Archiv der Kategorie: Garten und Natur

Komische Käuze

Ich muss zugeben, bis vor einiger Zeit hatte ich keine Ahnung von Steinkäuzen. Irgendwie so eine Eulenart, das war es. Das hat sich geändert, denn jetzt bin zu so einer Art Steinkauz-Hilfspfleger geworden.

Den Kasten oben auf dem Bild hat unsere kleine Naturschutzgruppe diese Woche aufgehängt. Der Steinkauz braucht nämlich nicht so einen typischen Nistkasten, sondern ein großes Ding mit einem kleinen Schlupfloch, das durch einen (hoffentlich) sinnreichen Mechanismus gegen das Eindringen von Mardern geschützt ist, mit mehreren Kammern im Inneren und dem passenden Einstreu. Steinkäuze, so musste ich lernen, schleppen nämlich nicht selbst Nestmaterial in ihre Behausungen, sondern nehmen nur solche, in denen schon das Passende liegt.

Wer jetzt denkt, solche Kästen könnte man überall hinhängen, der ist so naiv wie ich anfangs. Abgesehen davon, dass die Grundstücksbesitzer nicht immer erfreut über die neuen Mitbewohner sind („scheißen alles voll“ – „immer dieser Krach nachts“), haben die Steinkäuze auch da ihre Ansprüche: Das Loch des Nistkastens muss möglichst nach Süden zeigen, der Ast muss ziemlich waagerecht und stabil sein, darunter muss eine nicht zu kleine Wiese sein, die regelmäßig gemäht werden muss, weil die Vögel sonst keine Mäuse fangen können. Hinter der Wiese muss Feld sein, viele Häuser mögen sie nicht, Wald ebensowenig, denn da könnten ihre Feinde, nämlich Eulen und Uhus wohnen….

Wenn man sich das so durchliest, fragt man sich, wie die Steinkäuze es jemals ohne Menschen geschafft haben, geeignete Brutplätze zu finden. Viele Bäume mit bequemen Höhlen soll es früher gegeben haben? Und keine Marder? Und wer hat in Zeiten, als Deutschland noch dünn besiedelt und mit Wald bedeckt war, regelmäßig die Wiesen gemäht?

Jetzt jedenfalls kümmert sich ein regelrechtes Netzwerk um Steinkäuze und andere Eulen, in Düren gibt es einen Verein (http://www.egeeulen.de/), der seit Jahren das alles für die südlichen Rheinlande koordiniert und genau über Bestand und Ansiedlungserfolge Buch führt.

Unser Bezirk schneidet ganz schlecht ab. Der Bestand pendelt auf niedrigem Niveau. Von den ca. 20 Nistkästen, die zu unserem „Revier“ gehören, sind nur 2 – 3 belegt.

Aber, ehrlich gesagt, so ein richtiger Steinkauzfan bin ich nicht. Eigentlich kümmert sich unsere Mini-Gruppe um die Pflege von Feldhecken. Das finde ich irgendwie sinnvoller als die doch recht mühsamen Versuche, einen Vogel hier anzusiedeln, der mit weltweit 235.000 bis 1.300.000 Brutpaaren (so genau weiß das wie so oft keiner) nicht gerade gefährdet ist.

Trockenwiese

Das ist eine unserer Wieseninseln im Rasen. Alles vertrocknet. Tatsächlich ist es hier dieses Jahr wohl noch trockener als voriges Jahr, alles: Bäume, Sträucher, Blumen und eben Gras&Kräuter vertrocknet oder lässt doch total den Kopf hängen.

Hat es das schon mal gegeben? Ich habe mal die Daten für unseren Ort bis ins Jahr 2000 nachgesehen (ältere habe ich nicht gefunden).

Dieses Jahr hatten wir seit Jahresanfang 400 mm Niederschlag. Damit liegt unser Ort übrigens noch gut in der Mitte. Im Umkreis von 20 km ist das Maximum 530 mm, das Minimum 350 mm.

20919, 2018 und 2017 hat es nicht viel mehr geregnet, immer zwischen 390 und 450 mm. Wobei der Ort, der dieses Jahr nur 350 mm mitbekommen hat, voriges Jahr 600 mm zu verzeichnen hatte.

Davor, also 2014 bis 2016, drei regenreiche Jahre mit 750 bis 850 mm, davor (2011 – 2013) mit 450 – 550 wieder recht regenarme Jahre – 2009 dann ein Ausreißer: 900 mm sind für unsere Gegend sehr, sehr viel.

So ungemein trocken war es dieses Jahr hier also gar nicht. Was den Pflanzen so zusetzt, muss die Trockenheit der letzten Wochen sein: Da hatten wir nur 8 mm Niederschlag. In allen Jahren davor sind Ende August/Anfang September immer 30 – 50 mm Niederschlag gefallen, 2015 sogar 120 mm!

Kleine Nebenbemerkung: Wenn man hier im Ort tagebaukritische Menschen auf die Trockenheit anspricht, machen sie den Tagebau verantwortlich, bis hin zu der Theorie, wegen des großen Loches würden die Schauer immer recht oder links von unserem Ort vorbei ziehen. Lässt sich anhand der Messwerte aber leicht widerlegen.

Handgepflückt und handverlesen

Schwarze-Johannisbeer-Marmelade. Handgepflückte und handverlesene Früchte in Bio-Qualität, schonend erhitzt und handgerührt: Eine Köstlichkeit. Ab in den Einkaufskorb damit.
Ach, liebe Landlust-Leser und Bio-Feinkost-Käufer, tue ich euch unrecht, wenn ich vermute, dass 99% von euch die Handarbeit, die ihr so schätzt, euren eigenen Händen keineswegs zumuten würden?

Dass die Gartenecke, in der sich die Johannesbeersträucher befinden, seit langem niemand mehr betreten hat, hat allerlei Tiere erfreut. Nicht nur die Amseln, die sich eher lustlos schon mal die eine oder andere Beere schnappen, sondern viele Spinnen, diverse Wanzen, Ameisen und natürlich Blattläuse, die sich über die Triebspitzen hermachen und ihre Exkremente verteilen. Mutig ran ans Werk! Das eine oder andere Insekt zerquetscht man beim Fruchtpflücken zwischen den Fingern. Vielleicht war es auch nur eine überreife oder faule Beere? So genau weiß man das nicht, so genau will man das auch nicht wissen, das Körbchen füllt sich ohnehin nur quälend langsam, denn schwarze Johannisbeeren bilden leider nicht so schöne lange Trauben wie die roten, sondern bevorzugen ein Dasein als Single oder in Kleinfamilien.

Die Früchte landen im Wasser. Diverse Krabbeltierchen, deren Namen der Insektologe kennen mag, bewegen sich zwischen und auf den Johannisbeeren. Artenvielfalt, wie sie nur der Naturgarten bietet. Bald schwimmen die Insekten oben. Eine kleine grüne Wanze will über den Rand des Topfes entfliehen. Ich helfe ihr mit einem leichten Schwupps, sie läuft schnurstracks in ein Spinnennetz. Ein Spinnennetz direkt über der Spüle? Heute ist Marmeldenkochtag, Putztag ist erst Montag.
Die schwimmenden Krabbeltierchen werden abgeschöpft und in den Ausguss befördert, die Früchte haben jetzt sauber zu sein. Dass die Blattläuseexkremente wasserlöslich sind, davon gehen wir einfach aus.

Die nassen Früchte werden von den Stielen befreit und dabei handverlesen. Das wird, je weiter die Arbeit fortschreitet, eine immer matschigere Angelegenheit. Wohl dem, der jetzt nicht an seine im Nagelstudio sorgfältig aufgebauten Fingernägel denken muss! Ganz Hartgesottene naschen von den Beeren. Der durchschnittliche Marmeladenkocher aber träumt eher von einem Stück Camembert, erst recht dann, wenn das ganze mit ordentlich Zucker vermischt zum Kochen gebracht wird. Sprudelnd kochen! Wenn rot-schwarze Beeren-Zucker-Tropfen aus dem Topf spritzen, kocht es gerade richtig! Wer Wert darauf legt, dass seine Küche aussieht wie ein steriles Labor, bekommt jetzt die Krise. Auch der Moment, wenn etwas von dem kochenden Zuckerbrei knapp am zu befüllenden Marmeladenglas vorbei geht, kann Sensiblen die Laune trüben.
Ist der Topf leer und sind alle Gläser glücklich gefüllt, hat der Duft des kochenden Zucker-Früchte-Breis auch die oberen Räume erreicht. Mitbewohner werden in die Küche gelockt. Oh! Das sieht aber lecker aus! Dann verschwinden sie schnell wieder aus der Küche.