Archiv der Kategorie: Bücher

Bücher, die ich gelesen habe

Noch ein Buch

Wieder ein Buch für den Druck fertig gemacht. War diesmal nicht so viel Arbeit, da ich nicht lektoriert habe, sondern nur den Computersatzsatz gemacht habe und den Umschlag. Umschlag war auch kein Problem, da der Autor angefangen von der Farbe bis zur Schriftart genaue Vorstellungen hatte. Ich hatte andere, aber was soll’s, der Auftraggeber ist der Chef. Viel lektorieren hätte ich sowieso nicht können, denn der Text ist komplett in Englisch. Ist dann schon ein wenig seltsam, einen Text für den Druck fertig zu machen, den man gar nicht gelesen hat. Gut, ein wenig habe ich dann doch reingelesen, den Pädagogen Kurt Hahn (https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Hahn) kannte ich überhaupt nicht und seinen Schüler/Nachfolger David B. Sutcliffe ebenso wenig. Beide haben u.a. die die United World Colleges (https://de.wikipedia.org/wiki/United_World_Colleges) gegründet – sehr interessante Schulen, von denen ich auch noch nichts gehört hatte.

 

Ich könnte einen Verlag aufmachen. Mindestens 7 Titel hätte ich schon im Angebot. Aber, wie man so sagt, den Teufel werde ich tun. Als absoluter Marketing-Versager hätte ich bald die Garage voll mit verstaubten Büchern. Jetzt gibt es das Buch bei Amazon und Co. und ich kann mich dem nächsten Titel zuwenden. Aber da muss noch mächtig lektoriert werden, das wird mich noch bis in den Herbst begleiten.

Hans Windisch: Die neue Foto-Schule

Beim Umräumen wiedergefunden: Windischs Foto-Schule. Das Buch habe ich mir nach langem Zögern, weil es mit 22 DM ordentlich teuer für einen 15jährigen Schüler war, 1966 gekauft. Und dann von vorne bis hinten durchgearbeitet. Ein Buch, das sich an den Amateur richtet (und unglaublich viel verkauft worden ist), aber nicht ohne Anspruch daher kommt. Vor allem die Kapitel über Optik und die Chemie des Entwickelns und Vergrößerns von Filmen konnte man nicht mal so nebenbei lesen. Wahrscheinlich habe ich fast alles, was ich über die traditionelle Fotografie weiß, aus diesem Buch gelernt.

Beim Rumblättern heute sind mir zwei Aspekte aufgefallen:

Erstens die Ästhetik der Beispiel- und/oder Musterbilder. Vieles sieht sehr nach den 30er Jahren aus, wenn nicht gleich nach Nazi-Bildersprache. Hm, das Buch ist, sagt das Impressum, 1964 erschienen. Wikipedia weiß mehr: Die „Neue Foto-Schule“ ist unter genau dem gleichen Titel zuerst 1936 im Heering-Verlag erschienen, in dem gleichen Verlag wie mein Buch. Hans Windisch, weiß Wikipedia, war nun allerdings von Hause aus weder ein Sachbuchautor, noch hatte er irgendeine Neigung zu den Nationalsozialisten. Künstler war er, vor allem als Illustrator und Grafiker tätig. Seine Werke sind eindeutig dem Expressionismus zuzurechnen. Und noch während der Nazizeit hat er ein sehr NS-kritisches Manuskript verfasst, das dann 1946 unter dem Titel „Führer und Verführte“ erschienen ist. Ein Gartenbuch hat er auch geschrieben.

Zweitens ist mir aufgefallen, dass das meiste, was in dem Buch zu lesen ist, heute kein Mensch mehr braucht. Schon die ganzen Kapitel über Filmentwicklung, über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Filme. Trotzdem wäre es, scheint mir, nicht schlecht, wenn der eine oder andere mal einen Blick in solch ein Buch werfen würde. Begriffe wie Tiefenschärfe scheinen irgendwie in der Versenkung verschwunden zu sein, die Zusammenhänge zwischen Blendenöffnung, Brennweite des Objektivs und Tiefenschärfe sowieso. Statt dessen liest man auch in Artikeln von Fachjournalisten heute von allerlei seltsame Sachen wie Freistellung. Extrem wird das bei Handy-Kameras. Da eventuell ein neues iPhone her muss (das iPhone 6 ist ja schon urururalt), habe ich mich mit den Kameras dieser Smartphones beschäftigt. Scharfe Bilder, superscharfe Bilder, tolle Farben, noch tollere Farben, viele, viele Megapixel. Und ab einer gewissen Preisklasse noch eine Tele-Linse. Will man rauskriegen, welche Brennweite denn diese „Tele-Linse“ hat, muss man schon tief in die technischen Daten steigen. Die kleinste mögliche Blendenöffnung erfährt man gar nicht, so etwas wie Blendenvorwahl bei der Belichtungsautomatik scheint es gar nicht mehr zu geben. Kann alles die neue, neueste, allerneueste weiterentwickelste Software, ….

Herbert Rosendorfer: Briefe in die chinesische Vergangenheit

(…. weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe ….)

Ein amüsantes Buch, mal wieder aus dem öffentlichen Bücherschrank gefischt, ein seit seinem ersten Erscheinen 1983 immer wieder aufgelegter Bestseller. Der Autor, Herbert Rosendorfer (1934 – 2012), hat, so weiß Wikipedia zu berichten, jede Menge oft sehr erfolgreiche Bücher geschrieben, insgesamt 101, wenn ich mich nicht verzählt habe. In Bayern hatte ein Richter am Amtsgericht zu seinen Lebzeiten offenbar nicht viel zu tun, denn gut die Hälfte seines Werkes hat er in neben seiner Tätigkeit als Richter verfasst.

Ein amüsantes Buch, basierend auf einem Grundgedanken, der zugegebenermaßen nicht ganz neu, aber halt amüsant ist: Ein Chinese überspringt 1000 Jahre und landet, da die Technik, die seiner Zeitreise zugrunde liegt, nicht ganz funktioniert hat, nicht in Peking, sondern im München des Jahres 1983. Über seine Erlebnisse und Beobachtungen schreibt er Briefe an seine Zeitgenossen: „Briefe in die chinesische Vergangenheit“.

Sein Verwundern über die ihm sehr seltsam erscheinenden Sitten und Gebräuche der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts gibt dem Autor Gelegenheit, allerlei Zeitkritik einfließen zu lassen, vom damals aktuellen Waldsterben über Schulreformen bis zum Individualverkehr, vom Theater bis zur Musik – Rosendorfer lässt kaum etwas aus, was damals den Zeitgeist so bewegt hat. Das ist, ich sagte es schon, immer wieder amüsant und ich habe die 350 Seiten mit einigem Vergnügen gelesen.

Amüsant, aber: Rosendorfer entpuppt sich als scharfer Kritiker nicht nur bestimmter gesellschaftlicher Entwicklungen (Schulwesen, Rechtsprechung), sondern als Kritiker des Fortschritts überhaupt, vor allem des technischen Fortschrittes. Im Grunde lehnt er die gesamte Moderne ab, sieht in der Entwicklung der Menschheit in den letzten 1000 Jahren einen Abstieg vom Goldenen Zeitalter in eine dunkle Gegenwart, die – am Ende kommt es kurz vor – sich noch weiter verdunkeln wird. Kann man so sehen, Geschichtspessimismus ist in der Geschichtsphilosophie (vor allem in Deutschland, wo die Romantik offenbar genetisch verankert ist) ein immer wieder gern getragener alter Hut. Fragt sich nur, ob der schriftstellernde Amtsrichter die Sache auch so sähe, wenn er zur Goethezeit als Schweinehirt tätig gewesen wäre oder eine der Frauen gewesen wäre, die tagein-tagaus kämpfen mussten, um ihre 8 Kinder durchzubringen und jede freie Minute nicht sich dem Schreiben von amüsanten fortschrittskritischen Büchern zuwenden konnten, sondern am Webstuhl sassen, bis ihnen die Augen zufielen …