Kloster Schwarzenbroich: Ruinöse Ruine

Wieder im Wald rumgelatscht, diesmal nicht bepackt mit einem Stativ, sondern mit einem Verpflegungsrucksack. Auf der Suche nach einer Ruine, die dann tatsächlich am Ende eines Matschweges auftauchte. Genauer: Ein paar Grundmauern und wenige malerisch eingewachsene größere Wandreste.

Seit Jahrhunderten verfallen und überwuchert? Nein, das Kloster war zwar 1944 schon lange leerstehend, aber den Rest haben ihm die Kämpfe am Ende des 2. Weltkrieges und die Bewohner der Dörfer ringsum gegeben, die auf der Suche nach kostenlosem Baumaterial waren.

Jedenfalls: Ruine fotografiert, Verpflegungsrucksack geleert, Mission erfolgreich.

Waldeslust Waldesluft

…. keine Zeit zum Bloggen, musste im Wald rumlatschen, Stativ schleppen ….

… nur schnell mit dem Handy ein nicht so arg scharfes Bild gemacht …

… aber schön war’s doch …

 

 

 

 

Eduard von Keyserling: Dumala

(… weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe …)

Eine recht wilde, spannende Geschichte um Liebe und Eifersucht mit einem guten Schuss Kitsch.

Eduard von Keyserling (1855 – 1918) stammt aus dem, wie es so schön in den Lexika heißt, baltischen Adel. Das Familienschloss, auf dem er aufgewachsen ist, liegt nach heutigen Maßstäben irgendwo weit im Osten, in Lettland, wobei die heutigen Deutschen, zumal die Rheinländer, nur eine ganz ungefähre Vorstellung davon haben, wo dieses Lettland überhaupt liegt und sich fragen, wieso ein Lette wie Keyserling auf Deutsch Romane geschrieben hat. Aber erstens war Keyserling überhaupt kein Lette, sondern, was den Pass anging, Untertan des russischen Zaren, aber, wie viele Angehörige des baltischen Adels, deutschsprachig und mit zahlreichen bekannten deutschen Familien verwandt und verschwägert – so war z.B. die Mutter Keyserlings eine geborene v. Kleist. Viertens liegt Paddern, das Familienschloss der Keyserlings, heute zwar etwa 1200 km östlich von Berlin, bis 1945 lag es aber nur 100 km von der deutschen Grenze entfernt. Und fünftens, last but not least, hat Eduard von Keyserlingk die meisten Jahre seines Lebens gar nicht auf dem Stammsitz der Familie verbracht, sondern in Wien und in München-Schwabing.

Auch wenn das Schloss, das in dem Roman Keyserlings eine große Rolle spielt, nicht Paddern heißt, sondern Dumala, so ist das Vorbild unverkennbar. Und so mag sich auch ein Stück weit der Kitsch erklären: Keyserling beschreibt den baltischen Winter, die verschneiten Wälder, die Schlittenfahrten mit einem gewissen Überschwang, sozusagen durch die rosarote Brille eines Mannes gesehen, der sich krank und verarmt in Schwabing als Schriftsteller durchschlägt.

Außer um baltische Traum-Winter-Landschaften geht es um einen Pfarrer, der sich in eine attraktive Schlossherrin verliebt, die mit einem todkranken Mann verheiratet ist. Die junge Schlossherrin wendet sich aber dem lebenslustigen Herren des Nachbargutes zu und beginnt mit diesem eine nur halb geheime Affaire. Sehr zum Ärger des mit sich selbst kämpfenden Pfarrers, der – da wird es mächtig spannend – eines nachts versucht, den Nebenbuhler aus dem Weg zu räumen.

Ob das, wie der Manesse-Verlag in dieser Ausgabe behauptet, zur Weltliteratur gehört? Oder handelt es sich um einen gut geschriebenen leicht kitschigen Schmöker? Keine Ahnung. Während meines Studiums habe ich für eine Seminararbeit eine Reihe Theaterstücke gelesen, die Goethe in seiner Zeit als Theaterdirektor hat in Weimar hat aufführen lassen und die alle nach der Meinung der Literaturwissenschaftler zweitklassig oder drittklassig und zurecht vergessen sind. Spannende Stücke, vor allem im Vergleich mit den Langweiligkeiten, die Goethe zur Weltliteratur beigesteuert hat.