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Abenteuer Tierwelt

Wie im Paradies: Schafe, Kühe und Pferde grasen friedlich zusammen auf der großen Bergwiese. Ich habe mindestens eine Stunde zugesehen – die Tiere haben keinerlei Zankereien angefangen. Jedenfalls nicht untereinander.

Denn als ich nach der langen Pause auf dem kleinen Hügel mitten durch die Tiere gehen wollte, kam plötzlich ein größerer Hund angelaufen, knurrte und bellte bedrohlich.

Zugegeben, was Tiere betrifft, bin ich ein Angsthase. Aber steckt nicht die ach so paradiesische Tierwelt in den asturischen Bergen voller Gefahren? Ich will jetzt nicht vom Wolf anfangen. Die Wölfe sind im Sommer weiter oben in den Bergen und lassen sich nicht blicken. Allerdings, der Bauer, dem die gut 100 Schafe gehören, scheint anderer Meinung zu sein. Der Hund, der mich mit seiner entschlossenen Knurrerei zum bedächtigen Rückzug gezwungen hat, ist nämlich ein speziell abgerichteter Hütehund, der die Schafsherde vor Wölfen schützen soll. Ein Mastín Espanol, wie mir der Nachbar später erzählt.

Aber vor den Wölfen habe ich keine Angst, einmal in 20 Jahren habe ich einen gesehen, im Winter. Ein dreckiges zotteliges Wesen, das sich nicht um mich kümmerte und gemächlich durch den Schnee trottete, übrigens genau dort, wo auf dem obigen Bild die Schafe weiden.

Vor den Schlangen hab ich auch keine Angst. Also fast nicht. Manchmal raschelt es, aber meist handelt es sich um eine der allgegenwärtigen Eidechsen, die haben ja auch einen langen Schwanz. Und die allermeisten Schlangen, die hier in den Bergen herumkriechen, so wurde mir versichert, sind nicht giftig.

Den Pferden – es handelt sich mehr oder weniger um Wildpferde, denn sie haben keinen Stall, laufen das ganze Jahr frei rum und vermehren sich nach Belieben – kommt man besser nicht zu nahe, vor allem wenn Fohlen dabei sind – was eigentlich immer der Fall ist.

Schafe sind ganz harmlos, Kühe auch, jedenfalls wenn man ein paar Regeln beherzigt und einen Stock dabei hat. Aber wenn ein Bulle ins Sichtfeld kommt, dann bricht bei mir der Angsthase durch. Nicht, dass ich mal schlechte Erfahrungen mit einem Bullen gemacht hätte. Bisher haben die Viecher meistens gar keine Notiz von mir genommen, wenn ich in einem sicheren Bogen um sie herum geschlichen bin. Die liegen faul im Gras oder schleppen ihren massigen Körper träge über die Wiese. Doch das täuscht. Beim Nachbarn habe ich einmal gesehen, wie wild so ein Bulle werden kann, wenn es nicht so geht, wie er das will. Nachbars Bulle sollte nämlich auf den Anhänger. Halb war er schon drin, dann wollte er nicht weiter, weshalb einer der Gehilfen den Bullen mit seinem Stock kräftig auf den Hintern schlug. Darauf ging der Bulle wutentbrannt wieder rückwärts, blickte sich um, nahm Anlauf und sprang über eine etwa 1,50 m hohe Steinmauer ab in die Freiheit. Mehr habe ich nicht gesehen, weil ich schnell die Haustür verriegelt habe.

Nein, Bullen sind gefährliche Tiere, hat mein Vater mir eingeschärft. Denn obwohl er auf dem Bauernhof aufgewachsen ist und die Viehzucht von der Pike auf gelernt hat, ist er als 27jähriger von seinem eigenen Bullen angefallen worden und musste notoperiert werden. Da lasse ich mich gerne von Leuten, deren Erfahrungen mit Tieren auf der Haltung von Hauskatzen beruht, als Angsthase auslachen und mache einen ganz großen Bogen.

Wie auch um den knurrenden Hund, der seine Schafe bewachen musste und mich in den nächsten Tagen noch zweimal aus ein paar 100 m Entfernung angekläfft hat. Ein „Mastín Espanol“, habe ich dann zu Hause nachgesehen, ist ein spanischer Mastiff, ein Hund, der in Deutschland unter die Kampfhundverordnung fällt. Hab ich’s mir doch gedacht, dass mit dem Vieh nicht zu spaßen ist.

Leckeres Vollholz

Dieses Beistell-Tischlein habe ich vor 12 Jahren gebaut: Eschenholz, die Platte aus dem Kastanienholz, das den Fußboden des Heubodens gebildet hat. Und urplötzlich, wie aus dem Nichts, haben die Holzwürmer entdeckt, dass das Eschenholz offenbar gut schmeckt: Jede Menge Löcher.

Die Löcher habe ich jetzt zugeschmiert und das Tischlein ein paar Tage in die Sonne gestellt, heiße und trockene Luft gefällt den Viechern ja nicht, heißt es. Und falls das nichts hilft und es seinen Weg in den Holzofen finden wird, wird es hiermit schon mal virtuell festgehalten.

Am Strand

In der Ferne lockt der Strand, der den schönen Namen Amió trägt. Ende September, letztes Saison-Wochenende: Ein paar Leute sind da, genießen die Sonne, baden im noch warmen Meer. Viel Platz, die einzige Bar – mehr eine Bude mit ein paar Stühlen davor, liegt ein Stück weit entfernt und hat im September schon geschlossen.

Ein ganz ruhiger Ferienort, von einer fast schon nostalgischen Ruhe. Direkt oberhalb des Strandes liegen die Kühe faul auf der fetten Wiese rum. Nach einem halbstündigen Spaziergang über Wiesen und durch ein Wäldchen mit knorrigen, immergrünen Kork-Eichen mit ihren stacheligen Blättern gelangt man über eine steile, rutschige Treppe an die Mündung des Flusses Tina Mayor, die Ría de Tina Mayor, die Grenze zwischen Kantabrien und Asturien.