Archiv der Kategorie: Garten und Natur

Alles Marmelade


Es geht doch nichts über selbstgekochte Marmelade. An den Satz habe ich mich jahrzehntelang gehalten und fleißig Marmelade gekocht: Im Frühjahr als erstes Rhabarber mit Orangen, dann Rhabarber mit Erdbeeren, dann Erdbeeren, schwarze Johannisbeeren, rote Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren und zum guten Schluss Pflaumen. Holunder mochte niemand, Mirabellen oder Weingelee waren auch nicht so gut gelungen. Aber gut 60 Gläser kamen immer zusammen, die dann das ganze Jahr gereicht haben.

Nun bin ich zwar immer noch der Meinung, dass nichts über selbstgekochte Marmelade geht und kann mich beim täglichen Frühstücks-Marmeladenbrot nicht an den Geschmack der gekauften Sorten gewöhnen – aber: Irgendwie ist mir die Lust auf die Marmeladen-Kocherei abhanden gekommen. Die drei Gläser auf dem Bild – morgen kommen noch mal drei dazu – stellen den kläglichen Rest dar. Zwei Sträucher sind gerade eingegangen, neue werden nicht gepflanzt. Die Faulheit hat mal wieder gewonnen. 

 

Rasenschnitt

Für den einen ist Rasenschnitt ein Entsorgungsproblem. Der andere nennt es Heu und freut sich, wenn seine Kühe was zu fressen haben.

Ich weiß nicht, wohin mit dem Zeugs. Die „braune Tonne“ ist längst voll, weshalb ich das Zeugs in Säcke stopfe, die Säcke ins Auto stopfe, 10 km zum „Wertstoffhof“ fahre, das Zeugs da in den Container stopfe. Schade drum, aber hier im Dorf gibt es zwar noch zwei große und 4 mittlere landwirtschaftliche Betriebe, aber nur 10 Hobby-Kühe (aber 50 Hobby-Pferde).

Früher, ja früher habe ich den Kopf geschüttelt, wenn der Nachbar ebenso verfuhr. Wie kann der nur, sprach ich und verfrachtete den Rasenschnitt auf meinen großen Komposthaufen. Der war freilich auch notorisch überfüllt, außerdem habe ich bald gemerkt, dass so ein Komposthaufen erstens viel Arbeit macht, zweitens allerlei Getier anzieht, drittens der Kompost am Ende auch nicht unbedingt gebraucht wurde.

Ein Luxusproblem. Rasen gibt es nur da, wo Nahrung im Überfluss vorhanden ist. Der Park rund um die adligen Schlösser und Herrensitze diente vor allem einem Zweck, nämlich zu zeigen: Schaut mal, ich habe so viel Land, ich kann mal locker 10 bis 20 Hektar zu meinem Vergnügen ungenutzt lassen. Und der Garten rund um die bürgerliche Villa, eine Miniaturausgabe des adligen Parks, diente dem gleichen Zweck: Schaut mal, während ihr auf euren 500 m2 in jeder Ecke Kartoffeln und Gemüse ziehen müsst, im Stall noch Schwein, Ziege und/oder Kaninchen füttern müsst, brauche ich das alles nicht, sondern kann meine 2000 m2 von meinem Gärtner nach ästhetischen Gesichtspunkten gestalten lassen. Der heute übliche kleinbürgerliche Minigarten, der mit einem Gartenhäuschen, Kinderspielgerät und Grillplatz möbliert ist, so dass für den obligatorischen Rasen nur noch eine kleine Fläche übrig bleibt, ist dann nur noch eine Art traurige Parodie auf den adligen Park, sagt aber das Gleiche: Der Kühlschrank ist voll, und wenn er mal nicht das rechte enthält, dann rufen wir bei Lieferando an.

 

 

Böse Bauern

Einige Hektar stehen in Flammen. Das kommt im Frühjahr im spanischen Asturien häufig vor. Der Feuerwehr-Hubschrauber kommt, immer wieder, das Feuer wird mit viel Wasser gelöscht. Nachts brennt es dann wieder, direkt daneben. Diesmal kommt kein Hubschrauber. Gut so, sagen die Bauern, diese Hänge da mussten dringend abgebrannt werden, Stechginster, Brombeeren, Adlerfarn, das überwuchert alles. Und was sollen unsere Kühe fressen? Weg mit dem Gestrüpp, sonst …

Ja sonst müssen die Bauern Viehfutter dazu kaufen, das ist teuer, dann lohnt sich die Viehzucht in den Bergen nicht mehr, dann überwuchert hier alles.

Prima, sagt der Nicht-Bauer, dann kann sich auf den Bergen endlich die Natur ungestört entfalten. Und schon sieht er ringsum sprießende Neo-Urwälder vor seinem inneren Auge.

Warum nicht?

Das Problem ist, dass die die Wildnis liebenden Nicht-Bauern weder Veganer sind noch Jäger und Sammler, die auf der Suche nach Nahrung durch die Wälder streifen. Sie wollen Milch, Käse und Rindfleisch kaufen. Die Bergbauern werden also nicht alle in Rente gehen, wenn sich in den Bergen die traditionelle Viehzucht, bei der die Kühe von April bis Ende Oktober alleine mit ihren Kälbern auf den „Almen“ sind, die restlichen Monate die Wiesen im Tal abfressen und nur bei ganz schlechtem Wetter mal im Stall bleiben müssen, wenn sich diese Viehzucht nicht mehr lohnt.

Wenn die Sommerweiden in den Bergen ausfallen, werden die Bauern die Viehhaltung in die Täler verlegen, in große Ställe, weil sich die Tierhaltung mit gekauftem Futter sonst nicht lohnt, in Ställe, die die Tiere das ganze Jahr über gar nicht oder kaum verlassen. Das Übliche halt.

Es mag paradox klingen: Diejenigen, die von Natur und Wildnis schwärmen und die die Hänge abbrennenden Bauern zu bösen Buben erklären, fördern die Art der Tierhaltung, die sie eigentlich ablehnen.