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Die Digitalisierung schreitet voran!

Ich habe meinen neuen Personalausweis abgeholt. Das war wegen Corona und der Transusigkeit der örtlichen Verwaltung, die sich voller Eigenlob „Bürgerservicestelle“ nennt, deren „Service“ aber darin besteht, es dem Untertanen recht schwer zu machen, mit seinem Anliegen bei der hohen Behörde versprechen zu dürfen, nicht einfach. Aber lassen wir das, das wäre eine andere Geschichte.

Jetzt habe ich also meinen Personalausweis ergattert. Ich habe mich für den Personalausweis mit „Online-Funktion“ entschieden. Die zuständige Sachbearbeiterin konnte mir zwar nicht so recht erklären, wieso ich dergleichen brauche, aber „Online-Funktion“, dachte ich, das klingt gut, das musst du ausprobieren.

Ein Brief mit PIN und PUK und TransportPIN und Sicherheitshinweisen und Sperrkennwort habe ich per Post erhalten. Wie das ganze funktioniert, stand nicht im Schreiben, da wurde ich auf http://www.personalausweisportal.de verwiesen. Nach einigem Suchen – man ist ja geübt in dergleichen – habe ich auf der angegebenen Web-Seite tatsächlich eine Anleitung gefunden, verteilt auf insgesamt 5 Videos. Ja, mögen die Macher gedacht haben, welcher Bürger kann heute noch lesen?

Bevor ich ans Werk gegangen bin, habe ich aber noch eine pdf-Broschüre gefunden, die neben anderem verrät, wozu man die Online-Ausweisfunktion überhaupt braucht: Hui, was man mit der neuartigen supersicheren Technologie alles kann: Seinen Punktestand in Flensburg abrufen, seine Rentenkonto einsehen, das Kindergeld verwalten. Upps, da ist die Liste schon zu Ende. Alles nichts für mich, allerdings – mal den Punktestand in Flensburg abrufen, das wäre doch ein Spaß.

Wie funktioniert das? Zuerst muss man eine App herunterladen. Klar, ohne App geht heute nichts mehr. Man kann zwar eine Kamera für 7000 Euro online kaufen und bezahlen ohne App, man kann beim Aldi seine Einkäufe bezahlen, indem man nur kurz die Kreditkarte ohne Geheimzahl an den Kartenleser hält – aber um seinen Punktestand in Flensburg einzusehen, braucht es eine App mit PIN und Kennwort. Dass auf den Seiten von Personalausweisportal.de kein Downloadlink zu finden ist, geschenkt, der Bürger weiß ja, wie der AppStore funktioniert. Und der AppStore, der weiß, dass die App, ohne die nichts geht, erst ab IOS 13.2 funktioniert, also ab iPhone 7. Ein Gag, den man ja schon von der CoronaApp her kennt. Ist aber noch schlimmer als bei der Corona App – die läuft immerhin auf dem iPhone 6s, die Personalausweis App zickt aber auch auf dem iPhone 7 rum, läuft stabil erst ab iPhone 8.

Kauft euch gefälligst ein neues iPhone, ihr geizigen Untertanen, wenn ihr etwas davon abhaben wollt, was ihr mit euren Steuern finanziert!

Farbe > schwarzweiß > bunt

Jetzt habe ich das Programm, mit dem man alte SW-Bilder automatisch kolorieren kann, noch mal getestet. Das erste Beispiel war zugegebenermaßen etwas gemein. Denn woher sollte das Programm wissen, welche Farbe der funkelnagelneue VW meines Vaters 1966 hatte?

Das Programm probiert es mit Rot, man hat aber den Eindruck, dass es seiner gewagten Entscheidung selbst nicht traut und deshalb ein seltsam dahingehuschtes Rot wählt:

Die nächste Aufgabe war einfacher: 1963/64 im Sommerurlaub in Holland. Ich steuere das neu angeschaffte Segel-Faltboot, mein Vater (damals ein paar Jahre jünger, als ich heute bin ….) spielte den Vorschotmann. Ein einmaliges Ereignis. Ich kann mich nicht erinnern, dass er sich nochmals in ein kleines Segelboot gesetzt hat.

Da sind die Farben schon besser, nur das gelbrötliche Abendlicht wurde durch normales Tageslicht ersetzt und aus dem blauen Stoffdeck wurde eine seltsam rötliche Angelegenheit. Aber woher soll das Programm auch wissen, dass es sich nicht um ein Holzboot handelt?

Fotos auf seltsamen Wegen

Im vorletzten Beitrag hatte ich erwähnt, dass ich zu meiner Überraschung über eines meiner Fotos gestolpert bin, und zwar bei Wikimedia Commons – siehe den obigen Screenshot. Was hat es damit auf sich?

Nun, die Quelle, aus der Wikimedia dieses Foto hat, ist klar: Panoramio. Panoramio, wem das nichts sagt, war ein Dienst von Google, ein Forum, auf das man Bilder hochladen konnte, die dann, wenn sie bestimmten Kriterien genügten, in Google Earth oder Google Maps übernommen wurden. Dort konnte sie jeder anklicken und ich habe mich immer mächtig gefreut, wenn manche Bilder 1000, 3000 oder gar über 10.000mal angeklickt worden sind.

2016 hat Google diesen Dienst eingestellt, vorher öfters gewarnt, man solle seine Fotos sichern; dazu wurde auch eine Option angeboten, an die ich mich nicht mehr so genau erinnere, die aber darauf hinauslief, dass Google diese Sicherung irgendwie selbst übernimmt. Das habe ich angekreuzt.

Ich habe dann nichts mehr davon gehört und hatte mich schon damit abgefunden, dass die Bilder (etwa 120) verloren sind, denn längst nicht von allen hatte ich eine Sicherungskopie. Zu meinen Überraschung tauchten dann die meisten (oder alle?) Bilder wieder in meinem Google-Account auf, irgendwo versteckt in einem Archiv. So weit so gut.

Aber wie kommt das Bild dann zur Wikipedia, dort mit meinem Namen versehen und mit dem Vermerk, es sei ohne Urheberrechte für alle möglichen Zwecke frei verfügbar?

Nun, jetzt muss ich zugeben, dass ich das Kleingedruckte bei Panoramio nie gelesen habe. Kann sein, dass ich auf alle Rechte verzichtet habe. Macht ja auch nichts, ich muss mich ja zum Glück nicht vom Verkauf meiner Urlaubsfotos ernähren. Als die Bilder noch bei Google Earth waren, hat mich übrigens zweimal irgendeine Werbeagentur angemailt, ob sie ein Bild verwenden dürften.

Eine kostenlose kleine Unterstützung für Wikipedia – habe ich gar nichts gegen. Es geht aber noch weiter. Wenn ich unter meinem Namen über die Google-Bildersuche nach Fotos von mir suche, kommt nicht viel, ganz einfach, weil es einen sehr rührigen Profi-Fotografen gleichen Namens gibt und einen Journalisten und Autor. Zuerst bin ich deswegen nur auf das Bild von Bustaselvin gestoßen, freilich diesmal auf einer anderen Website:

Nun gut, könnte man denken, die haben es halt von Wikimedia Commons und da steht es ja als gemeinfrei. Dem ist aber nicht so: Die Seite hat das Bild durch eine automatisierte Suche (Bot) in einem Webarchiv gefunden, wo die alten Panoramio-Bilder gespiegelt waren, inclusive meiner recht exakten Positionsangaben, aber nur unter meinem Screen-Name. Die Seite heißt mapio.net – eine Immobilienseite.

Und wer ein Bild aus dem Archiv gefischt hat, der fischt auch noch mehr:

Wieder ein älteres Bild von mir aus Asturien, ursprünglich auf Google Maps zu finden, nicht aber in Wikimedia Commons. Ich mache noch eine Probe: Ob mapio auch meine Bilder aus Polen geangelt hat? Haben sie. Auch alle meine Bilder aus einem kleinen polnischen Dorf sind auf der Immobilien-Seite gelandet, obwohl mein Foto der Dorfstraße von Ujazd Dolny den Wert der dortigen Immobilien nicht gerade steigern dürfte, aber das Geschäftsmodell von mapio.net habe ich sowieso nicht begriffen. Vielleicht beruht es nur auf der reichlich eingeblendeten Werbung, die ich auf den Screenshots abgeschnitten habe.