boston war der Verkehr was hektisch, aber als wir dann Richtung Vermont gefahren sind, war das schnell vorbei…
      Auch in Palm Springs, das ja keine Großstadt, aber auch kein Dorf ist, ging innerstädtisch alles seinen ruhigen Gang … ach, da krieg ich direkt Lust, nochmal was rumzufahren …
      Und, übrigens: In Mittelamerika macht das Fahren eher noch weniger Spaß als in Deutschland …

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      1. Pit

        Mittelamerika ist nicht auf der Liste unserer Reiseziele, aber Deutschland schon. Hoffentlich klappt der lange aufgeschobene Besuch im naechsten Jahr. Wir muessen uns ja beeilen, denn ab 80 koennen wir keinen Leihwagen mehr mieten! Auch jetzt schon brauchen wir eine Bestaetigung vom Arzt, dass wir noch nicht zu tatterig sind, und ausserdem eine Bescheinigung unserer Autoversicherung, dass wir in den letzten 5 Jahren unfallfrei gefahren sind.

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      2. emhaeu Autor

        Das Mietwagenproblem kommt auch auf mich zu. Momentan buche ich immer über Check24, da darf man immerhin 73 Jahre alt sein. Danach könnte meine Frau buchen, da sind dann noch ein paar Jahre Luft. Aber im Moment können wir sowieso nicht weg, da wir niemanden finden, der auf unseren neuen, noch nicht eingewöhnten Kater 🐈‍⬛ aufpasst …
        Schönen Sonntag!

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      3. Pit

        Ihr habt also einen (neuen) Kater, lieber Martin. Noch ganz jung oder schon aelter?
        Das mit Haustieren ist nie ganz einfach, nicht wahr? Wir haben oft unsere Haushaltshilfe und ihren Mann fuer unsere Katzen. Diese beiden Menschen sind herzensgut und stehen so gut wie immer immer zur Verfuegung. Sie kommen dann alle zwei Tage vorbei und versorgen unsere 4 Katzen mit Futter und Wasser. In der letzten Zeit mussten wir aber zumindest Mr. Pickwick und Sister Fidelma in einer Tierpension unterbringen, weil die taeglich medizinische Versorgung benoetigen. Mr. Pickwick hat den gruenen Star und eine Infektion an beiden Augen und braucht taeglich 5 Mal Tropfen. Das kann natuerlich nur entweder unsere Tieraerztin oder eben eine Tierpension. Zu unserer Tieraerztin moechten wir ihn allerdings nicht geben, denn da hat er so gut wie keinen „Auslauf“, sondern wuerde den ganzen Tag in seinem Kaefig hocken. Bei unserer Tierpension, die wir das „Katzen Hilton“ nennen, hat es grosse Kaefige und mehrmals am Tag haben die Katzen dort das gesamte Dachgeschoss zum Rumlaufen. Das ist ideal – wenn auch nicht ganz preiswert. Sister Fildelma braucht auch zwei Mal pro Tag Medizin unters Futter gemischt und kommt also auch in die Tierpension.
        Unsere Leihwagen buche ich immer ueber den ADAC, und dann bei Hertz. Die sind die preiswertesten, und das Buchen im Voraus ueber die ADAC-Webseite geht problemlos. Mal sehen, wie es im naechsten Jahr wird, ob wir unsere beiden geplanten Reisen [Irland und Deutschland] machen koennen.
        Liebe Gruesse, und hab‘ noch einen feinen Restsonntag,
        Pit

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      4. emhaeu Autor

        ADAC > Hertz ist eigentlich immer recht teuer. Probier doch mal mietwagen-billiger.de oder eben Check24.de —
        Ja unser Kater. Er ist noch relativ jung, so 9 Monate, glaube ich, und heißt Udo. So haben ihn die Vorbesitzer genannt, weil er sich nicht mit deren anderer Katze vertragen hat. Da kann ich mir inzwischen lebhaft vorstellen, denn Udo ist ein recht wildes Katerchen, der erst mal alle anderen Katzen, die hier schon mal vorbei geschaut haben, vertrieben hat. Er lässt sich auch nicht gerne streicheln und ist wirklich kein Schmusekater. Dafür ein begeisterer Jäger, der in den ersten Wochen wirklich täglich mindestens eine Maus gefangen hat. Diese Woche haben wir ihn mal probeweise 2 Tage alleine gelassen, waren also eine Nacht nicht hier, das hat ganz gut geklappt. Wir müssen erst mal langsam herausfinden, was wir so ohne Udo unternehmen können. Jemand, der jeden morgen Futter hinstellt, hätten wir schon, aber ich denke, solange Udo nicht so richtig eingewöhnt ist hier, kümmern wir uns besser selbst um ihn.
        LG Martin

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    1. emhaeu Autor

      Hm, gute Idee. Habe die aufgezählten Beispiele noch mal durchgesehen. Trifft allenfalls auf einen zu, den mit der Klassenfahrt, aber der hat die Fahrt gar nicht selber ausgesucht. Die anderen wohnen alle in eigenen Häusern mit Garten drum herum …

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      1. emhaeu Autor

        Klappt bei mir nicht. Auf der Autobahn dahinbrausend hat man ja stundenlang wenig Ablenkung. Dafür gibt es dann wohl das Autoradio …
        Aber es ist meiner Beobachtung tatsächlich so, dass viele Menschen es nicht aushalten, auf Reisen ein oder zwei Wochen am gleichen Platz zu bleiben und die fremde Umgebung erst mal langsam auf sich wirken zu lassen. Schwupps, schon muss zu einem neuen Ziel gefahren werden. Irgendwas in der näheren oder ferneren Umgebung erkundet werden. Dieses und jenes Highlight, das man nicht verpassen darf.

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      2. puzzleblume

        Es wandelte sich bei mir zugegebenermassen auch mit den Verhältnissen. In jüngeren, kinderlosen Zeiten, aber mit 5 Wochen am Stück in der Vorsaison bin ich nebst Partner gern in kleinen Landstrassenetappen jeden Tag ein bisschen gefahren, mit vielen Rasten zum Herumsitzen oder -spazieren in einsamen Gegenden, bis zu einem bestimmten Punkt, wo dann eine Nichtstuerphase folgte, und dann ging es auf dieselbe Weise, aber auf einer anderen langsamen Strecke wieder zurück.
        Mit den Kindern kamen die Ferienhausurlaube, wo sich verbummelte Tage mit Ausflügen abwechselten.
        Mit dem jetzigen Haus und Garten auf dem Lande, aber ohne Ferien bzw. mitreisende Kinder hat das lange Reisen aufgehört, da haben wir ab und zu ein paar interessante Städte besucht, ein bisschen Drumherum angeschaut, aber neben einer gewissen Grundorientierung den Zufall walten lassen.
        Das Schlimmste scheint mir, wenn die Menschen das Gefühl haben, etwas zu versäumen, es nicht – vor allem im Vergleich mit anderen – richtig gemacht zu haben.
        Inzwischen ist mein Mann nicht mehr so gut zu Fuss, dafür haben wir noch keine „Reiselösung“, denn stattdessen mit einem Wohnmobil herumzugurken, aber sonst nichts zu tun, als auf dem Klappstuhl auf dem Stellplatz herumzusitzen oder in einem Café oder Restaaurant, hat für mich keine Attraktivität.

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      3. emhaeu Autor

        Da bietet sich doch eine Fahrt mit dem Hausboot auf einem Fluss an – so stelle ich mir das jedenfalls in meiner Fantasie das vor: Man sitzt an Deck und lässt die Landschaft vorbei ziehen, ….
        Dem Fahren in kleinen Etappen kann ich auch was abgewinnen, aber da darf man dann bei den Hotels nicht so pingelig sein wie meine Mitfahrerin, die es nicht gut verträgt, wenn im Hotel schlechte, trockene Luft ist. Was leider immer öfters der Fall ist wegen der Bauweise, in der die Kästen heutzutage hingeklotzt werden.

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      4. puzzleblume

        So wie du es beschreibst, ist Hausbootfahren sicher ganz nett, wenn jemand anderes sich um das Fahren, An- und Ablegen kümmert, denn gerade letzteres erfordert etwas körperliche Fitness, die zumindest einer von uns beiden überhaupt nicht mehr hat, und ich bin nur 1,60 m, das hat in dem Fall ziemliche Nachteile.

        Ich folge schon eine Weile dem Blog La vie en bleu – Leben auf dem Wasser:
        https://houseboatdotlife.wordpress.com/
        Die Beschreibungen und Fotografien von den Kanalfahrten in Frankreich, dem Prozedere und schlimmstenfalls coronabedingten Stillliegen sowie die Hundegeschichten sind für mich immer wieder lesenswert, aber verlocken mich nicht zur Sehnsucht, Ähnliches zu tun.

        Für mehr als zwei Tage kann ich die Enge in solchen und ähnlichen Gefährten + Hund nicht mehr als angenehm empfinden, selbst wenn es nur zum Übernachten wäre, was es ja nicht ist.

        Das mit den Hotels kann ich nachempfinden. Und füge der schlechten Luft noch fiese Kopfkissen und meine Abneigung gegen Büffets hinzu.
        Ich würde mich lieber für jeweils nur ein, zwei Übernachtungen mehr an Bead & Breakfast oder Pensionen orientieren, die können einen positiv überraschen, und wenn nicht, ist man gleich wieder weg.

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      5. emhaeu Autor

        Stimmt, das Anlegen ist immer ein Problem, da war ich mit unseren Segelbooten auch kein Meister drin und hatte immer schon Angst, wenn der Hafen sich näherte. Leute, die dann mit großem Bumms an den Steg bummsen sind bei anderen Bootfahrern nicht allzu beliebt 😉.
        Mit Hund auf einem kleinen Kajütboot bin ich auch mal über die Seen um Sneek gefahren. Wäre ohne Hund eindeutig besser gewesen – für den Hund und für uns …
        Man wird halt älter und anspruchsvoller. Früher sind wir wochenlang mit so einem kleinen Hauszelt für zwei Personen durch Jugoslawien gefahren und haben auf einem Minikocher mit einer Flamme gekocht. Da bleibe ich heutzutage lieber daheim und radle in der Umgebung rum.

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