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It Smells Like Ponyhof

Frischer Pferdemist. Was besseres gibt es nicht für den Garten. Sagen die Leute. Ich als alter Bio-Ketzer glaube das nicht so ganz. Vielleicht nur deswegen nicht, weil ich ein fauler Gärtner bin und mir sage: Über Winter mulchen und im Frühjahr etwas Blaukorn ausbringen, spart eine Menge Energie. Meine Energie natürlich.
Aber jetzt sprach mich ein Bekannter an, er fahre mit seinem Anhänger zu einem Bauern am Dorfrand, ob ich nicht auch etwas Pferdemist gebrauchen könne. Also bin ich mitgefahren.
Ein kleiner Bauernhof. Der Besitzer baut nichts mehr an. Seine Felder sind verpachtet, er lebt davon, dass er sich um die Pferde von Leuten kümmert, die sich ein Pferd leisten können und außerdem jemanden bezahlen können, der sich um das Pferd kümmert. Einen Pferdeknecht sozusagen, aber natürlich nennt man das heutzutage anders und spricht von Pensionspferden, das klingt irgendwie nach Urlaub.
Als erstes musste ich lernen, dass Pferdemist nicht das gleiche ist wie Pferdeäpfel. Ich wollte eigentlich Pferdeäpfel haben, aber weil wir Pferdemist bestellt hatten, bekamen wir auch nur Pferdemist.

Der Anhänger war schnell vollgeladen, 7 Schubkarren Pferdemist sind schon im Garten verteilt. Der Geruch wurde mit verteilt, die Nase des Menschen gewöhnt sich an alles, sagt man. Bei Spülmittel mit Apfel-Geruch und Duschgel mit Kiwi-Geruch („My rebellion is kiwi – Duschgel für ein verboten frisches Hautgefühl und den kiwi-fruchtigen Duft des Abenteuers. Sanft schäumend. Vegan“) klappt es. Wieso nicht bei Pferdemist?

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Zeitungsenten (4): Man kennt sich, man hilft sich

Um 1990 habe ich sozusagen die Seite gewechselt: Vom Leser zum Schreiber. Über Kontakte aus der esoterischen Buchhandlung kam ich an einen „Job“ als Redakteur bei einer Eso-Zeitschrift. Job in Anführungszeichen, weil von Gehalt keine Rede sein konnte. Nur eine Pauschale für Porto und Telefon bekam ich im Monat, außerdem kostenlos ein Fax-Gerät, es gab ja noch keine Emails. Aber mir ging es nicht ums Geld, sondern ich wollte mal in die Branche reinriechen und, wer weiß, vielleicht hätte ich ja mittelfristig meinen Job an der Schule an den Nagel hängen können. Und außerdem: Wer liest nicht gerne seinen Namen gedruckt in einer Zeitschrift, auch wenn es nur um 15.000 Exemplare ging?

Ich schrieb ab und zu einen Artikel oder eine Reportage, vor allem war mein Bereich aber die Rezensions-Abteilung. Da lernte ich zum einen rasch, dass es eine Menge Leute gab und gibt, die nur allzu gerne ihren Namen gedruckt sehen wollen und die mir deswegen Massen an Rezensionen zuschickten, ohne Honorarforderungen versteht sich. Auch die Verlage geizten nicht mir kostenlosen Exemplaren frisch aus der Druckerpresse, unaufgefordert und natürlich kostenlos bekam ich alles, was irgendwie in die Richtung passte, paketweise zugesandt, vor allem Taschenbücher. Fand ich anfangs prima, aber irgendwann konnte ich die Bücher nicht mehr sehen und fing an, sie zuerst im eigenen Buchladen, später übers Internet zu verkaufen.

Die meisten denken wahrscheinlich, die Verlage hätten irgendwie Druck ausgeübt nach dem Motto: „Wir sind doch gute Anzeigenkunden …“ Das habe ich nie erlebt, ich hatte tatsächlich freie Hand, so plump lief die Sache nicht. Aber natürlich musste eine Besprechung, die der Chef geschrieben hatte, gedruckt werden. Auch dann, wenn klar war, dass er das Buch nur gelobt hatte, weil es von einem befreundeten Autor stammte oder von einem Kleinverlag, der etwas Unterstützung brauchte. Allmählich merkte ich, wie die Sache oft genug lief: Autor x schreibt eine Rezension für Autor y, der sich dafür bedankt, indem er Autor z anruft und ihn darauf hinweist, er habe doch bei ihm noch einen gut, ob er nicht was über das neue Buch von Autor x schreiben wolle. Auch Groupies gab es, die jedes Buch ihres Angehimmelten sofort in den Himmel lobten. Falls der Angehimmelte die Rezension nicht direkt selbst verfasst und sein Groupie um einen Gefallen gebeten hatte. Klüngel nennt man dergleichen, oder, wie man hier in Köln sagt, um das böse Wort Klüngel zu vermeiden: „Man kennt sich, man hilft sich.“

Etwas anderes aber wog meiner Meinung nach schwerer: Ich lernte das kennen, was man die „Schere im Kopf“ genannt hat. Mehr und mehr erwischte ich mich dabei, wie ich mein Schreib-Fähnchen nach der vermuteten Redaktionslinie hing. Zwei längere Artikel sind ja auch abgelehnt worden, weil sie, sagen wir mal, Anstoß erregt haben. Der eine setzte sich kritisch mit Pornographie auseinander – leider war mir nicht klar, dass der Chef ein großer Fan von Porno-Videos war. Bei dem anderen handelte es sich um eine Reportage. Schwerpunkt-Thema des Heftes war „Missbrauch“. Ich trieb nicht ohne Mühe einen Lehrer auf, der mit einer 16jährigen Schülerin ins Bett gegangen und bereit war, sich, anonym natürlich, interviewen zu lassen. Na gut, um ehrlich zu sein: Ich hatte sie Sache ein wenig „frisiert“, denn es handelte sich gar nicht um seine Schülerin, sondern um seine Ex-Schülerin, das Mädchen hatte die Schule schon eine Weile verlassen und war tatsächlich 17 Jahre alt.  —- Das können wir nicht drucken, hieß es. Besonders einen Absatz fand die Chefredaktion unmöglich, ein paar Sätze, in denen der Interviewte erklärte, wieso für ihn denn 16jährige Schülerinnen attraktiv seien. Die sehen mit 16 aus wie Frauen, hatte der Mann sinngemäß gesagt, die verhalten sich wie Frauen, die bewegen sich wie Frauen, die riechen wie Frauen; ein Mann, der die nicht sexuell attraktiv findet, der macht sich einen vor. – 

Gut, ich konnte leicht auf diese Einkommensquelle, die ja keine war, verzichten. Aber ich denke mir, welcher (vor allem junge) Journalist, der mit 1000 anderen, die auch verdammt gut schreiben können, um eine Stelle kämpft, kann oder wird sein Schreibfähnchen nicht nach dem Wind hängen, der in der Redaktion weht?

Zeitungsenten (3): Wirre Thesen im WDR

Es würde zu weit führen, hier zu erklären, wieso es dazu kam, aber in den 80er Jahren war ich Mitinhaber einer esoterischen Buchhandlung in Köln. Die erste derartige Buchhandlung in Köln, damals war so etwas noch etwas ganz Außergewöhnliches. Deshalb dauerte es nach der Eröffnung auch nicht lange und schon stand jemand vom WDR-Fernsehen vor der Tür. Sie wollten über unsere Buchhandlung berichten, ob es nächsten Donnerstag um 11 Uhr recht sei, es gehe um einen Beitrag für die Sendung „Lokalzeit“.

„Lokalzeit“, wir hatten keine Ahnung, was das war, denn wir hatten schon seit 1974 keinen Fernsehapparat mehr und die ganze Welt des Fernsehens war uns so fremd geworden wie anderen die Welt des Eishockeys. Der Mann war freundlich, das WDR ein seriöser Sender, was sollten wir dagegen haben?

Am vereinbarten Termin rückte das WDR-Team an. Sie filmten hier und dort, dann machten sie ein langes Interview mit der Chefin. Über Esoterik, Spiritualität und „New Age“ – letzteres war damals ein wichtiges Stichwort. Dann wurde alles wieder eingepackt, man verabschiedete sich freundlich.

Der Beitrag dann war allerdings alles andere als freundlich, sondern versuchte zu vermitteln, es handele sich um einen Laden von Spinnern für Spinner. Und um die These zu untermauern, hatten sie aus dem langen Interview nur ein paar Sätze in den Beitrag übernommen, und zwar die Sätze, in denen sich die Chefin ein wenig verhaspelt hatte. Sie war schließlich keine Politikerin, die es gelernt hatte, auf jede Frage eine druckreife Antwort zu geben. Fazit des Sprechers: Es handele sich offenkundig um „wirre Thesen“.

Doch: Auch Kritik ist Werbung. Der Laden lief und konnte bald in ein größeres Ladenlokal umziehen. Wieder kam ein freundlicher Herr vom WDR. Es gehe um einen Beitrag, nein, nicht über den Buchladen, sondern nur über ein bestimmtes Produkt, die sogenannten „Subliminal-Kassetten“, die damals den Markt überfluteten. Den Laden bräuchten sie nur als Drehort. Wir dachten, wir wären clever und forderten 300 DM für die Drehgenehmigung. Das erschien uns viel, aber für den WDR sind das ja nur Peanuts: Klar, geht in Ordnung.

Das Team kam und als erstes wollten sie den Laden etwas umräumen. Der Ständer mit diesen Kassetten stand ihnen zu weit im Hintergrund. Dort stand er aber nicht ohne Grund, denn wir mochten diese Kassetten nicht besonders, wir führten sie nur, weil die Kunden danach fragten. Wir weigerten uns also, umzuräumen, die Jungs vom WDR maulten etwas herum, packten aber dann ihre ganzen Gerätschaften aus und machten einen großen Wirbel, so viel Wirbel, dass wir gar nicht gemerkt haben, dass jemand die Kassetten doch direkt neben die Ladentür gestellt hatte. Zur Ablenkung machten sie wieder ein Interview, das dann nicht gesendet wurde.

Anschließend wollten sie eine Szene mit einem Käufer drehen. Dann müssen wir warten, bis einer kommt, sagte ich naiv. Ach was, wir haben einen Schauspieler dabei, der macht das schon, hieß es. Und tatsächlich stand auf der Strasse ein junger Mann und rauchte. Der kam dann herein, erkundigte sich nach diesen Kassetten, kaufte eine und ging wieder. Die Kameras liefen, einer wedelte immerzu mit einem Mikrofon herum, wie das halt so ist. Und schon waren sie wieder weg.

Die bei uns im Laden gedrehten Szenen wurden dann in den Beitrag eingebettet. Das heißt, erst mal wurde was über die „Subliminal-Welle“ informiert, darauf ein Interview mit einem Fachmann eingespielt, mit einem dieser Fachleute, die die Medien immer zur Hand haben. Der erzählte wunschgemäß allerhand Negatives über diese Kassetten. Dann kam unser Laden, der Schauspieler kaufte die Kassette, nichts Besonderes. Doch damit war die Rolle des Schauspielers nicht zu Ende. Es wurde gezeigt, wie er die Kassette in seinen Walkman einlegt und damit spazieren geht. Dann sprach der Schauspieler: „Solch ein Blödsinn“ und warf die Kassette in den Müll. Ende des Beitrages.