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Bücher, die ich gelesen habe

Sammlerpech

Zwei Kisten voller rororo-Taschenbücher. Will niemand haben, nicht einmal geschenkt. Auf meine eBay-Kleinanzeigen-Annonce hat sich niemand gemeldet bis auf eine Frau, die die Kisten zugeschickt haben wollte und dann das Porto nicht bezahlt hat.

Schade drum. Die Bücher habe ich in den 80ern und 90ern gesammelt. Auf jedem Trödelmarkt habe ich Ausschau gehalten nach rororo-Taschenbüchern. Aber nur nach denen mit Leinenrücken und nur die Nummern 1 – 100. Möglichst in der ersten Auflage. Bald hatte ich eine ganze Menge zusammen, die Trödelmarkthändler waren froh, wenn sie die alten Bücher loswurden. Und weil ich in der Regel den Zettel vergessen hatte, auf dem stand, welche Bücher in welcher Auflage ich schon hatte, habe ich viele doppelt und dreifach gekauft.

Dann kam das Internet und ich habe die Lust am Suchen verloren. Wenn man in ein paar Minuten bei booklooker.de oder ähnlichen Plattformen die fehlenden Bücher zusammenkaufen kann, macht das ganze keinen Spaß.

Also wanderten die Bücher, fein säuberlich nach Nummern sortiert, in die obersten Fächer meines Bücher-Wandschranks. Ab und an habe ich mal eines gelesen. Die meisten betätigten sich als Staubfänger.

Dann habe ich versucht, die doppelten bei eBay zu versteigern. Startpreis 1 Euro. Kein Gebot. Die wanderten also nach und nach alle in einen öffentlichen Bücherschrank. Den Rest, die besten, Nr. 1 – 100 fast komplett, fast nur Erstauflagen, wollte ich jetzt verschenken. Will niemand, Papier ohne Wert. Kann weg.

Bücher – ich gebe es auf …

Wieder zwei Bücher gelesen, die ich der Vollständigkeit halber hier erwähnen will:

Der Vollständigkeit halber, denn den Seethaler habe ich nicht zu Ende gelesen, weil ich nach kurzer Zeit zu dem Schluss gekommen bin, dass ich mich mit Friedhofs- und Totengeschichten nicht weiter belasten will – mag der Autor auch stilistisch sehr, sehr gut schreiben können. Mein Ausflug in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur ist damit erst einmal beendet, da gehe ich lieber wieder ins „Archiv“ und lese Klassiker.

Das Buch über Köln habe ich bis zur letzten Seite gelesen, denn der Autor hat immer wieder interessante und mir bislang unbekannte Details aus der Geschichte Kölns zu berichten. Trotzdem ärgerlich, wie Carl Dietmar mit dem Hochmut und der Verachtung des Nachgeborenen auf die Menschen herabblickt, die vor ihm die schöne Stadt am Rhein bewohnt haben. Nö, das kann ich auch nicht empfehlen, drum poste ich lieber eine Blume, die ich heute morgen im Garten fotografiert habe:

Ralf Rothmann: Milch und Kohle / Shakespeares Hühner

Wieder zwei Bücher gelesen, wieder deutsche Gegenwartsliteratur, wieder unzufrieden bis verärgert. Den folgenden Text habe ich direkt geschrieben, nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte. Vielleicht etwas zu böse und ungerecht; aber so war meine Stimmung nach der Lektüre tatsächlich:

„Milch und Kohle“ – Jugend und Familienleben im Ruhrgebiet der 60er  Jahre. Bewundernswert die Beschreibungskunst des Autors.

Beschreibungskunst ja – aber was er da beschreibt!

Zuerst habe ich mich geärgert, wie das Ruhrgebiet und die damalige Zeit beschrieben werden. Immerhin war ich damals in dem gleichen Alter wie die Hauptfigur und bin, wenn schon nicht im Ruhrgebiet, so doch mit Blick auf eine Brikettfabrik und unter dem ständigen Rieseln des Kohlestaubes aufgewachsen. 

Irgendwann ist mir dann klar geworden, dass Ralf Rothmann gar nicht das reale Ruhrgebiet beschreibt, sondern eine aus verschiedenen Versatzstücken zusammengesetzte Fantasiewelt. Eine Albtraumwelt aus Dreck, Blut, Gestank, Gewalt, Egoismus, Beziehungsunfähigkeit, Armut, Alkoholismus, Grausamkeit, Tod und Verzweiflung. Und jede der meist nur lose verknüpften Szenen, aus denen der Roman besteht, steuert unweigerlich auf eine kleinere oder größere Katastrophe zu, selbst den Vögeln in ihren Käfigen wird übel mitgespielt und die Fische aus dem Aquarium werden, man hätte es sich denken können, irgendwann ins Klo geschüttet, weil sie auch ohne Futter einfach nicht verhungern wollen. 

Kurzum, nichts für mich, mein Bedarf an Texten von Ralf Rothmann ist hiermit gedeckt.

Ich hab mich nur immer wieder gefragt, wieso Rothmann laut Wikipedia einen Literaturpreis nach dem anderen bekommen hat. Tatsächlich ist ihm fast jedes Jahr ein anderer Preis verliehen worden. Ok., die Beschreibungskunst habe ich schon erwähnt. Ich habe aber noch einen Verdacht:

Könnte es nicht so sein, dass Rothmann genau das schreibt, was die Damen und Herren Lieraturpreisverleiher hören wollen? 

Zum einen spielt sicherlich eine Rolle, dass es als ein Charakteristikum der Moderne gilt, sich dem Kaputten, dem Dunklen, der Aussichtslosigkeit zuzuwenden. Diese Zeitströmung ist nun zwar schon weit über 100 Jahre alt, aber es scheint doch fest in den Köpfen der Juroren verankert zu sein, dass moderne Literatur nur die Blumen des Bösen zu beschreiben hat, je dusterer und böser, desto besser.

Zum anderen sehe ich da auch eine gewisse Überheblichkeit: Die Literaturexperten blicken voller Verachtung auf das Ruhrgebiet herab, in dem man doch – haha, guck dir mal diese blöden zurückgebliebenen Spießer an – tatsächlich nicht weiß, dass ein Mensch von Welt die Nudeln al dente kocht und Sonntags zum Brunchen geht und nicht einen Braten aus dem heimischen Backofen zieht und Nescafé trinkt. Nescafé! Igitt! Und Asbach, die trinken doch tatsächlich Asbach Uralt statt Hine Fine Rare VSOP…..!

Da spiegelt sich die ganze Verachtung der Kulturschaffenden, die stolz darauf sind, die als kulturlos empfundene Familie und Herkunft zurückgelassen zu haben, um in der Großstadt in ihrer Wohnung am Schreibtisch zu sitzen, wobei sie ständig lamentieren, dass die Miete steigt und steigt. Und je roher, je verkorkster, je kulturloser und je schlechter sie ihre Herkunft machen, desto heller, so meinen sie, erstrahlen sie im Glanz ihrer zeitgeistkonformen – also bloß eingebildeten – Andersartigkeit.

Und, um es kurz zu machen: Die Kurzgeschichtensammlung Shakespeares Hühner ist nicht ganz so krass, aber wesentlich anders auch nicht.