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Alles, was sonst nirgends hin passt

Ressourcenschonung ganz praktisch

In der Küche der Ferienhütte fehlt Arbeitsfläche. Sagt der Schwiegersohn und einem kochenden Schwiegersohn soll man nicht widersprechen. Ein Tischlein muss also her, 60 x 90 cm groß und so hoch wie der alte Küchentisch.
Bei Ikea kaufen? 2 x 85 km Autofahrt.
Lokale kleine Möbelläden abklappern? Mindestens 50 km Autofahrt – und ob es da was Passendes gibt?
Also Eigenbau: Kein Benzinverbrauch, keine Pressspanplatten, kein Kunststoff, sondern massives Holz.

Selbstverständlich wird für das Tischlein kein Baum geopfert. Nur zwei Weiden abgesägt, die im Winter unter der Schneelast zusammengebrochen sind. Abgesägt und passend gemacht mit Axt und Bügelsäge, wer wird denn an eine Benzin-Kettensäge denken, wo es um Schonung der Ressourcen geht?

Für die Tischplatte findet sich was Passendes im Schuppen. Leimholz Kiefer. Versehen mit 4 Metallbeinen hat die Platte lange als Kindertisch gedient. Und vorher? Niemand erinnert sich, woher die Platte ursprünglich stammt. Sperrmüll?

Bei den Brettern hingegen, die unter der Platte die Beine verbinden, ist die Herkunft klar. 1978 hat sie ein Freund als Dielenbretter in seinem Neubau verlegt. 1995 hat ihm das mit den Holzdielen nicht mehr gefallen, ich habe einen Haufen davon verfeuert. Aber nicht alles: Ein paar Quadratmeter wurden wieder Fußboden, nämlich in dem uralten Wohnwagen, den wir 1999 angeschafft haben. Als 2006 die Ferienhütte fertig war, wurde der Wohnwagen in Einzelteile zerlegt, die Bodenbretter wanderten in den Schuppen, wurden für dieses und jenes gebraucht.

Die Schrauben für das Tischlein stammen übrigens auch aus besagtem Wohnwagen. Nur Nägel und 4 Winkel wurden neu angeschafft. Gut, das hätte man auch anders hintricksen können, aber irgendwann siegt dann doch die Faulheit. Ohne elektrische Säge, Bohrmaschine, Akkuschrauber und Schleifmaschine was sowieso mehr Fleiß als üblich gefragt.

Unbedeutende Dorfkirche

Sie steht unter Denkmalschutz, immerhin, die Dorfkirche, deren Turm ich sehe, wenn ich aus dem Fenster schaue. Aber sonst wird sie wohl kein Reiseführer erwähnen, kein Tourist wegen dieser Kirche einen Umweg machen.

Neugotik, da rümpft jeder, der sich ein wenig in der Kunstgeschichte auskennt, die Nase. Nicht einmal von einem bedeutenden Architekten erbaut, sondern von Fritz Statz, der aus einer Architektenfamilie stammte und zahlreiche Kirchen im Rheinland gebaut hat. Alle im gleichen Stil. Ein paar dieser Kirchen sind schon abgerissen worden, nächsten Monat ist die nächste dran, oft stehen seine Werke nicht mal unter Denkmalschutz. Neugotik eben.

Ja wenn die Dörfler nicht 1880 ihre alte Kirche abgerissen hätten, sondern den alten, gotischen Bau stehen gelassen hätten, dann würde die Kirche sicherlich von Baedeker und Co. erwähnt. Aber so? Nicht einmal die Innenausstattung ist irgendwie reiseführerwürdig, ein Sammelsurium von allem Möglichen, oft aus anderen Kirchen übernommen, sozusagen vom Kirchenflohmarkt.

Aber hat, Neugotik hin oder her, das Gebäude nicht eine hohe ästhetische Qualität? Warum hat nur einen Wert, einen Besichtigungswert, was alt und original ist? Wenn Reisebusse hier halten würden und die Reiseleiter den hinter ihnen her trottenden Schäfchen erzählen würden, sie befänden sich in einem herausragenden Beispiel rheinischer Hochgotik, würden nicht alle brav mit dem Kopf nicken und die Kirche aus allen möglichen Blickwinkeln fotografieren?