Archiv der Kategorie: Asturien

Wasser sparen

Derzeit ist das Thema ja nicht so aktuell, aber wenn die Dieselabgase niemand mehr interessieren, kommt bestimmt auch mal wieder das Thema „Wasser“ aufs Tapet.

Wie so was aussehen kann, habe ich gerade erlebt. Denn unser Feriendomizil ist nicht ans Wassernetz angeschlossen. Kein Trinkwasser aus der Leitung, kein Abwasserkanal. Nun, es geht auch ohne, und zwar so:

Das wichtigste ist, dass man verschiedene Wasserarten für verschiedene Zwecke einsetzt.

(1) Trinkwasser

Trinkwasser wird in 5-Liter-Flaschen im Supermarkt gekauft, die Flasche kostet um die 70 Cent, das ist nicht teuer. Dann wird mit dem Trinkwasser möglichst sparsam umgegangen, d.h., es wird nur zum tatsächlichen Trinken benutzt, morgens und abends ein halbes Glas zum Zähneputzen, für Kaffee und Tee.

(2) Leitungswasser

Im Dorf ist eine öffentliche Wasserzapfstelle, da kann man sich 5 – 10 Flaschen zu je 5 Liter abfüllen. Dieses Wasser ist sauber, aber, wie oft in südlichen Ländern, nicht so unbedingt geschmacksneutral. Mit diesem Wasser kann man Gemüse waschen und kochen, empfindliche Personen benutzen es auch, um sich zu waschen. Wer meint, er müsste sich täglich damit die Haare waschen, der muss allerdings recht viele Kanister schleppen. Faulheit hilft beim Wassersparen enorm.

(3) Regenwasser

Wird in der 500-Liter-Tonne, die auf dem Bild oben zu sehen ist, aufgefangen. Es gibt noch eine kleinere Tonne. Wenn man in der Küche oder im Bad den Wasserhahn aufdreht, dann kommt dieses Regenwasser heraus. Damit kann man putzen, sich waschen, Geschirr spülen etc. – die 800 Liter reichen bei zwei Personen für 10 Tage, dann muss es wieder regnen oder man muss zum Nachbarn gehen und Wasser aus der Viehtränke schöpfen, Quellwasser, aber die Tränke ist natürlich nicht so besonders sauber. Dieses Wasser kann man auch gut zur Toilettenspülung benutzen. Die Toilettenspülung ist nicht so komfortabel wie gewohnt, es gibt keine Wasserleitung zur Toilette, man muss Wasser in den 5-Liter-Flaschen hochtragen. Abwässer landen in einer Sickergrube auf der Wiese.

So geht es, das Wassersparen, so sieht es aus, das postindustrielle und komfortreduzierte Leben. Daheim merkt man dann, wie sehr man sich an die in Deutschland übliche alltägliche Verschwendung von Trinkwasser bester Qualität gewöhnt hat – und wie fein das ist, wenn immer prima Wasser aus der Leitung kommt.

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Zurück zu den Kühen

Morgens habe ich gelernt, das Kühe gerne Äpfel fressen, dann das Haus geputzt, alles abgeschlossen, anderthalb Stunden Autofahrt zum schönen Strand von Castro Urdiales, dort lange Pause gemacht, Füsse ins Wasser gesteckt. Dann zum Flughafen, Mietwagen abgeben, keine zwei Stunden Flug und schwupps, Kulturschock, fand ich mich auf dem Bahnhof inmitten einer Menge betrunkener Fußball- und Partyfans, Geschrei, Dreck, Bierflaschen. Nur schnell weg hier habe ich gedacht. Zurück zu den apfelfressenden Kühen.

 

Böse Bauern

Einige Hektar stehen in Flammen. Das kommt im Frühjahr im spanischen Asturien häufig vor. Der Feuerwehr-Hubschrauber kommt, immer wieder, das Feuer wird mit viel Wasser gelöscht. Nachts brennt es dann wieder, direkt daneben. Diesmal kommt kein Hubschrauber. Gut so, sagen die Bauern, diese Hänge da mussten dringend abgebrannt werden, Stechginster, Brombeeren, Adlerfarn, das überwuchert alles. Und was sollen unsere Kühe fressen? Weg mit dem Gestrüpp, sonst …

Ja sonst müssen die Bauern Viehfutter dazu kaufen, das ist teuer, dann lohnt sich die Viehzucht in den Bergen nicht mehr, dann überwuchert hier alles.

Prima, sagt der Nicht-Bauer, dann kann sich auf den Bergen endlich die Natur ungestört entfalten. Und schon sieht er ringsum sprießende Neo-Urwälder vor seinem inneren Auge.

Warum nicht?

Das Problem ist, dass die die Wildnis liebenden Nicht-Bauern weder Veganer sind noch Jäger und Sammler, die auf der Suche nach Nahrung durch die Wälder streifen. Sie wollen Milch, Käse und Rindfleisch kaufen. Die Bergbauern werden also nicht alle in Rente gehen, wenn sich in den Bergen die traditionelle Viehzucht, bei der die Kühe von April bis Ende Oktober alleine mit ihren Kälbern auf den „Almen“ sind, die restlichen Monate die Wiesen im Tal abfressen und nur bei ganz schlechtem Wetter mal im Stall bleiben müssen, wenn sich diese Viehzucht nicht mehr lohnt.

Wenn die Sommerweiden in den Bergen ausfallen, werden die Bauern die Viehhaltung in die Täler verlegen, in große Ställe, weil sich die Tierhaltung mit gekauftem Futter sonst nicht lohnt, in Ställe, die die Tiere das ganze Jahr über gar nicht oder kaum verlassen. Das Übliche halt.

Es mag paradox klingen: Diejenigen, die von Natur und Wildnis schwärmen und die die Hänge abbrennenden Bauern zu bösen Buben erklären, fördern die Art der Tierhaltung, die sie eigentlich ablehnen.