Bücher – ich gebe es auf …

Wieder zwei Bücher gelesen, die ich der Vollständigkeit halber hier erwähnen will:

Der Vollständigkeit halber, denn den Seethaler habe ich nicht zu Ende gelesen, weil ich nach kurzer Zeit zu dem Schluss gekommen bin, dass ich mich mit Friedhofs- und Totengeschichten nicht weiter belasten will – mag der Autor auch stilistisch sehr, sehr gut schreiben können. Mein Ausflug in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur ist damit erst einmal beendet, da gehe ich lieber wieder ins „Archiv“ und lese Klassiker.

Das Buch über Köln habe ich bis zur letzten Seite gelesen, denn der Autor hat immer wieder interessante und mir bislang unbekannte Details aus der Geschichte Kölns zu berichten. Trotzdem ärgerlich, wie Carl Dietmar mit dem Hochmut und der Verachtung des Nachgeborenen auf die Menschen herabblickt, die vor ihm die schöne Stadt am Rhein bewohnt haben. Nö, das kann ich auch nicht empfehlen, drum poste ich lieber eine Blume, die ich heute morgen im Garten fotografiert habe:

Zimmerreise IV zum Buchstaben L: Eine alte Lampe

Bei der Zimmerreise zum Buchstaben „L“ werden wir mein Arbeitszimmer nicht verlassen, statt dessen durch ein paar Jahrzehnte reisen.

Die Lampe hing schon an der Decke, als wir 2014 hier eingezogen sind. Eine Antiquität? Kaum. Obwohl das Bakelit dafür spricht, dass sie schon ein wenig älter ist. vielleicht aus den 40er Jahren, vielleicht auch aus den 30ern – dann wäre sie so alt wie das Haus.

Als wir eingezogen sind, hingen überall Lampen, z.T. hochwertige Leuchten von Artemide oder Flos. Sowas lässt man doch nicht einfach zurück! Nun, die Leute, die vor uns als Mieter hier gewohnt haben, haben – so wurde uns erzählt – erst ein Jahr lang keine Miete gezahlt und sind dann eines nachts in einer Blitzaktion ins Ausland verschwunden. Für die Lampendemontage war wohl keine Zeit. Ein großer Arbeitstisch, eine prächtige Zimmerpalme und mindestens 20 blaue Säcke mit allerlei Kram sind auch zurück geblieben.

Der Mieter davor hat einen Wandtresor einbauen lassen und den Schlüssel mitgenommen. Ob noch etwas drin ist?

Von 1983 bis 2004 hat der damalige Eigentümer selbst mit Frau und vier Kindern in dem Haus gewohnt. Die Familie muss das Bunte geliebt haben. Wenn man Lichtschalter oder Steckdosen abschraubt, sieht man, dass die Küchenwände knallrot waren, das Schlafzimmer dunkelblau, ein Kinderzimmer so intsensiv gelb wie das Gästebad. Letzteres ist immer noch gelb, die tiefblaue Badewanne allerdings ist letztes Jahr rausgeflogen. Eigentlich schade, aber Acryl hält nicht ewig.

In den 60er und 70er Jahren hat ein Arzt hier gewohnt. Der Herr Doktor war im Dorf sehr beliebt, hört man. Leider ist irgendwann heraus gekommen, dass er weder einen Doktortitel hatte noch überhaupt eine Berechtigung, als Arzt zu praktizieren.

Davor hat das Haus einer Gutsbesitzerstochter gehört, dem Fräulein A. Das Fräulein hat im Haus Maßkonfektion für zahlungskräftige und modebewusste Damen nähen lassen. Sie hat die Terrasse, unter der sich die Garage befindet, anbauen lassen, denn – darüber zerreißen sich ältere Dorfbewohner noch heute das Maul – das Fräulein A. fuhr gerne mit ihrem Cabrio und verschiedenen „Verehrern“ übers Land.

Und wenn die Lampe tatsächlich aus den 30er Jahren ist, dann hat sie Herr K. gekauft, der damalige Besitzer eines der großen Landgüter im Dorf, der, nachdem er das Gut an seinen Nachfolger übergeben hat, aus dem alten Gutshaus ausgezogen und in dieses neu erbaute Haus eingezogen ist. Nicht weit weg vom seinem Gut, aber doch so weit entfernt, dass er von Schweinen und Kühen, von Pferden und Pferdeknechten, die um 4 Uhr mit der Arbeit angefangen haben, unbehelligt seine alten Tage verbringen konnte.