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Beeindruckend: Johannes Mausbach – Union 103

Kein richtiges Buch, sondern ein Manuskript, das der Autor um 2005 in einigen Exemplaren hat drucken und provisorisch binden lassen.

„Union 103“ – das sagt nur wenigen älteren Bewohnern der Dörfer Morschenich oder Etzweiler etwas. Der Ort Etzweiler ist auch schon vergessen und Morschenich hätte fast das gleiche Schicksal ereilt, nämlich dem Braunkohletagebau Hambach zum Opfer zu fallen. Auch mir, der ich seit bald 10 Jahren nur einen guten Kilometer von dem „Bergwerk im Bürgewald“ entfernt wohne, war der Name unbekannt. Das Bergwerk selbst war mir nicht ganz unbekannt. Ich wusste vage, dass es dort, wo sich heute der riesige Tagebau Hambach befindet, mal ein Bergwerk gegeben hatte. Theoretisch hätte ich die Reste, also die oberirdisch sichtbaren Ruinen des Bergwerks, mir ansehen können. Mehr theoretisch, denn wie das gesamte Werksgelände des Tagebaus Hambach wurde auch das Areal des ehemaligen Bergwerks von Sicherheitskräften überwacht.

Jetzt ist es zu spät, denn vor zwei oder drei Jahren ist das Bergwerk von den Baggern vollständig vernichtet worden. Es war nicht schade drum.

Die Geschichte dieses Bergwerks also hat Johannes Mausbach auf gut 80 Seiten beschrieben. Das Erstaunliche ist, dass es dieses Bergwerk überhaupt gegeben hat. Denn überall hier in der Gegend ist die Braunkohle nicht unter Tage, sondern im Tagebau abgebaut worden. Nach 1930, als es klar wurde, dass die vorhandenen Kohlelagerstätten nicht mehr lange reichen würden, hat man überlegt, wie man die riesigen Vorkommen unter dem Hambacher Forst ausbeuten könnte.

Schon damals wurde ein großer Tagebau diskutiert, aber verworfen, weil man nicht wusste, wie man die immerhin 300 Meter dicke Schicht aus Kies und Ton abtragen konnte, ohne dass das entstandene enorm große Loch sofort voll Wasser gelaufen wäre.

Deshalb hat man es ab 1940 mit einem Bergwerk versucht. Auch damit betrat man Neuland, denn erstens war es unüblich gewesen, Braunkohle unter Tage abzubauen, und zweitens wusste man, dass man auch bei einem Bergwerk bei den vorliegenden geologischen Gegebenheiten Kies, Ton und Wasser erhebliche Probleme bereiten würde.

Es gab aber Druck „von oben“, denn im zweiten Weltkrieg wurde Kohle dringend gebraucht, man hoffte, die tief liegende Braunkohle würde sich besonders gut zur Gewinnung von synthetischem Kraftstoff eignen.

Wie die Bergbauingenieure und Arbeiter vor Ort die Schwierigkeiten in den Griff bekommen haben, welcher technischer Aufwand getrieben worden ist, ist wirklich beeindruckend. Einer der beiden Schächte beispielsweise konnte nur gebohrt werden, indem man das Gestein ringsum bis in 300 m Tiefe (!) vereist hat. Dann mussten die beiden Schächte mit einer Unzahl von riesigen Stahlringen, die an Ort und Stelle geschweißt worden sind, abgesichert werden.

Beeindruckend auch, wie die Leute geschuftet haben. Der gesamte alte Baumbestand, der das Areal bedeckt hat, ist mit der Hand gefällt, zersägt und dann mit Pferdefuhrwerken abtransportiert worden. Unmengen von Beton wurden mit kleinen Betonmischern vor Ort gemischt. Als jemand, der in jeder Höhle seltsame Gefühle bekommt, bewundere ich die Menschen, die dann in die Schächte hineingeklettert sind, um unten mit Spitzhacke und Schaufel Gestein und Kohle herauszubrechen, wobei jederzeit Wasser einbrechen oder ein Stück einbrechen konnte, maßlos. Insgesamt 2,5 km Stollen sind so gebaut und mit Bohlen und Beton gesichert worden, insgesamt 14 Jahre hat man dazu gebraucht.

Leider war die ganze Mühe vergeblich. Man hatte die Stollen vorangetrieben und wollte nun von diesen Stollen aus den Abbau der um die 50 Meter dicken Kohleschicht beginnen. Doch das Gestein und Geröll war zu lose, der beim Abbau entstehende riesige Hohlraum wäre mit sinnvollem technischen Aufwand nicht zu sichern gewesen.

Als dann noch ein gefährlicher, großer Wassereinbruch kam – bei dem sich zum Glück alle Bergleute retten konnten – wird das Unternehmen eingestellt. Das war 1954. Schon damals wird beschlossen, den Tagebau Hambach zu schaffen. Nach ein paar Jahren sind die Pläne für den Tagebau fertig. Das Problem mit dem eindringenden Wasser konnte man inzwischen durch ein gigantisches Netz von Pumpen, die das gesamte Grundwasser abpumpen, lösen. Und als alle Genehmigungen vorliegen, im Jahr 1977, fängt der erste Bagger an, das riesige Loch in die Erde zu buddeln, das heute so nahe vor meiner Haustür anfängt, dass ich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers einen Bagger sehen kann.

Als ich gemütlich im Sessel von den Männern gelesen habe, die da unten im Bergwerk geschuftet haben, habe ich öfters gedacht: Mensch, was bist du doch für ein Weichei!

Wiedergelesen: Erich Kästner – Emil und die Detektive

Da konnte ich nicht daran vorbeigehen, als ich es im öffentlichen Bücherschrank entdeckt habe. Nicht, weil ich irgendwelche Erinnerungen an die Handlung gehabt hätte. Aber die Illustrationen von Walter Trier (1890-1951) haben es mir angetan.

Dann habe ich „Emil und die Detektive“ fast in einem Zug durchgelesen. Liest sich ja leicht und ist auch ordentlich spannend.

Als kritischer erwachsener Leser hat mich die fast schon penetrante Lobhudelei gegenüber der Mutter des Helden Emil gestört. Nun ja, wie ich später gelesen habe, hatte Erich Kästner eine Art Mutter-Komplex – unübersehbar.

Was mir noch aufgefallen ist: Eine reine Jungen-Geschichte. Nur ein einziges Mädchen spielt eine Rolle. Eine kleine Rolle. Sie fährt eigentlich nur mit ihrem Fahrrad durch Berlin und bedauert, dass sie den Jungs um Emil keinen Kaffee kochen kann. Mit der Aufklärung des Falls hat sie wie selbstverständlich nichts zu tun.

An der Grenze zum Sozialkitsch die Darstellung der misslichen Lebensumstände von Emils Mutter, die ihr Geld als Aushilfe bei einem Frisör verdient, aber – siehe oben – herzensgut ist und ihrem ebenfalls durch und durch guten Emil mühsam zusammengespartes Geld mit auf die Reise nach Berlin gibt. Nun gut, Differenzierung sind nicht so kinderbuchgemäß.

Was ich nie verstanden habe: In dem berühmten Filmausschnitt von der Bücherverbrennung der Nazis 1933 werden Bücher von Erich Kästner verbrannt. Kästner befand sich unerkannt im Publikum und musste mit anhören, wie sein Name an dritter Stelle genannt worden ist. „Emil und die Detektive“ gehörte auch nicht zu den beanstandeten Werken, es waren die zahllosen Reportagen und Glossen, die Kästner um 1930 verfasst hat, die dem neuen Regime ein Dorn im Auge waren.

Beim Lesen habe ich mir ab und zu gedacht: Gut, dass die, die heute Kinder- und sonstige Literatur auf „anstößige“ Stellen durchforsten, noch (?) nicht bei „Emil und die Detektive“ angekommen sind. Denn eins steht fest: So, wie Kästner sein berühmtestes Buch geschrieben hat, würde es heute kein Lektorat mehr durchgehen lassen, schon wegen der erwähnten Rolle des einzigen Mädchens.

Prominente Verwandschaft

Hui, jetzt habe ich eine ganze Weile keinen Blogbeitrag geschrieben. Der letzte beschäftigte sich mit meinen Vorfahren, über die ich ein Buch schreibe. Und tatsächlich habe ich seit dem, sobald mir meine Tätigkeit als Hausmeister im eigenen Haus Zeit gelassen hat, also fast jeden Nachmittag, mit dem Kram beschäftigt. Es wird auch noch eine Weile dauern, bis ich all die teils verwickelten Verwandtschaftsverhältnisse aufgedröselt haben werde und bis ich vor allem interessante Geschichten zu den Menschen gefunden haben werde, denn reine Personenlisten sind ja doch arg langweilig.

So komme ich vom Hölzchen aufs Stöckchen. Ein Beispiel:

In dem weißen Haus auf der obigen Postkarte wohnte ab 1910 mein Großonkel Ferdinand, der sich stolz Justizrat nannte, was aber nur ein Ehrentitel für einen Rechtsanwalt war, verheiratet mit einer Else Deutsch. Die Deutschs sind eine große, große Familie und zu allem Ärger gibt es auch noch Leute, die Deutsch heißen und nichts mit „meinen“ Deutschs zu tun haben. Als ich die Mitglieder meiner Familie Deutsch zusammengetragen habe – vieles lag im Internet schon vor – begegnete mir der Name von der Leyen. Hm – das werden doch wohl nicht Vorfahren des Mannes der Ursula von der Leyen sein?

Nun ist ja, wie man so sagt, jeder mit jedem verwandt, wenn man nur weit genug zurück geht. Aber sooo weit muss man in diesem Fall dann doch nicht zurückgehen. Nur bis zum Urgroßvater des Mannes von Ursula von der Leyen, Heinrich von der Leyen, seines Zeichens Seidenfabrikant in Krefeld. Der hatte einen Bruder namens Gustav von der Leyen, verheiratet in 2. Ehe mit Amalie Kapp.

Kapp? Nun gut, das ist jetzt der Familie von der Leyen wahrscheinlich etwas peinlich, weshalb es auch im Wikipedia-Eintrag nicht vorkommt, aber das ist genau die Familie Kapp, aus der Wolfgang Kapp stammt, ein ehrgeiziger Politiker, der 1920 den nach ihm benannten Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik gemacht hat.

Nun gut, für Verwandtschaft kann man nichts. Das muss ich jetzt einfügen, denn – wie man schon vermuten kann – über diese Linie bin ich auch mit jenem Wolfgang Kapp verwandt.

Die Ehefrau von Gustav von der Leyen, die erwähnte geborene Kapp, hatte jedenfalls einen Bruder, der wegen revolutionärer Umtriebe und Geldmangels 1848 in die USA emigriert ist. Dieser Bruder ist der Vater des Putschisten Wolfgang Kapp, der folglich in New York geboren worden ist.

Nach seiner Rückkehr aus den USA hat er eine Frau mit dem schönen Namen Margarete Marie Friederike Rosenow geheiratet. Alle Rosenows waren zu der Zeit ostpreußische Gutsbesitzer und so dauert es nicht lange, bis Wolfgang Kapp sich kurz vor 1890 auch ein Rittergut kaufte, und zwar von seinem Schwiegervater, der sich aus Geldmangel von seinem Rittergut trennen musste.

Und von diesem Schwiegervater, einem Karl Ernst Deutsch, geht die Verwandtschaftslinie direktemang zur Ehefrau meines Großonkels, zu dem oben erwähnten Herrn Justizrat.

Eine Schwester der Ehefrau von Wolfgang Kapp, Johanne Adolphine Friederike Rosenow – die Rosenow-Töchter hatten alle wohlklingende Vornamen – war nämlich verheiratet mit Karl Ernst Deutsch. Und dieser Karl Ernst Deutsch war der Großonkel von Else Deutsch, der Ehefrau des Herrn Justizrates.

Na gut, war jetzt doch ein paar Mal um die Ecke …