Archiv der Kategorie: Garten und Natur

It Smells Like Ponyhof

Frischer Pferdemist. Was besseres gibt es nicht für den Garten. Sagen die Leute. Ich als alter Bio-Ketzer glaube das nicht so ganz. Vielleicht nur deswegen nicht, weil ich ein fauler Gärtner bin und mir sage: Über Winter mulchen und im Frühjahr etwas Blaukorn ausbringen, spart eine Menge Energie. Meine Energie natürlich.
Aber jetzt sprach mich ein Bekannter an, er fahre mit seinem Anhänger zu einem Bauern am Dorfrand, ob ich nicht auch etwas Pferdemist gebrauchen könne. Also bin ich mitgefahren.
Ein kleiner Bauernhof. Der Besitzer baut nichts mehr an. Seine Felder sind verpachtet, er lebt davon, dass er sich um die Pferde von Leuten kümmert, die sich ein Pferd leisten können und außerdem jemanden bezahlen können, der sich um das Pferd kümmert. Einen Pferdeknecht sozusagen, aber natürlich nennt man das heutzutage anders und spricht von Pensionspferden, das klingt irgendwie nach Urlaub.
Als erstes musste ich lernen, dass Pferdemist nicht das gleiche ist wie Pferdeäpfel. Ich wollte eigentlich Pferdeäpfel haben, aber weil wir Pferdemist bestellt hatten, bekamen wir auch nur Pferdemist.

Der Anhänger war schnell vollgeladen, 7 Schubkarren Pferdemist sind schon im Garten verteilt. Der Geruch wurde mit verteilt, die Nase des Menschen gewöhnt sich an alles, sagt man. Bei Spülmittel mit Apfel-Geruch und Duschgel mit Kiwi-Geruch („My rebellion is kiwi – Duschgel für ein verboten frisches Hautgefühl und den kiwi-fruchtigen Duft des Abenteuers. Sanft schäumend. Vegan“) klappt es. Wieso nicht bei Pferdemist?

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Problembohnen

Ein ganz kleines Gemüsebeet habe ich dieses Frühjahr doch angelegt, obwohl ich eigentlich beschlossen hatte, nur noch Blumen auszusäen. Und zwar Buschbohnen. An Bohnen gehen die Schnecken nicht, die brauchen nicht viel Pflege, keinen besonderen Boden und sind lecker.

Die Bohnen waren schnell gelegt. Aber das Frühjahr war hier sehr trocken, ohne Gießen keimte gar nichts, mit Gießen nur sehr zögerlich. Und wenn es sonst nichts zu fressen gibt, dann nehmen die Schmecken auch mit frisch gekeimten Bohnen vorlieb. Es wurden also Gläser darüber gestülpt und bei zu viel Sonne wieder weggenommen, damit es den zarten Böhnchen nicht zu heiß wird.

Endlich waren genug Bohnen für eine Mahlzeit reif. Eine große Schüssel voll habe ich gepflückt. Kurz darauf kam R. vom Einkauf zurück: „Schau mal, beim Hofladen gab es sehr schöne Bohnen. Ich habe die doppelte Menge genommen, da waren sie billiger!“ Meine Bohnen wanderten ins Tiefkühlfach.

Nun soll man ja nach einer alten Regel alle drei Tage Bohnen pflücken, weil die älteren nicht so lecker sind. Da ich lernfähig bin, fragte ich vor dem Pflücken, ob Buschbohnen in den Speiseplan passen. „Schon wieder Bohnen? Nein, jetzt habe ich erst Mal für eine Woche genug Bohnen gegessen!“ – Weitere drei Portionen Bohnen wanderten ins Tiefkühlfach.

Dann kamen Tochter und Schwiegersohn übers Wochenende zu Besuch. Prima Gelegenheit, dachte ich, 4 Personen essen eine Menge Bohnen. „Heute Mittag mache ich Bohnen“, verkündete ich. Die erwartete Begeisterung blieb aus. „Frisch aus dem Garten, absolut ungespritzt“, fügte ich hinzu, um die Bioladen-Käufer aus der Stadt zu locken. „Aber du weißt doch, dass ich keine grünen Bohnen mag“, meinte die Tochter. Klar, kann man ja mal vergessen.

Also gab es am Montag bei uns Bohnen, viele Bohnen, der Rest wanderte am nächsten Tag in eine Gemüsesuppe, die auch wieder zwei Tage reichte. „Ich will ja nichts sagen“, war die Reaktion, „sind ja lecker, deine Bohnen, aber wenn ich ehrlich sein darf, die Bohnen aus dem Hofladen haben mir besser geschmeckt.“

Danach kam erst einmal eine Woche Urlaub, die Bohnen blieben hängen. Zwei Schüsseln voll konnte ich ernten, zum Teil waren die schon leicht gelb geworden. Aber wer wirft schon die guten, mühsam vor den Schnecken geretteten Gartenbohnen weg?

Zum Glück stand der Kunstmarkt vor der Tür. Sieben Verwandte hatten sich angesagt, vier Freunde wollten extra anreisen. Da koche ich einen großen Topf Bohnensuppe, habe ich gedacht, man kann die Gäste ja nicht nur mit Kaffee und Kuchen abspeisen. Die Suppe war noch nicht ganz fertig, der verkündeten die Freunde, sie wollten zum Hofladen gehen, um dort die weithin gerühmten Bratkartoffeln zu essen. Na ja, für alle hätte es sowieso nicht gereicht. Aber die Verwandten kamen nicht. Sie hatten, wie sich viel später herausstellte, in einem Stau gestanden. Nur die beiden Gastkünstler aßen einen Teller Suppe, ich auch, aber dann kamen schon die Tänzer, die im Garten griechische Tänze aufführen wollten. Das Programm ging los, die Suppe blieb alleine in der Küche zurück.

Heute Mittag haben wir die letzten Reste der Bohnensuppe gegessen. Nächstes Jahr baue ich nichts mehr an. Endgültig. Kauft euer Gemüse doch im Hofladen oder geht zur Frittenbude! Das Enkelkind isst sowieso lieber Nudeln mit Ketchup und Mayo.

Alles Marmelade


Es geht doch nichts über selbstgekochte Marmelade. An den Satz habe ich mich jahrzehntelang gehalten und fleißig Marmelade gekocht: Im Frühjahr als erstes Rhabarber mit Orangen, dann Rhabarber mit Erdbeeren, dann Erdbeeren, schwarze Johannisbeeren, rote Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren und zum guten Schluss Pflaumen. Holunder mochte niemand, Mirabellen oder Weingelee waren auch nicht so gut gelungen. Aber gut 60 Gläser kamen immer zusammen, die dann das ganze Jahr gereicht haben.

Nun bin ich zwar immer noch der Meinung, dass nichts über selbstgekochte Marmelade geht und kann mich beim täglichen Frühstücks-Marmeladenbrot nicht an den Geschmack der gekauften Sorten gewöhnen – aber: Irgendwie ist mir die Lust auf die Marmeladen-Kocherei abhanden gekommen. Die drei Gläser auf dem Bild – morgen kommen noch mal drei dazu – stellen den kläglichen Rest dar. Zwei Sträucher sind gerade eingegangen, neue werden nicht gepflanzt. Die Faulheit hat mal wieder gewonnen.