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Alles, was sonst nirgends hin passt

Fernsehen (3)

90er

Nach 16 fernsehlosen Jahren zog 1990 eine neue Mitbewohnerin in unsere damalige Patchwork-Familien-Hausgemeinschaft und brachte ein Fernsehgerät mit. Ein dickes, hässliches Ding, aber, so sprach sie, das Ding sei unverzichtbar.

So wurde wieder geglotzt. Damals kam gerade RTL ins Spiel, unvergessen Spielshows wie „Tutti Frutti „und „Alles nicht oder!?“ – beide dadurch ausgezeichnet, dass weder Moderatoren noch Zuschauer je die Regeln des Spiels begriffen haben, aber darum ging es auch nicht.

Dazu die amerikanischen und sonstigen Krimiserien. Nichts für mich, der ich ein sensibles Seelchen bin und dergleichen nicht gewöhnt war. Seit dem lasse ich mir nicht ausreden, dass zu den negativen Folgen des Konsums von Unterhaltung dieser Art (auch im Kino) eine gewisse Abstumpfung, eine Gleichgültigkeit gegenüber Rohheiten aller Art gehört.

Die damals 10jährige Tochter, bis dahin fernsehlos aufgewachsen, fing an, „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“ zu sehen, und zwar mit der ihr eigenen Ausdauer und Konsequenz. Ich schaute, wenn ich nachmittags frei hatte, nach dem Mittagessen n-tv mit der „Telebörse“ und nickte dabei regelmäßig ein.

Die Mitbewohnerin zog wieder aus, ihr Fernseher auch, aber Töchterlein musste doch weiter GZSZ sehen, also wurde ein Apparat angeschafft. Und das ARTE-Magazin abonniert, um zu zeigen, dass man nur anspruchsvolle Sendungen zu sehen gedachte.

So blieb es bis zum Umzug ins neue Haus, wo zwar eine Satellitenschüssel auf dem Dach war und in fast jedem Raum eine TV-Steckdose, aber – oh Schreck! – nichts funktionierte. Mit viel Mühe habe ich dann den Kabelsalat so weit sortiert, dass wenigstens die Anschlüsse im Dachgeschoss funktioniert haben. Bald zogen ins Dachgeschoss aber Tochter nebst Ehemann und Baby und wir saßen abends vor dem Computer oder Musik hörend auf dem Sofa.

Tochter und Co. zogen wieder aus, aber der Fernsehapparat verstaubte. Statt dessen sehen wir uns Filme etc. bei Bedarf auf dem iPad an, gestreamt von Amazon oder aus Mediatheken.

Jetzt haben wir die Satellitenschüssel abbauen lassen, weil sie ja das Dach nicht gerade verziert hat, und den Fernsehapparat verschenkt. Mal sehen, was heute in der Mediathek zu finden ist ….

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Fernsehen (1)

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Ein DDR-Modell von 1956 – so sah der Apparat in der „Erftbastei“ auch aus

Am 30. Juni 1956 habe ich zum ersten Mal vor einem Fernsehapparat gesessen. Das weiß ich so genau, weil an dem Tag meine älteste Schwester geheiratet hat und die ganze Familie sich in Euskirchen in der „Erftbastei“ zum fröhlichen Hochzeitsfeiern getroffen hat. Ein schöner Bau, reines Bauhaus, war diese Erftbastei, die später abgerissen worden ist, schön gelegen im Grünen in der Nähe des Turnierplatzes, zu dem mein Vater ein paar Mal mit mir gefahren ist, um Reitturnieren zuzusehen. Meine Eltern hatten sich in Unkosten gestürzt, damals mussten die Eltern der Braut ja für die Kosten aufkommen, und mein Vater wird schon hochgerechnet haben, was ihn die Hochzeitsfeiern seiner 4 Töchter noch kosten würden.

Hat mich aber alles nicht die Bohne interessiert damals. Ich war 4 Jahre alt und fand die ganze Angelegenheit wahrscheinlich fürchterlich langweilig, zumal ich der einzige Junge in dem Alter war. Aber – und daran erinnere ich mich genau – in einer Nische des Raums, in dem getafelt wurde, stand dieser große Apparat. Aus der Perspektive des Vierjährigen gesehen ein riesiges Ding mit einem kleinen, blaugrau flimmernden Bildschirm, auf dem eine Sendung über Fische lief. Normalerweise fing das Fernsehprogramm ja erst um 19:30 Uhr an, aber am Sonntag schon um 12:00 Uhr mit dem „Internationalen Frühschoppen“.

Das flimmernde Ding hat mich fasziniert, einen Fernsehapparat hatte ich noch nie gesehen. Wir hatten wie alle ein Radio damals, das abends angeschaltet wurde, damit die Eltern nach dem Abendessen „Zwischen Rhein und Weser“ hören konnten. Solange mussten die Kinder schön still sein, und wenn die Sendung vorbei war, ging es auch schon ins Bett.

Bald hatten die Eltern von Freunden einen Fernsehapparat. Und wenn ich dort zu Besuch war, schauten wir gemeinsam die Kinderstunde oder das Intermezzo. Kam ich dann nach Hause, meinte meine Mutter: „Der Junge ist ja ganz raderdoll im Kopf“, womit sie wahrscheinlich recht hatte.

Ein Fernseher jedenfalls, das stand fest, kommt uns nicht ins Haus, das ist nichts für uns. Tante und Onkel in Berlin, die in einem feinen Haus am Grunewald wohnten und sonntags mit ihren Kindern Klavierquintette spielten, hatten so was auch nicht. Basta.

Später allerdings kam die Nachricht, die Verwandtschaft in Berlin hätte sich einen Fernsehapparat angeschafft. Aber: Das Ding stand im Schlafzimmer der Eltern und wurde erst angeschaltet, wenn die 5 Kinder im Bett waren. Das fanden meine Eltern dann doch etwas affig, aber wir hörten weiter Radio. Erst als alle ringsum einen Apparat hatten, kauften meine Eltern sozusagen als Nachzügler auch einen.

Wann das war, weiß ich auch noch ziemlich genau. Denn als die Nachricht vom Tode meiner Großmutter kam, am 20. Oktober 1960, saß ich im Wohnzimmer und schaute fern: Autotest, der neue VW 1600. Komisch, dass man sich an so etwas erinnert.  –

Dunkel war’s

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„Dunkel war’s, der Mond schien helle, als ein Hund in Blitzesschnelle langsam um die Ecke schlich…“ – alter Kinderreim. Nonsens, klar, aber dunkel ist es wirklich draußen. Kein Mond, kein blitzschneller Hund, sondern Regen, Wolken, der Hund schleicht langsam hinter mir her.

Weihnachten liegt hinter uns. Weihnachten: Das Licht kommt in die Welt, die Dunkelheit ist besiegt. Von wegen. Na ja, das war ja auch mehr spirituell gemeint, das mit dem Licht. Klar, aber so ein wenig physikalisches Licht könnte es doch schon sein, oder? So eine Art physischer Abglanz des metaphysischen Lichtes. Aber davon ist nichts zu sehen in diesen Tagen.

Wenn ich nicht den Tabellen der Astronomen vertraue, die behaupten, die Tage seien Mitte Januar schon 5 oder 6 Minuten länger als am 24. Dezember, sondern statt dessen meinen Sinnen vertraue, würde ich sagen: Nach Weihnachten ist es dunkler geworden.

Dunkler und nass. Von so etwas wie einer Vorfrühlingswärme ist auch nichts zu spüren. Sage ich, wenn ich mit meinem dicken Wintermantel, Handschuhen und ins Gesicht gezogenen Kapuze vor dem Hund hergehe, der auch möglichst schnell wieder hinter den Ofen will. Saukalt draußen, sage ich. Ein milder Tag, sagt das Thermometer, mit 7 Grad für die Jahreszeit deutlich zu warm, erzählt die Wettertante im Radio. Ob die auch einen Hund hat, den sie mit Hilfe der Leine gegen Wind und Regen ziehen muss? Aber wahrscheinlich sitzen solche Leute in irgendeinem Büro bei 24 Grad, fahren nach Dienstschluss mit dem Aufzug in die Tiefgarage, um sich dann daheim mit der Katze aufs Sofa zu setzen.

Hat doch etwas Anheimelndes, die Dunkelheit, erzählen schlaue Psychologen, du musst nur dein Denken ändern und dir vorstellen, die Geborgenheit in einer warmen dunklen Höhle zu genießen. Na prima, die haben bestimmt eine Katze und einen Lieferdienst, der alles in die Höhle bringt.

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