Archiv des Autors: emhaeu

Über emhaeu

www.rumgekritzelt.wordpress.com

115 Euro Energiepreispauschale

Es hat Geld gegeben: Energiepreispauschale. 300 Euro, netto etwas mehr als 230 Euro.

Nun, man soll nicht meckern, wenn der Staat einem Geld schenkt. Ich mache es trotzdem, denn ich halte nicht viel von staatlichen Wohltaten, die mit der Gießkanne ausgeschüttet werden. Oder, konkret: Ich brauche des Geld eigentlich gar nicht.

Aber ich will auf etwas anderes hinaus. Was mit noch nie eingeleuchtet hat: Wenn ich doch als Beamter Geld vom Staat erhalte, wieso gibt mir der Staat erst 300 Euro und behält dann etwa 25 Prozent als Steuer direkt wieder ein? Geht das nicht einfacher?

In diesem speziellen Fall wird die Geschichte ja noch merkwürdiger. Wenn ich die Energiepreispauschale für Energie ausgebe und beispielsweise die 230 Euro in Benzin verwandele, dann kann ich 4 mal volltanken (kleines Auto, kleiner Tank), also etwa 128 Liter.

Für jeden Liter Benzin, den ich kaufe, erhält der Staat aber wiederum etwa 0,90 Euro an Steuern und Abgaben (Mehrwertsteuer, Energie- oder Mineralöl- (Ökosteuer) und die Erdölbevorratungsabgabe) – etwa 155 Euro. 300 – 70 – 155 = 115 Euro.

Also hätte der Staat mir doch direkt nur 115 Euro überweisen können, … , aber so einfach geht es nicht, bestimmt nicht.

Gedanken beim Radfahren

Radfahren, so heißt es überall, ist umweltfreundlich. Aber wenn ich, wie heute morgen, meine Runde durch die Felder und Dörfer drehe, nur so aus Jux und Tollerei, was ist daran umweltfreundlich? Klar, ich mache keinen Krach und CO2 stößt mein Rad auch nicht aus. Wenn ich mit dem Moped unterwegs wäre oder mit dem E-Bike, sähe die Sache schon anders aus.

Aber so? Alle Spaß- und Sportfahrten bringen zwar Spaß und tragen hoffentlich zur Gesundheit bei, aber kein Gramm CO2 wird dadurch eingespart, es sei denn, der Spaß&Sport-Radler würde statt dessen eine Spritztour mit dem Auto machen. Ist aber wohl nur selten die Alternative. Oft, so beobachte ich, wird beides kombiniert: Man fährt mit dem Auto in die schöne Eifel und braust da mit dem Mountainbike durch die Wälder. Umweltfreundlich ist daran gar nichts.

Und wenn man bedankt, wie viele Räder gekauft und dann kaum benutzt werden, in ihrer gesamten Lebenszeit vielleicht nur um die 3000 Kilometer, dann ist der CO2-Ausstoß pro gefahrenem Rad-Kilometer nicht gerade klein, rechnet man die Produktion und den Transport der Räder mit ein.

Aber wie ist es mit den Radlern, die vor allem in der Stadt auch zur Arbeit oder zum Einkaufen radeln? Da gibt es zwei Fälle: Wenn der Radler kein Auto besitzt und bei Frost oder schlechtem Wetter mit Bahn oder Bus fährt, dann ist die CO2-Einsparung gleich null. Denn Busse und Bahnen produzieren unabhängig davon, ob ein paar mehr Fahrgäste mitfahren oder weniger, selbstverständlich die gleiche Menge an CO2. Es müssten schon so viele Leute bei jedem Wind und Wetter (!) radeln, dass Busse oder Bahnen ausfallen könnten. Was andererseits auch nicht erwünscht ist.

Irgendeinen Effekt auf den CO2-Ausstoß haben nur Fahrten mit dem Rad, die Autofahrten ersetzen. Wie viele mögen das sein? Aber selbst wenn das Auto relativ häufig für Rad-Einkaufsfahrten stehengelassen wird, muss man bedenken, dass kaum jemand mehr als 2 km mit dem Rad zu einem Geschäft zurücklegt. Oder: Eine Autofahrt in die Kreisstadt zum Arzt (20km) wiegt so viel wie 10 Radfahrten zum nächsten Supermarkt (2km), vom Ausflug in dieses oder jenes „Wanderparadies“ ganz abgesehen.

Detektivarbeit

Im Moment beschäftige ich mich ja für ein neues Buch mit Fotos, die meine Großmutter kurz nach der Jahrhundertwende gemacht hat. Auf einem Bild ist die ganze Familie abgebildet. „Auf der Balkon meines Elternhauses“ hat Großmutter darunter geschrieben. Darüber muss doch mehr herauszufinden sein, habe ich mir gedacht, ein Gedanke, der mich zwei komplette Nachmittage beschäftigt hat.

In Königsberg/Ostpreußen hat das Haus gestanden, das wusste ich schon. Da meine Urgroßeltern ein Geschäft hatten, war die Adresse mit Hilfe des Einwohnerbuches von Königsberg aus dem Jahr 1937 (kann man online einsehen) auch bald gefunden: Wassergasse 16-18. Jetzt wollte ich aber wissen, wie es da ausgesehen hat.

Nach einigem Googeln fand ich diese Anzeige:

Prima, Alexander Gogga, das war mein Urgroßvater. Und dass sie mit Textilien gehandelt habe, wusste ich schon, denn ich habe irgendwo im Schrank eine große Tischdecke nebst Servietten, die der Sohn und Geschäftsnachfolger des Urgroßvaters meiner Mutter zur Hochzeit geschenkt hat. Aber was ist das für eine Straße gewesen, die Wassergasse?

Es ist wirklich erstaunlich, was man im Internet inzwischen alles finden kann. Die Bildsuche ergab über 300 Bilder der Wassergasse in Königsberg. Eine Geschäftsstraße zwischen Schloss und dem alten Hafen der Stadt, mitten in der Altstadt also.

Fehlt ein Bild vom Haus Nr. 16-18. Also habe ich mir alle 300 Bilder angesehen. Die Hausnummern konnte man nicht lesen, hätte ich mir denken können. Aber manchmal stand die Hausnummer in den Erläuterungen – Nr. 16-18 war nicht dabei. An der Stelle hätte ich aufhören können, aber so ein richtiger Forscher-Detektiv lässt so schnell nicht locker.

Man müsste anhand eines alten Branchenbuchs herausfinden, welche Firmen mit welchen Hausnummern in der Nachbarschaft gewesen sind, um dann anhand der 300 Fotos der Bildersuche …

Stunden später: War nichts. So geht es nicht. Ich weiß ja nicht einmal, ob die Hausnummer 17 gegenüber oder neben der Hausnummer 16 liegt.

Vielleicht reicht es ja auch, wenn ich ein Bild finde, dass die Atmosphäre zeigt, am besten eins von dem alten Stadthafen mit den malerischen Segelkähnen. Gibt es in Massen, solche Bilder, denn nach dem Bau des neuen Hafens war der alte malerische Stadthafen zu einer Art Touristenattraktion geworden, hab ich aus einem alten Reiseführer gelernt. Und der Fischmarkt war da auch, außerdem ein großes Textilkaufhaus. Und, hoppla, auf einem Bild von der Hafenseite aus konnte man Aufschriften auf den Häusern der Wassergasse sehen, große Reklameschilder. So konnte ich die Hausnummern 20-28 finden. Da kann 16-18 doch nicht weit sein!

War aber doch irgendwie weit entfernt, irgendwas stimmte da nicht. Wieder alte Stadtpläne studiert. Aha, da gab es eine Brücke, die Krämerbrücke, die die Wassergasse in zwei Teile geteilt hat. Wenn die Nummer 20 das letzte Haus links von der Brücke gewesen ist, muss doch die 18 direkt recht von der Brücke gelegen haben. Hat sie aber nicht, denn auf den vielen Bildern von der Brücke, die im Internet zu finden waren, stand direkt rechts von der Brücke immer ein (damals) neues, großes Geschäftshaus.

Neue Idee. Der Balkon, der muss doch zu sehen sein. Also habe ich mir alle Bilder von der Fischmarkt-Straße in Königsberg angesehen. Es waren wieder eine Menge Bilder, aber die allermeisten Häuser hatten keinen Balkon. Typische alte Kaufmannshäuser am Hafen, wie es sie auch in Lübeck gibt. Da wurden auf der Hafenseite Waren verladen, da gab es keine Balkone, auf denen man hätte Familienfeste feiern können.

Drauf war ich etwas ratlos. Aber ein richtiger Detektiv … (s.o.)

Ich nahm mir nochmal Einwohnerbücher und Branchenverzeichnisse vor. Habe die Adresse des Urgroßvaters gefunden, an der er gewohnt hat, bevor er in die Wassergasse gezogen ist und die Adresse seines Sohnes. Und, im Branchenbuch 1937 waren in einem separaten Teil tatsächlich die Firmen jeweils nach Hausnummern gelistet. Und grobe Skizzen der Straßen mit einzelnen Hausnummern gab es auch. Die Hausnummern waren leider nicht oder kaum lesbar. Nach einer Weile habe ich verstanden, wie man anhand dieses Verzeichnisses tatsächlich ein Haus lokalisieren kann, denn auch Querstraßen und Eckhäuser waren erwähnt.

Das war es: Das oben erwähnte große neue Geschäftshaus rechts neben der Brücke hatte den Eingang zur Querstraße, der Kantstraße, war also unter den Häusern der Wassergasse nicht zu finden gewesen. Urgroßvaters Geschäft muss also direkt neben diesem Geschäftshaus gelegen haben.

Wieder Bildersuche. Bilder der Kantstraße, Bilder der Krämerbrücke. Such, such. Und dann, tatsächlich, auf einem Bild ist das Haus zu sehen, nicht ganz, aber immerhin: Es hat einen großen Balkon und unten kann man mit Mühe die Reklameaufschrift lesen: „Inhaber: Alexander …“ – – – gefunden! Das kann nur Urgroßvaters Haus sein!