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Über allen Wipfeln

Bei Vossenack im Hürtgenwald

Über allen Gipfeln / Ist Ruh‘?

Nö, lieber Goethe, die Wipfel der Fichten bewegen sich zwar nicht, aber über den Wipfeln, irgendwo ganz weit oben, da braust und brummt der Windmühlenflügel schon von weitem hörbar. Und das, obwohl man an einem windarmen Tag wie dem heutigen tatsächlich „kaum einen Hauch'“ spürt. Nur „die Vögelein schweigen“ nicht „im Walde“, die zwitschern wie immer im Frühling.

Mit vielen Achs

Falls sich jemand fragt, womit ich mir fast den gesamten Winter – die zwitschernden Vögel sind ja offenbar der Meinung, dass der Winter jetzt vorbei ist – die Zeit vertrieben habe:

(1) Die Hecke war zu hoch, zu mühsam für einen Senior wie mich, sie mit der Heckenschere überm Kopf regelmäßig zu kürzen. Sie wurde also mit Hilfe von Astschere und Kettensäge ordentlich gekürzt. Jetzt können Nachbarn und Hundespaziergänger besser in unseren Garten reinsehen und wir besser raussehen.

(2) Aber, ach, jetzt wurde der Zaun sichtbar, den die Hecke gnädig verdeckt hatte. Den kann man sicher etwas flicken, dachte ich. Habe aber nach drei Tagen genervt aufgegeben. Da muss neuer Maschendraht hin, basta. Aber nicht so hoch wie die als Pfähle dienenden alten Bahngleise, sonst muss ich ja wieder über Kopf heckenschneiden. Nicht, perfekt, gar nicht perfekt, egal.

(3) 50 m Maschendraht waren schnell bestellt und schnell geliefert. Aber, nochmal ach, überall da, wo die Hecke in den Zaun hineingewachsen war, musste die Hecke nochmal beschnitten werden. Danach sah sie krumm und schief aus. Also musste sie überall nochmal beschnitten werden.

(4) Und, ach (Nummer 3), an manchen Stellen war der Draht in ordentlich dicke Buchenzweige reingewachsen, da musste nochmal die Kettensäge ran, oder, wenn es zu eng war, die Handsäge. Dann ging er immer noch nicht ab, denn, noch ein Ach, die Vorbesitzer hatten unten einen längst in den Boden und Wurzeln eingewachsenen schmalen Streifen Kaninchendraht sehr gut befestigt, damit Hund oder Kaninchen nicht weglaufen. Der wollte nicht aus dem Boden, musste aber. Es folgte eine Arbeitspause, weil ich mir dabei einen leichten Hexenschuss zugezogen habe. Kein Ach, sondern Aua.

(5) Als die dicken Zweige alle weg waren, zeigte sich, dass einige Zaunpfähle nicht den Zaun gehalten haben, sondern die Buchenäste die Zaunpfähle. Ach (5).

(6) Der Maschendraht ging dann schnell dran, aber, ach (6), er war ein wenig zu kurz, da half kein Ziehen und Zerren, 70 Zentimeter fehlten. Nochmal 15 Meter bestellen (kleinste Liefergröße) – kommt nicht in Frage, das Stück lässt sich bestimmt aus einem gut erhaltenen Stück des alten Zaunes basteln. Eine Geduldsaufgabe, Maschendrahtzaunflechten muss auch gelernt sein, vor allem bei Minusgraden.

(7) Jetzt ist der Zaun fertig, aber es hat sich noch nicht ausgeacht. Denn überall lagen und liegen ja die abgeschnittenen Buchenzweige und -zweiglein. Das ist noch nicht fertig, da bleibt noch genug für viele weitere Achs (7ff.).

Komische Käuze

Ich muss zugeben, bis vor einiger Zeit hatte ich keine Ahnung von Steinkäuzen. Irgendwie so eine Eulenart, das war es. Das hat sich geändert, denn jetzt bin zu so einer Art Steinkauz-Hilfspfleger geworden.

Den Kasten oben auf dem Bild hat unsere kleine Naturschutzgruppe diese Woche aufgehängt. Der Steinkauz braucht nämlich nicht so einen typischen Nistkasten, sondern ein großes Ding mit einem kleinen Schlupfloch, das durch einen (hoffentlich) sinnreichen Mechanismus gegen das Eindringen von Mardern geschützt ist, mit mehreren Kammern im Inneren und dem passenden Einstreu. Steinkäuze, so musste ich lernen, schleppen nämlich nicht selbst Nestmaterial in ihre Behausungen, sondern nehmen nur solche, in denen schon das Passende liegt.

Wer jetzt denkt, solche Kästen könnte man überall hinhängen, der ist so naiv wie ich anfangs. Abgesehen davon, dass die Grundstücksbesitzer nicht immer erfreut über die neuen Mitbewohner sind („scheißen alles voll“ – „immer dieser Krach nachts“), haben die Steinkäuze auch da ihre Ansprüche: Das Loch des Nistkastens muss möglichst nach Süden zeigen, der Ast muss ziemlich waagerecht und stabil sein, darunter muss eine nicht zu kleine Wiese sein, die regelmäßig gemäht werden muss, weil die Vögel sonst keine Mäuse fangen können. Hinter der Wiese muss Feld sein, viele Häuser mögen sie nicht, Wald ebensowenig, denn da könnten ihre Feinde, nämlich Eulen und Uhus wohnen….

Wenn man sich das so durchliest, fragt man sich, wie die Steinkäuze es jemals ohne Menschen geschafft haben, geeignete Brutplätze zu finden. Viele Bäume mit bequemen Höhlen soll es früher gegeben haben? Und keine Marder? Und wer hat in Zeiten, als Deutschland noch dünn besiedelt und mit Wald bedeckt war, regelmäßig die Wiesen gemäht?

Jetzt jedenfalls kümmert sich ein regelrechtes Netzwerk um Steinkäuze und andere Eulen, in Düren gibt es einen Verein (http://www.egeeulen.de/), der seit Jahren das alles für die südlichen Rheinlande koordiniert und genau über Bestand und Ansiedlungserfolge Buch führt.

Unser Bezirk schneidet ganz schlecht ab. Der Bestand pendelt auf niedrigem Niveau. Von den ca. 20 Nistkästen, die zu unserem „Revier“ gehören, sind nur 2 – 3 belegt.

Aber, ehrlich gesagt, so ein richtiger Steinkauzfan bin ich nicht. Eigentlich kümmert sich unsere Mini-Gruppe um die Pflege von Feldhecken. Das finde ich irgendwie sinnvoller als die doch recht mühsamen Versuche, einen Vogel hier anzusiedeln, der mit weltweit 235.000 bis 1.300.000 Brutpaaren (so genau weiß das wie so oft keiner) nicht gerade gefährdet ist.