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Bücher, die ich gelesen habe

Daniel Kehlmann: Mahlers Zeit

(… weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe …)

Das war das zweite und der letzte Buch von Daniel Kehlmann, das ich gelesen habe. Das dritte, das mir ein Freund geliehen hat („Ruhm“), werde ich ihm ungelesen wieder zurück geben. Ist nicht mein Fall, dieser schmale Roman, den ich an einem Tag mit Enkelkindbetreuung ausgelesen habe. Das ist ja das schöne, wenn Enkelkind zum Sport gebracht werden muss: Das Kind turnt begeistert mit den anderen Kindern und ich kann in der gut geheizten Turnhalle in Ruhe lesen.

Spannend ist dieser Roman, kein Zweifel. Die Geschichte eines genialen Physikers, der eine bahnbrechende Entdeckung macht und daran zerbricht, dass niemand seiner Theorie Glauben schenkt. Im Gegenteil, er wird deswegen verfolgt – das glaubt er jedenfalls.

Das könnte die Vorlage für einen Film sein, aber für einen Film der Art, die ich nicht mag: Es geht Schlag auf Schlag, ein erstaunliches Ereignis folgt auf das nächste, das natürlich noch erstaunlicher sein muss. Wie in dem Film „Indiana Jones und der Tempel des Todes“, um mal einen gewagten Vergleich zu ziehen.

Und immer trägt Kehlmann dick auf: Der geniale Physiker ist nicht nur genialer theoretischer Physiker, sondern auch Rechengenie (er kann im Kopf mal eben die Wurzel aus einer Millionenzahl ziehen) und ein genialer Ingenieur, der ein neuartiges elektronisches Bauteil erfindet. Natürlich trägt er eine starke Brille, natürlich ist er unsportlich, natürlich ist er beziehungsunfähig – so sind sie halt, die theoretische Physiker, oder? Das reicht aber dem Autor noch nicht: Der Held seines Romans hat auch Visionen und leidet unter einem traumatischen Kindheitserlebnis. Auch bei diesem Erlebnis wird dick aufgetragen. Es reicht offenbar nicht, dass der Held als Kleinkind zusehen musste, wie seine Schwester umgekommen ist. Nein, die Schwester ist auf einer Decke neben dem Held liegend von einer Straßenreinigungsmaschine erfasst worden, die ihr den Kopf abgetrennt hat.

Kehlmann scheint zu glauben, das man heute so dick auftragen muss, um das Publikum zu fesseln. Leider hat er, betrachtet man die Auflagenzahlen seiner Bücher, offenbar recht: Das gelangweilte und abgestumpfte Lesepublikum braucht starken Tobak.

Nun, wenn man einen Bestseller eines vielfach ausgezeichneten Autors kritisch sieht, dann stellt man sich doch die Frage, ob mal selbst spinnt oder all die anderen Leser. Ein kurzes Stöbern im Internet ergab, dass auch „Großrezensenten“ an diesem Roman einiges auszusetzen hatten. Das beruhigt dann doch.

Daniel Kehlmann: Unter der Sonne

(… weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe …)

In der S-Bahn liest es sich schön. Immer auf die Vororte gucken und die runtergekommenen Bahnhöfe hebt die Laune nicht gerade, den Mitreisenden beim Smartphone-Spielen zuschauen auch nicht. Also das gute alte Buch:

Von Daniel Kehlmann hatte ich noch nichts gelesen. Eine Gelesenhabenlücke, meinte ein Freund und drückte mir direkt 3 Kehlmänner aus seinem Bücherschrank in die Hand. Angefangen habe ich mit „Unter der Sonne“ – einem Band mit Kurzgeschichten. Manchmal etwas übertrieben (die Neigung zur Übertreibung scheint mir sowieso ein häufiger Zug in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zu sein … haben die Autoren so wenig Vertrauen in ihre Leser?), aber immer wieder überraschend und spannend, was Kehlmann da erzählt. Die Geschichten kreisen um ein Thema: Vereinsamte Menschen, Außenseiter, die durch ein Ereignis aus ihrem Alltagstrott gerissen werden – nicht immer zu ihrem Besten.

Der Autor will es so!

Hobbies machen Spaß, sonst würde man sich ein anderes Hobby suchen, oder? Büchermachen ist eines meiner Hobbies, Hobby schon deswegen, nix dabei rum kommt. Umsonst mache ich es nicht, aber meine Einkünfte aus dieser Tätigkeit sind nicht so, das ein etwa mitlesender Mitarbeiter der Steuereinziehungsbehörde unruhig werden müsste. Ich mache es halt gerne.

Oben sieht man das Cover des noch nicht druckfrischen, weil noch gar nicht gedruckten Werkes, an dem ich derzeit arbeite. Mit dem Cover, das ich da zusammengebastelt habe, bin ich ganz zufrieden. Nicht gerade aufregend, aber ist ja auch kein Thriller, das Buch. Aber die Texte! Inzwischen bin ich so weit, dass ich keine Ahnung mehr habe, ob die Geschichten in dem immerhin 290 Seiten starken Band jetzt gut sind, noch mal durch die Mangel gedreht werden müssten oder zurück in die sprichwörtliche Schublade, heute also in den Ordner „Sonstige Versuche“ müssten. Der Autor will es so – das ist dann immer der Ausweg des Lektorierenden aus der Qualitätszwickmühle. Der Autor will hier und da etwas übertreiben, da und hier stark übertreiben. Er will hier und da ein Klischee, da und hier sich über Klischees lustig machen. Vielleicht hat er ja recht?

Immerhin hat er einige der Geschichten schon mehrmals auf einem der Abende, wo Autoren ihre Versuche einem Publikum vorstellen, vorgetragen. Ich war dabei, und, Mist, die Sachen, die ich für UNMÖGLICH! gehalten habe, sind gut angekommen. Wahrscheinlich, habe ich mir überlegt, ist ein gewisses Maß an Mainstream, an Erfüllung der Erwartungen des Publikums, dem Erfolg durchaus zuträglich. Vielleicht sind das Ankerpunkte für den Leser, ohne die er die Lust am Segeln durch das Meer der erzählten Welt verlieren würde? Arbeiten nicht alle möglichen Komiker nach diesem Schema? Lassen wir es also stehen, dass der alte Rentner nicht nur ein armer alter Rentner ist, sondern auch noch ein armer einsamer alter Rentner; immerhin ist er kein armer einsamer alter verbitterter Rentner: Na also! Der Autor will es so! Ich kann mich hinter seinem breiten Rücken verstecken und ins Impressum verkrümeln, das eh niemand liest ….