Archiv der Kategorie: Außerdem

Alles, was sonst nirgends hin passt

Grillen zirpen (Update)

Wir saßen wieder auf der Terrasse und guckten den Tomaten beim Wachsen zu. Gegen die frühherbstliche (?) Abendkälte halfen Decken, aus dem kleinen Bluetooth-Lautsprecher tönten tibetische Klangschalen – Entspannungsmusik, die ihr Soll durchaus übererfüllte, denn ich kämpfte vor lauter Entspannung mit zufallenden Augen.

Die tibetischen Klangschalen wurden umrahmt von Gezirpe. Grillen! Ich drückte kurz auf die Stopp-Taste, die Klangschalen klangen nicht mehr, aber die Grillen zirpten. Wie das?

Waren das andere Grillen als letztens? Eine neue, lautstärkere Grillen-Generation? Oder gibt es bei Ohren eine Art Tagesform? Egal, die Grillen sind wieder da!

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Noch mehr Upcycling

Ok, das Bild ist mir nicht gelungen, das frische Holzöl spiegelt einfach zu sehr. Mit der Staffelei bin ich aber recht zufrieden, wieder einmal eine Übung in Re/Upcycling:
Die drei langen Stützen sind aus Meranti-Holz. Der Holzhändler hat sie mir 1990 als Bretter für Balkongeländer verkauft, ich habe aber ein Bett daraus gebaut, das bis vor zwei Jahren im Einsatz war, bevor es in Einzelteile zerlegt in den Keller wanderte.
Bei den Querleisten handelt es sich um schichtverleimtes Buchenholz, Reststücke von einem uralten Lattenrost von IKEA. Das (unsichtbare) Scharnier oben besteht aus einem versenkten 5mm dicken Eisenstab, der noch im Keller rumlag, dazu zwei Ringösen und ein Stück Schnur aus der Kiste mit den Segelsachen, fertig.

Sollte im September beim Kunstmarkt zum Einsatz kommen. Aber, oh Schreck, die Bilderrahmen sind 2 mm zu dick. Oder: Messen ist besser als schätzen. Drum wird das Ding als Plakatständer dienen …

Schmeils Tabellen zum Bestimmen von Pflanzen

Wie mag die Pflanze heißen? Früher benutzte man ein Büchlein, das inzwischen in der 124. Auflage erschienen ist: Die Tabellen zum Bestimmen von Pflanzen von Otto Schmeil.

Stand auch mal in meinem Bücherschrank, Abteilung Schulbücher. Denn kaum war ich stolzer Sextaner auf dem Gymnasium, meinte der Biologielehrer, alle müssten dieses Buch kaufen. Meine Mutter schimpfte, denn Schmeils Tabellen hatten nicht auf der sowieso langen Liste der Bücher gestanden, die jeder Sextaner zum Beginn seiner Laufbahn als Gymnasiast anzuschaffen hatte, bezahlt selbstverständlich von den Eltern, so etwas wie Lehrmittelfreiheit gab es noch nicht.

Meine Mutter sollte Recht behalten, das Büchlein lag herum. Der Biologielehrer, ein kleiner dicker Mann, den die ganze Schule „Bienchen“ nannte, glaubte offenbar, solch ein Buch gehöre einfach in jeden gebildeten Haushalt, aber im Unterricht benutzten wir das Biologiebuch. Bald fiel Biologie wegen Lehrermangel aus, in der Mittelstufe ging es nur um Tiere, endlich kam in der 10. Klasse der Mensch dran. In der Oberstufe habe ich Biologie abgewählt. Kurzum: Das Büchlein lag herum, sehr guter Erhaltungszustand, weil unbenutzt.

Irgendwann habe ich mal versucht, anhand der Tabellen eine Pflanze zu bestimmen, habe aber bald aufgegeben, da man ohne solide Kenntnisse nicht weiterkommt: Ist das Köpfchen „knäuelig“ oder „trugdoldig gehäuft“? Ja wer das wüsste ….

Heute braucht man keinerlei Kenntnisse, um stolz verkünden zu können, bei der Pflanze auf dem Bild oben handele es sich um Helleborus viridis, den grünen Nieswurz, eine sehr giftige Pflanze, ein seltsames Gewächs, das im zeitigen Frühjahr blüht und das offenbar giftig ist, denn selbst die Ziegen lassen es links liegen. Man braucht keine Kenntnisse, sondern nur eine App namens“Pl@ntNet“ – Pflanze mit dem Smartphone fotografieren, hochladen, schon kennt man den Namen. Für den, der mehr wissen will, stellt die App einen Link zu Wikipedia zur Verfügung.

Bei meinen Versuchen hat das fast immer geklappt, scheint mir. Scheint mir, denn streng genommen weiß ich ja gar nicht, ob das stimmt, was die App da ausspuckt, manchmal sind die Unterschiede zwischen den Pflanzen ja so gering, dass ein Foto zur Bestimmung nicht reicht.

Was wohl „Bienchen“ dazu gesagt hätte? Macht eine solche App nicht jede Menge Mühe und Spezialkenntnisse überflüssig? Der Niedergang der Pflanzenkunde? So wie ein Taschenrechner nicht nur den Rechenschieber (jüngere wissen gar nicht mehr, was das ist, aber auch die Anschaffung eines Rechenschiebers stand auf der Liste der für das Gymnasium anzuschaffenden Gegenstände), sondern auch Logarithmentafeln einfach überflüssig gemacht hat ….?