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Alles, was sonst nirgends hin passt

Einmal Risikogebiet und zurück

So sieht es aus, das Risikogebiet. Ein leerer Strand an der spanischen Nordküste. Aber, im Ernst, ich gehöre nicht zu den Leute, die die Gefahren durch das Virus herunterspielen. Eigentlich wollten wir ja auch gar nicht in ein Risikogebiet. Wir haben den Juni und den Juli abgewartet. Die Fallzahlen in Spanien gingen zurück und zurück, in Asturien, unserem Ziel, waren dann weniger Fälle pro 100.000 Einwohner als in NRW. Also haben wir Anfang August gebucht. Leider wurde kurz darauf ganz Spanien zum Risikogebiet erklärt, obwohl in Asturien die Zahlen immer noch nicht viel höher waren als in unserem Kreis. Alles absagen oder trotzdem fliegen? Nun, da wir dort ja weitab von einem Dorf in den Bergen wohnen und Kontakt zu Menschen nur im Supermarkt haben, schien uns die Gefahr nicht so groß. Und Flug und Flughafen? Da meinte eine Bekannte, die im Flughafen Köln/Bonn arbeitet, dass es dort erheblich sicherer sei als im Supermarkt oder gar in der S-Bahn.

Also haben wir uns einen QR-Code aufs Handy geladen, mit dessen Hilfe alle Personen, die nach Spanien einreisen, erfasst und registriert werden, und haben die Koffer gepackt.

Der Flughafen Köln/Bonn war tatsächlich leer, absolut sauber, alle achteten genau auf Abstände und Masken. Das Gleiche im Flugzeug. In Madrid wurde dann niemand ins Terminal gelassen, der nicht mit diesem QR-Code erfasst werden konnte. Wir hatten einen, konnten direkt durch, zum Mietwagenbüro waren es nur ein paar Schritte durch die leere Eingangshalle. Ab in den Mietwagen, kurz Lenkrad, Schalthebel etc. desinfiziert, und ab auf die Autobahn.

Die Rückkehr war dann schon – sagen wir – etwas seltsam. Erst einmal ist mir erst bei der Rückgabe des Mietwagens so richtig aufgefallen, dass mindestens die Hälfte der Terminals des riesigen Flughafens völlig geschlossen war. Alles leer und ein wenig gespenstisch. „Unser“ Terminal war natürlich in Betrieb, man durfte das Gebäude aber nur mit einer gültigen Bordkarte betreten – das wurde streng kontrolliert. Drinnen waren alle Geschäfte und Cafés geschlossen, sehr wenige Fluggäste, die alle großen Abstand voneinander hielten und natürlich ihre Maske trugen.

Aber wir hatten ein Problem. Ryanair hatte ein paar Tage vorher geschrieben, wir bräuchten für die Einreise nach Deutschland eine sog. Aussteigekarte. Dazu einen Link auf die Seite des Bundesministeriums, wo man sich das Formular als PDF runterladen, ausdrucken und ausfüllen sollte. Online ausfüllen, wie das bei der Einreise nach Spanien ging, konnte man das nicht. Wir sind, dachte ich, halt ein digitales Entwicklungsland. Aber wie sollten wir das Formular ausdrucken, wir haben ja keinen Drucker in den Bergen, nur Handy. Ach, dachte ich, auf dem Flughafen werden sie uns bestimmt so ein Formular geben können. Konnten sie aber nicht, im Gegenteil, sie behaupteten, man bräuchte für die Einreise nach Deutschland kein Formular. Nun gut.

Im Flugzeug wurde dann aber von einer Flugbegleiterin doch gefragt, ob es jemand gäbe, der sich noch nicht das Formular ausgeruckt hätte. Etwa 90% der Mitreisenden hatten kein Formular. Ist auch nicht sooo verwunderlich, denn die Spanier und auch einige Marokkaner an Bord haben wahrscheinlich die englische Mitteilung von Ryanair nicht verstanden, das was das Bundesministerium auf Deutsch schreibt, sowieso nicht. Also mühten wir uns alle bei leicht wackligem Flug, die Druckbuchstaben leserlich in die kleinen Kästchen zu kriegen. Viele mussten sich auch von den Flugbegleitern helfen lassen, weil sie das alles nicht verstanden haben. Dabei musste man eigentlich nur Name und Adresse in Deutschland angeben, außerdem eine Telefonnummer. Die Blätter wurden eingesammelt, die Flugbegleiterin hatte einen großen Stapel davon in der Hand, offensichtlich die „Ernte“ nicht nur dieses Fluges, sondern des ganzen Tages.

In Köln/Bonn dann mussten wir uns ja testen lassen. Das wussten wir aus den Nachrichten. Wer es nicht wusste oder so tat, als wüsste er es nicht, der ließ sich halt nicht testen. Es gab – ganz anders als in Madrid, wo sie ja niemand ohne QR-Code ins Terminal gelassen haben – keinerlei Kontrollen, nicht einmal einen Hinweis auf eine Testpflicht, kein Merkblatt oder so. Drum fuhren die meisten ohne Test nach Hause. Da haben sie, stand irgendwo auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums, die Pflicht, sich beim zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Aber: Wer das nicht wusste, der hat das guten Gewissens nicht getan, es gab ja vor Ort keinerlei Hinweis. Auch nicht für die, die wie wir bis ans hinterste Ende des Flughafens gelatscht sind, um sich in den dort aufgestellten Containern testen zu lassen.

Dort musste man sich erst mal registrieren, was, oh Wunder, diesmal mit QR-Code ging oder mit der Krankenkassenkarte. Wer so was nicht hatte, hielt den Betrieb auf – das waren aber wenige, denn zum Test gingen sowieso nur so brave Deutsche wie wir. Der Test war schnell vorbei, bis das Ergebnis vorliegt, hieß es, müssen sie in häuslicher Quarantäne bleiben. Das Testergebnis bekommt man in allenfalls 48 Stunden. Prima, dachte ich, das wird eine kurze Quarantäne. Allerdings, das mit den 48 Stunden geht nur bei Leuten, die die Corona-Warn-App haben, die auf meinem mit 5 Jahren „uralten“ iPhone nicht funktioniert. Dann müssen Sie halt auf einen Brief vom Labor warten, hieß es.

Jetzt sitze ich also daheim in Quarantäne. Die Gattin darf schon raus, die hat ein neueres Handy und da hat die App schon nach 24 Stunden grünes Licht gegeben. Aber tatsächlich ist das mit der Quarantänepflicht eher ein Witz: Niemand weiß, dass ich in einem Risikogebiet war. Die Airline gibt die Daten nicht weiter. Dass diese „Aussteigekarte“ genannten Zettel, alle in mehr oder weniger krakeliger Handschrift ausgefüllt, von irgendwelchen Schreibkräften abgetippt (die sind mit Sicherheit nicht maschinenlesbar) und an ein zentrales System weitergegeben werden, von dem aus dann die örtlichen Gesundheitsämter informiert werden, kann ich mir nicht vorstellen. Und selbst wenn, dürften dort gar nicht die personalen Kapazitäten vorhanden sein, um auch nur Stichproben zu machen.

Noch ein Bild aus dem schönen Asturien, diesmal vom Senda Costera, dem Küstenwanderweg:

Telefonzeiten

Das waren noch Zeiten, als so ein Telefon neben meinem Bett stand. Hat mich immer geärgert, das dumme Ding, das öfters klingelte, aber nie für mich, denn in meiner Klasse im Gymnasium hatte außer uns nur einer Telefon, der Sohn des evangelischen Pfarrers. In meinem Zimmer stand das Telefon, weil dort vorher das Elternschlafzimmer gewesen ist und weil es damals gar nicht so einfach war, den Telefonanschluss verlegen zu lassen oder gar einen zweiten Anschluss legen zu lassen.

Wenn das Telefon mal wieder klingelte, so habe ich heute noch gut im Ohr, sprach meine Mutter oft genug empört. „Wer ruft denn zu dieser Zeit an!“

Für sie gab es nämlich Zeiten, in denen man anrufen durfte, und Zeiten, in denen sich ein Anruf nicht gehörte. Vor 9 Uhr morgens durfte man nicht anrufen. Man weiß ja nicht, wie lange der Angerufene schläft und beim Frühstück stört man auch nicht.

Von 9 bis 11 dauerte das Vormittags-Zeitfenster. Ab 11 nämlich könnte man beim Kochen stören, danach beim Mittagessen. Die Zeit danach kam selbstverständlich überhaupt nicht in Frage, denn schließlich hat jeder das Recht auf eine ruhige Mittagspause. Bis etwa um 15 Uhr, mindestens.
Das Zeitfenster nachmittags schloss sich um 18 Uhr, denn weder bei den Vorbereitungen zum Abendessen noch beim Abendessen darf man stören. Die Zeit der Nachrichten im Radio („Zwischen Rhein und Weser“ von 19 – 20 Uhr) oder dann im Fernsehen war auch tabu. Im Grunde der ganze Rest des Tages. Nur in dringenden Fällen durfte man nach 20 Uhr anrufen, denn woher wollte man wissen, ob der Anzurufende nicht in ein Buch vertieft war, in einen Film oder sich mit einem Gläschen Rotwein den Feierabend vergnügte?

Heute müsste man auch WhatsApp-Zeiten festlegen ….