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Alles, was sonst nirgends hin passt

Wenn ich unseren Steinfußboden, der den einen oder anderen Riss hat, ansehe, muss ich oft eine eine Szene denken, die jetzt schon etwa 20 Jahre her ist:

Als mein Elternhaus ausgeräumt und verkauft wurde, hatte ich einen kleinen gusseisernen Ofen vergessen, den „Kanonenofen“, wie mein Vater ihn nannte. Kein gutes Stück, nicht toll erhalten, sondern verstaubt und verrostet, aber unverwüstlich. Der Ofen stand im Heizungkeller und war seit Jahren nicht mehr in Gebrauch. Hätte es nicht 1973 die Ölkrise gegeben, wäre er längst entsorgt worden, aber mein Vater meinte, man könne nie wissen und im Falle eines Falles könne man ja den „Kanonenofen“ reaktivieren.

Ich besuchte deshalb die neue Besitzerin, die mich freundlich zum Kaffee einlud, der auf einem für den kleinen Raum viel zu großen, massiven Couchtisch serviert wurde. Kein schlechtes Stück, aber er hatte einen großen Riss in der Tischplatte. Um etwas Konversation zu machen erklärte ich der Dame, wie man den hässlichen Riss mit einer Mischung aus Epoxid-Harz und Sägemehl fast unsichtbar machen könne. Zu meiner Überraschung lehnte sie das entschieden ab: „Der Tisch stammt noch aus unserem Haus, der kann so bleiben, wie er ist.“ –

„Unser Haus“, das muss man wissen, ist Adels-Jargon für „unser Stammsitz“ oder „unser Schloss“. Die Dame war nämlich eine geborene Gräfin Soundso, verheiratete Freifrau von Soundso-Bindestrich-Soundso. Sie hatte das so gar nicht standesgemäße kleine 50er-Jahre-Haus meiner Eltern nur gekauft, weil sie in der Nähe ihrer Tochter und der Enkelkinder leben wollte, die nebenan in einem auch gar nicht standesgemäßen Haus wohnten, wo im ausgebauten Souterrain Platz für die immerhin 6 Töchter war.

Die Entschiedenheit jedenfalls, mit der die alte Dame auf einem Tisch bestand, den andere auf den Sperrmüll gestellt hätten, die Souveränität, mit der sie das Alte alt sein ließ, ohne die Alterungsspuren irgendwie zu kaschieren – das hat mir imponiert.

Seitdem überlege ich manchmal, wie echt eigentlich die heutzutage allgegenwärtige Begeisterung für das Nostalgische, für das Alte ist. Irgendwie alt soll es aussehen, aber gleichzeitig wie neu. Wird nicht oft das wirklich Alte genauso abgelehnt wie das wirklich Neue? Ist nicht das, was der Nostalgie-Mode gefällt, nur selten wirklich alt, also Nostalgie-Kitsch?

Den „Kanonenofen“ hat Freifrau von Soundso-Bindestrich-Soundso übrigens nicht rausgerückt.

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Was ich von Vater und Mutter gelernt habe

Meine Eltern auf einer Reise in die Kaschubei ca. 1980

Von meiner Mutter habe ich gelernt:

  • Porzellan muss weiß sein. Wenn nicht, dann selbst handgemalt oder Meissner Porzellan
  • nur handgeknüpfte Orient-Teppiche sind echte Teppiche
  • Bettwäsche muss weiß sein
  • Unterwäsche muss auch weiß sein
  • ein richtiger Mann trägt keine kurzen Hosen. Nie
  • Möbel müssen aus hellem Holz sein. Es sei denn, es handelt sich um Erbstücke
  • Man hängt keine Drucke an die Wand, entweder echte Bilder oder gar nichts
  • Nichts gegen Markenkleidung, aber die Marke muss unsichtbar bleiben. Man will schließlich keine Reklame machen

Was ich von meinem Vater gelernt habe:

  • bei diesen und ähnlichen Fragen ist es am besten, die Entscheidung seiner Frau zu überlassen: „Wie du möchtest, Liebling…“

Wasser sparen

Derzeit ist das Thema ja nicht so aktuell, aber wenn die Dieselabgase niemand mehr interessieren, kommt bestimmt auch mal wieder das Thema „Wasser“ aufs Tapet.

Wie so was aussehen kann, habe ich gerade erlebt. Denn unser Feriendomizil ist nicht ans Wassernetz angeschlossen. Kein Trinkwasser aus der Leitung, kein Abwasserkanal. Nun, es geht auch ohne, und zwar so:

Das wichtigste ist, dass man verschiedene Wasserarten für verschiedene Zwecke einsetzt.

(1) Trinkwasser

Trinkwasser wird in 5-Liter-Flaschen im Supermarkt gekauft, die Flasche kostet um die 70 Cent, das ist nicht teuer. Dann wird mit dem Trinkwasser möglichst sparsam umgegangen, d.h., es wird nur zum tatsächlichen Trinken benutzt, morgens und abends ein halbes Glas zum Zähneputzen, für Kaffee und Tee.

(2) Leitungswasser

Im Dorf ist eine öffentliche Wasserzapfstelle, da kann man sich 5 – 10 Flaschen zu je 5 Liter abfüllen. Dieses Wasser ist sauber, aber, wie oft in südlichen Ländern, nicht so unbedingt geschmacksneutral. Mit diesem Wasser kann man Gemüse waschen und kochen, empfindliche Personen benutzen es auch, um sich zu waschen. Wer meint, er müsste sich täglich damit die Haare waschen, der muss allerdings recht viele Kanister schleppen. Faulheit hilft beim Wassersparen enorm.

(3) Regenwasser

Wird in der 500-Liter-Tonne, die auf dem Bild oben zu sehen ist, aufgefangen. Es gibt noch eine kleinere Tonne. Wenn man in der Küche oder im Bad den Wasserhahn aufdreht, dann kommt dieses Regenwasser heraus. Damit kann man putzen, sich waschen, Geschirr spülen etc. – die 800 Liter reichen bei zwei Personen für 10 Tage, dann muss es wieder regnen oder man muss zum Nachbarn gehen und Wasser aus der Viehtränke schöpfen, Quellwasser, aber die Tränke ist natürlich nicht so besonders sauber. Dieses Wasser kann man auch gut zur Toilettenspülung benutzen. Die Toilettenspülung ist nicht so komfortabel wie gewohnt, es gibt keine Wasserleitung zur Toilette, man muss Wasser in den 5-Liter-Flaschen hochtragen. Abwässer landen in einer Sickergrube auf der Wiese.

So geht es, das Wassersparen, so sieht es aus, das postindustrielle und komfortreduzierte Leben. Daheim merkt man dann, wie sehr man sich an die in Deutschland übliche alltägliche Verschwendung von Trinkwasser bester Qualität gewöhnt hat – und wie fein das ist, wenn immer prima Wasser aus der Leitung kommt.