Archiv der Kategorie: Bücher

Bücher, die ich gelesen habe

Ausgelesen: John Updike – Kreuzfahrt

Früher habe ich viel und gerne John Updike gelesen, nicht nur die bekannten „Hexen von Eastwick“, sondern alles, was ich in die Finger bekommen habe. Dann war es gut, bis ich im Bücherschrank der Blockhütte, in der wir die Tage um Neujahr verbracht haben, das hübsche kleine Bändchen „Kreuzfahrt“ entdeckt habe.

Und auch weil es im Blockhaus kein WLAN gab, war das Büchlein schnell ausgelesen. Er hat mich wieder begeistert, der Updike. Wie er in zwei langen Kurzgeschichten oder kurzen Novellen die Erlebnisse eines Paares auf Europareise beschreibt, ist schon toll. Nicht nur die fragile Partnerschaft, sondern auch Oberitalien und Irland. Wenn man das liest, merkt man, wie sehr andere Autoren Klischees verhaftet sind. Klischees über die bereisten Länder und Klischees über das ach so schöne Reisen überhaupt.

Und so kann es nicht wundern, dass auch bei der dritten Erzählung, die dann tatsächlich auf einer Bildungs-Kreuzfahrt auf den Spuren des Odysseus spielt, eine wiederum nur oberflächlich gelingende Partnerschaft und eine wiederum nur oberflächlich vergnügliche Reise im Mittelpunkt stehen.

Ausgelesen: Christian Kracht – Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten

Ein sperriger Roman mit einem sperrigen Titel. Eigentlich gar kein Roman, sondern eine Skizze – schnell gelesen aber nicht schnell vergessen.

Manchmal habe ich hier kritisiert, dass die zeitgenössische Literatur im Düstern schwelgt. Nun, Christian Krachts Roman ist so düster, wie ein Roman nur sein kann, verzichtet auch nicht auf psychische und physische Grausamkeiten verschiedenster Art. Und trotzdem halte ich diesen Roman für ein unbedingt lesenswertes Werk, denn die Düsternis scheint mir hier einen Sinn zu haben, der weit über gruselige Effekte für ein gelangweiltes Lesepublikum hinaus geht.

Ein Dystopie entwirft Kracht, also eine Zukunft, die alles andere als utopisch-positiv ist. Dazu dreht er das Rad der Zeit erst einmal zurück ins Jahr 1917: Lenin hat seine kommunistische Revolution nicht in Russland durchgeführt, sondern in der Schweiz. Und seitdem befindet sich dieses nunmehr kommunistische Land, das seine Macht bis nach Afrika ausdehnen konnte, im Krieg, vor allem mit dem deutschen Naziregime, das in Krachts Dystopie nicht untergegangen ist.

Im Zentrum des Romans steht ein höherer kommunistische Politoffizier, ein, wie der Leser erst recht spät erfährt, gebürtiger Afrikaner, der voll hinter den Ideen und Idealen der „Eidgenossen“ steht, aber erleben muss, dass hinter der Fassade der kommunistischen Ideale nur noch ein im Kern morsches und zynisches Regime steht.

Am Ende kehrt er nach Afrika zurück, in sein Heimatland, wo er erlebt, wie seine von den „eidgenössischen“ Kolonialherren in modernen, vorbildlich konzipierten Städten angesiedelten Mitbürger wegen des Zusammenbruchs der kolonialen Infrastruktur in Scharen diese Städte verlassen und zurück in ihre Dörfer, zurück in die Natur gehen.

Das darf man allerdings nicht missverstehen als ein Zurück-zur-Natur. Auf den Zusammenbruch der Zivilisation und ihrer technischen Errungenschaften folgt kein rousseausches Paradies, sondern nur eine andere Dystopie.

Sprachlich makellos, mit einer unglaublichen Fantasie erzählt. Der Zusammenbruch der Kultur (die Menschen können nicht mehr lesen), der Humanität und der Ideale, die, so schön sie auch daher kommen mögen, ins Gegenteil umschlagen, wenn sie mit Verbissenheit und Ausschließlichkeitsanspruch durchgesetzt werden.

G. K. Chesterton: Pater Brown Geschichten

… weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe …

Wahrscheinlich ist zumindest bei meiner Generation die Gestalt des Father Brown fest verknüpft mit dem Bild des allzeit lächelnden Herrn Rühmann. Die Original-Geschichten, wurde mir gesagt, seien deutlich besser, enthielten auch mancherlei philosophische und religiöse Betrachtungen.

Also habe ich mir die Geschichten runtergeladen (nicht bei dem Verlag oben auf dem Bild), für 1 Euro. Das war schon mal ein Fehler, denn so durfte ich erfahren, wie schlampig eBooks gemacht sein können. Offensichtlich hat jemand die Texte einfach maschinell eingescannt und dann ohne weiteres Korrekturlesen veröffentlicht. Jedenfalls ist nicht nur der Zeilenumbruch schlecht, es finden sich außerdem auch jede Menge von Fehlern, die Texterfassungsprogramme so machen: Zwei Punkte hintereinander, falsche Anführungszeichen, falsch gelesene Buchstaben. Hat mir schon mal schlechte Laune gemacht.

Die Geschichten selbst? Na ja, ganz unterhaltsam, manchmal mit einiger Sprachgewalt geschrieben. Aber Chesterton lässt dem Leser keine Chance. Sein Held ist soooo schlau, der löst jeden Fall. Der Leser, der gerne miträtselt, kann gar nicht auf die richtige Lösung des Falles kommen, da der Autor ihm die entscheidende Information regelmäßig verschweigt.

Auf jeden Fall lächelt die Hauptfigur nicht ständig wie Heinz Rühmann in der Rolle des „Father Brown“, der – ein Übersetzungsfehler, den man auch in Filmen immer öfters hört – gar kein Pater Brown, also Ordensgeistlicher ist, auch kein Vater Brown (die Anrede „Vater“ für Geistliche gibt es im Deutschen nicht), sondern ein ganz gewöhnlicher Dorfgeistlicher, also der Pfarrer Brown.