Archiv der Kategorie: Außerdem

Alles, was sonst nirgends hin passt

Termine, Termine!

Das gibt es doch gar nicht: Unser Terminplaner enthält für die kommende Woche nichts. Kein Arztbesuch, kein Enkelkindabholen, kein Rückentraining, kein Taizé-Singen, kein Mitgliedertreffen, kein Orgelkonzert, keine Ausstellungseröffnung, kein Yoga, keine Buchvorstellung – alles abgesagt. Noch nie war im Garten Anfang April so wenig Unkraut zu finden, noch nie hatte ich die Steuererklärung so früh fertig.

Und an alle: Bleibt gesund!

Tagebuch

Ein traditionelle Tagebuch – wie dieses sorgfältig gebundene Buch der Firma Vera Donna – hat ein Schloss. Soll ja auch nur für einen selbst oder für eine kleine, ausgewählte Leserschaft sein.

Ein Blog wie dieser ist auch so eine Art Tagebuch, aber eben nur so eine Art: Es fehlt das Schloss, mein Blog ist öffentlich, theoretisch kann die ganze Welt lesen, was ich so schreibe. Theoretisch, tatsächlich ist die Zahl der Leser, wie ich in der Statistik sehen kann, doch recht bescheiden.

Und trotzdem: Drei Erlebnisse in der letzten Zeit haben mir gezeigt, dass ich das mit dem „öffentlich“ ernster nehmen muss. Zwei davon will ich kurz schildern:

Ich bekam eine Postkarte (also so ein Ding aus Papier) von einem uralten Bekannten, der seit 1972 für mich völlig verschollen war. Er war auf meinen Blog gestoßen. Ich antwortete ihm freundlich, wir trafen uns irgendwo zum Essen, plauderten über dies und das, bis er mir recht deutlich klar machte, dass er mit einer Geschichte von mir nicht einverstanden sei. Er hatte sich eines meiner Bücher bestellt und sich in einer Geschichte wiedergefunden. Konnte ich nicht abstreiten, das Vorbild für die Figur XY war er, er war der Bösewicht. Dass ich diese uralte Sache aufgenommen hatte, hat ihn gar nicht so gestört. Gestört hat ihn mein Beiwerk, dass ich die Figur etwas umgestaltet und fortgesponnen hatte. Damit hatte ich offenbar völlig ahnungslos einen wunden Punkt getroffen…

Der zweite Fall war schon schwieriger, er bezieht sich auch nicht auf diesen Blog, sondern auf Twitter. Ich schreibe fast nie etwas auf Twitter, lese nur und kommentiere nicht, habe deswegen auch nur 3 Follower, bin also so ungefähr das kleinste Licht in der Twitter-Welt. Um so überraschter war ich, als ein Herr anrief und sich mit „Staatsschutz soundso“ meldete. Staatsschutz, gibt es das überhaupt? Die heißen doch BND oder MAD … ich wollte schon wieder auflegen. Aber der Anrufer war wirklich vom Staatsschutz, Abteilung soundso, im Display war auch die Nummer zu sehen. Ob ich der Martin Haeusler sei, der auf Twitter diesen Kommentar geschrieben hat. Er las den Kommentar vor. Klar, der war von mir, einer von den ganz wenigen Kommentaren, die ich geschrieben habe. Nichts Verfassungsfeindliches, ich bin schließlich ein ganz braver Bürger, nein, der Herr vom Staatsschutz suchte Zeugen. Konnte ich nicht mit dienen und der Fall war für ihn erledigt.

Für mich war der Fall allerdings nicht erledigt. Ich habe als erstes meinen Twitter-Account gelöscht und einen neuen unter einem Fantasienamen angelegt….

Fotos auf seltsamen Wegen

Im vorletzten Beitrag hatte ich erwähnt, dass ich zu meiner Überraschung über eines meiner Fotos gestolpert bin, und zwar bei Wikimedia Commons – siehe den obigen Screenshot. Was hat es damit auf sich?

Nun, die Quelle, aus der Wikimedia dieses Foto hat, ist klar: Panoramio. Panoramio, wem das nichts sagt, war ein Dienst von Google, ein Forum, auf das man Bilder hochladen konnte, die dann, wenn sie bestimmten Kriterien genügten, in Google Earth oder Google Maps übernommen wurden. Dort konnte sie jeder anklicken und ich habe mich immer mächtig gefreut, wenn manche Bilder 1000, 3000 oder gar über 10.000mal angeklickt worden sind.

2016 hat Google diesen Dienst eingestellt, vorher öfters gewarnt, man solle seine Fotos sichern; dazu wurde auch eine Option angeboten, an die ich mich nicht mehr so genau erinnere, die aber darauf hinauslief, dass Google diese Sicherung irgendwie selbst übernimmt. Das habe ich angekreuzt.

Ich habe dann nichts mehr davon gehört und hatte mich schon damit abgefunden, dass die Bilder (etwa 120) verloren sind, denn längst nicht von allen hatte ich eine Sicherungskopie. Zu meinen Überraschung tauchten dann die meisten (oder alle?) Bilder wieder in meinem Google-Account auf, irgendwo versteckt in einem Archiv. So weit so gut.

Aber wie kommt das Bild dann zur Wikipedia, dort mit meinem Namen versehen und mit dem Vermerk, es sei ohne Urheberrechte für alle möglichen Zwecke frei verfügbar?

Nun, jetzt muss ich zugeben, dass ich das Kleingedruckte bei Panoramio nie gelesen habe. Kann sein, dass ich auf alle Rechte verzichtet habe. Macht ja auch nichts, ich muss mich ja zum Glück nicht vom Verkauf meiner Urlaubsfotos ernähren. Als die Bilder noch bei Google Earth waren, hat mich übrigens zweimal irgendeine Werbeagentur angemailt, ob sie ein Bild verwenden dürften.

Eine kostenlose kleine Unterstützung für Wikipedia – habe ich gar nichts gegen. Es geht aber noch weiter. Wenn ich unter meinem Namen über die Google-Bildersuche nach Fotos von mir suche, kommt nicht viel, ganz einfach, weil es einen sehr rührigen Profi-Fotografen gleichen Namens gibt und einen Journalisten und Autor. Zuerst bin ich deswegen nur auf das Bild von Bustaselvin gestoßen, freilich diesmal auf einer anderen Website:

Nun gut, könnte man denken, die haben es halt von Wikimedia Commons und da steht es ja als gemeinfrei. Dem ist aber nicht so: Die Seite hat das Bild durch eine automatisierte Suche (Bot) in einem Webarchiv gefunden, wo die alten Panoramio-Bilder gespiegelt waren, inclusive meiner recht exakten Positionsangaben, aber nur unter meinem Screen-Name. Die Seite heißt mapio.net – eine Immobilienseite.

Und wer ein Bild aus dem Archiv gefischt hat, der fischt auch noch mehr:

Wieder ein älteres Bild von mir aus Asturien, ursprünglich auf Google Maps zu finden, nicht aber in Wikimedia Commons. Ich mache noch eine Probe: Ob mapio auch meine Bilder aus Polen geangelt hat? Haben sie. Auch alle meine Bilder aus einem kleinen polnischen Dorf sind auf der Immobilien-Seite gelandet, obwohl mein Foto der Dorfstraße von Ujazd Dolny den Wert der dortigen Immobilien nicht gerade steigern dürfte, aber das Geschäftsmodell von mapio.net habe ich sowieso nicht begriffen. Vielleicht beruht es nur auf der reichlich eingeblendeten Werbung, die ich auf den Screenshots abgeschnitten habe.