Pflanzen aus der Fremde

Ein Olivenbäumchen, frisch gepflanzt. Ein Experiment: Sollte es so kalt werden, wie es hier schon lange nicht mehr war, dann wird er nur überleben, wenn wir ihn gegen den Frost schützen. Die Gärtnerei hat versprochen, minus 10 Grad seien gar kein Problem – warten wir es ab.

Der eine oder die andere rümpft an dieser Stelle die Nase: Ein Olivenbaum ist doch kein einheimisches Gehölz! So was geht doch nicht! Hört man öfters, heutzutage. So hat der NABU letzthin eine Kampagne gegen den Kirschlorbeer gefahren. Auch so ein böses, nach Germanien hereingeschneites ausländisches Gewächs. Aus der Türkei! Na so was! Liest man den Text, so finden sich erstaunlich wenige Argumente dafür, dass es sich um eine „hochgiftige ökologische Pest“ handele. Natürlich sind Teile der Pflanze giftig. Aber wenn man alle giftigen Pflanzen aus dem Garten entfernen würde, würde wenig übrig bleiben. Und eine „ökologische Pest“? Vielleicht im Wald, aber im Garten, wo kein normaler Gärtner wartet, bis sich der Kirschlorbeer unkontrolliert ausbreitet?

Mir gefällt das ganze Gedankengebäude nicht. Ob eine Pflanze hier fremd oder einheimisch ist, ist nur eine Frage des Zeitraums, den wir betrachten. Die Tulpe kommt auch nicht aus den Niederlanden, sondern aus der Türkei bzw. aus Persien. Vor 500 Jahren kannte kein Rheinländer Tulpen, Tomaten, Kartoffeln und Mais bekanntlich auch nicht.

Das Gedankengebäude mit den einheimischen Pflanzen beruht offensichtlich auf einem statischen Bild der Natur: Jetzt ist es so und so soll es fürderhin gefälligst bleiben. Aber warum? Ist der Ist-Zustand der Vegetation ein Idealzustand? Oder, um auf unser Olivenbäumchen zurück zu kommen: Erfordert nicht gerade der Wandel des Klimas auch einen Wandel der Gehölze, hin zu Pflanzen, die vielleicht nicht schon immer (immer sowieso nicht, denn vor 12.000 Jahren sah es hier im Rheinland aus wie am heute am Polarkreis) gewachsen sind, aber an trockene Sommer und milde Winter angepasst sind?

Uwe Poschardt: Mündig

muendig

Schon wieder ein Buch. Diesmal tatsächlich neu gekauft. Habe ich schon lange nicht mehr, musste ich aber, weil ich einen Gutschein hatte. Da habe ich mal das neue buch des Chefredakteurs der „Welt“, Ulf Poschardt gekauft, denn der schreibt dann und wann ganz vernünftige Sachen auf Twitter.

Kann man lesen, das Buch, muss es aber nicht. Er kreist das Thema „Mündigkeit“ von sehr, sehr unterschiedlichen Seiten aus ein: Heidegger, Pop-Musiker, Autorennfahrer, Adorno, Umweltaktivistinnen, Manufactum-Käufer etc.

Ist wegen dieser ungewöhnlichen Perspektiven auch durchaus lesens- und bedenkenswert, vor allem die Seiten über mündiges Konsumverhalten. Manchmal verfällt er in einen verdreht-hochgestochenen Stil. Mehr imponiert hätte es mir, wenn er es geschafft hätte, auch da, wo er über Heidegger und Adorno schreibt, ohne preziöse Sätze auszukommen.

Bei den Abschnitten über die Berliner Club-Kultur und Pop-Musik konnte ich dann gar nicht folgen. Liegt aber eindeutig an mir, der ich nur einmal in meinem Leben so etwas wie einen Club betreten habe – und das zu der Zeit, als sowas noch Disco hieß und den schönen Namen „Rose“ trug. Und von all den Popmusikern, auf die er eingeht, hatte ich gar keine Ahnung. So habe ich das Buch am Ende was gelangweilt aus der Hand gelegt.