Es grünt so schön

Vom Schmelzkäse ins Land der edlen Berg-Schimmelkäse:

Ach, wie grün waren die Wiesen im nördlichen Spanien! Den ganzen Sommer über, berichtete der Nachbar, war es eher kühl und regenreich. Die Kühe fressen nur das Leckerste, so reichlich sprießen Gräser und Kräuter dieses Jahr – die beste Heuernte seit langem!  Sollte das eine Folge dessen sein, was man in Deutschland Klimakatastrophe und anderswo Klimawandel nennt,  dann finden die Nordspanier das einfach prima. Nur die Hoteliers und Strandbudenbetreiber nicht. Man sieht, auch der Klimawandel kann es halt nicht allen recht machen.

 

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Dreierlei Käse

Ich esse gerne Schmelzkäse, vor allem den, bei dem auf der Packung „Dreierlei“ steht. Nicht ständig, aber ab und zu dann doch. Weil er mir schmeckt.

Aber so einfach ist das nicht mit dem Käse, heutzutage. So was isst du? Die einen machen einen abschätzigen Kommentar, die anderen brauchen nichts zu sagen, denn ihr abschätziger Blick sagt alles. Schmeckt dir? Wo kämen wir denn hin, wenn jeder das essen würde, was ihm schmeckt?

Kommt es zur Diskussion, dann zweifeln die einen mehr oder weniger deutlich an meinen Geschmacksnerven oder halten mich für einen zurückgebliebenen Tölpel, an dem die Vorzüge diverser Rohmilch-, Büffel- oder Bergkäse – nur echt, wenn er in der Region von Bergbauern mit der Hand direkt auf dem Berg hergestellt worden ist – einfach vorbei gegangen sind. Mein Hinweis, dass auch die käseliebenden Franzosen eine Menge Schmelzkäse verspeisen, fruchtet nichts. Auf Nordamerikaner oder Briten hinzuweisen, lasse ich lieber sein, denn diese Völkerschaften, so der Common Sense des sich für einen Feinschmecker haltenden Deutschen (und wer ist das nicht?), haben sowieso keine Ahnung von gutem Essen. Von dieser Seite ernte ich im besten Falle Mitleid.

Die anderen spielen die Gesundheitskarte. Da sind Konservierungsstoffe drin, heißt es dann. Wenn ich dann sage: Find ich gut, dann hält sich der Käse länger, ernte ich ungläubiges Kopfschütteln. Konservierungsstoffe sind des Teufels, weiß doch jedes (deutsche) Kind. Auf die Frage, warum denn eigentlich, weiß niemand eine Antwort. Außer: Konservierungsstoffe, das ist doch Chemie!

Diejenigen, die sich etwas mehr auskennen, erzählen mir was von Schmelzsalzen: Natriumcitrat, Polyphosphat oder Diphosphat könnte da drin sein. Wo ist das Problem, sage ich dann, im dem Käse, den ich fotografiert habe, ist sogar Natriumcitrat, Polyphosphat und Diphosphat drin.  Und natürlich gibt es auch Bio-Schmelzkäse. Da ist, ich hab es nachgesehen, auch ein Schmelzsalz drin, nämlich Natriumcitrat, das übrigens auch in Pepsi Cola, Red Bull und in Bio-Soja-Yoghurt enthalten ist. Warum das Zeugs „gut“ sein soll und keine „böse“ Chemie, erschließt sich nur dem ausgebildeten Bio-Sophisten: Es wird durch die Neutralisation von in Wasser aufgelöstem Ätznatron mit Zitronensäure gewonnen. Ah, da haben wir’s: Zitronen kommen schließlich aus der Natur und sind keine „böse“ Chemie.  Ob die Bio-Produzenten darauf bauen, dass der Bio-Käufer annimmt, Zitronensäure würde aus ausgepressten Zitronen hergestellt? Na ja, im besten Falle geht das so, verrät Wikipedia: Zitronensaft wird mit konzentrierter Ammoniaklösung versetzt, eingedickt und filtriert. Das leicht lösliche Ammoniumcitrat wirde durch Fällung mit Calciumchlorid in schwerer lösliches Calciumcitrat umgewandelt. Die Lösung wird erneut filtriert und der Filterkuchen in 25%iger Schwefelsäure gelöst, wobei noch schlechter lösliches Calciumsulfat (Gips) ausfällt. Nach erneuter Filtration wird eine Citronensäurelösung gewonnen.

Und weil es ganz ohne Chemie halt nicht geht, wird der größte Teil der Zitronensäure heutzutage direkt ganz ohne Zitronen hergestellt: Citronensäure, weiß Wikipedia, wird durch Fermentation zuckerhaltiger Rohstoffe wie Melasse und Mais hergestellt. Für die Fermentation werden Stämme des Schimmelpilzes Aspergillus-nige verwendet. Schimmelpilze spielen ja auch beim Käse eine Rolle, passt doch.

Kurt Tucholsky – Schloss Gripsholm

(weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe:)

Vielleicht sollte ich es aufgeben, das Lesen von Romanen oder Erzählungen. Das jedenfalls war wieder kein Treffer. Wollte ich mir erst aufs iPad herunterladen, als mir einfiel, dass irgendwo im Schrank doch noch ein altes rororo-Taschenbuch sein musste. Klang gut: eine heitere Geschichte. Und da ich von Tucholsky nicht viel gelesen habe, hab ich es halt probiert.

Die Erzählung beginnt mit einem Briefwechsel des Autors mit seinem Verleger. Der Verleger regt an, Tucholsky solle doch mal nichts Politisches schreiben, sondern einen lockeren, heiteren Roman. Mit so etwas habe er doch schon mal einen Bestseller gelandet. Der Autor sträubt sich, geht dann doch unlustig an die Arbeit.

Dieser Briefwechsel soll frei erfunden sein, trifft die Sache aber genau. Als Leser hatte ich ständig das Gefühl, Tucholsky wollte krampfhaft locker und lustig schreiben. Seine schwere Depression lag zwar zur Zeit der Abfassung dieser Erzählung 7 Jahre zurück und bis zu seinem Selbstmord sollten noch 6 Jahre vergehen, aber so recht nimmt man ihm das Heitere nicht ab.

Mit der lockeren Liebesgeschichte, die in einer Nacht zu Dritt „gipfelt“, ist ein zweiter Erzählstrang verwoben, nämlich die Befreiung eines Kindes aus den Händen der grausamen Leiterin eines Kinderheims. Verwoben ist im Grunde zu positiv, denn tatsächlich wird nicht so recht klar, was das Schicksal des kleinen Mädchens mit dem Liebespaar zu tun hat, außer, dass ihnen das Mädchen zufällig über den Weg läuft. Die Schilderung des Leidens des Kindes ist ebenso wie die Schilderung der Heimleiterin sehr schablonenhaft geraten, ein einziges gefühlsseliges Klischee, ein kluger Mann hat das mal „sauren Kitsch“ genannt.

„Schloss Gripsholm“ ist auch eine Art Selbstportrait Tucholskys. Wie viele, die man „Erotomanen“ nennt und die man vielleicht besser „sexsüchtig“ nennen sollte, war Tucholsky offenbar unfähig zu einer echten Beziehung, wollte oder konnte sich nicht binden. So lobt er in dieser Erzählung vor allem am Schluss, wie herrlich so eine auf ein paar Wochen angelegte Beziehung doch sei. Und vor allem die Nacht mit den beiden Frauen: Alle nehmen es so locker, als hätten sie eine Runde Skat gespielt. Und dann gehen sie ihrer Wege, auf zur nächsten Paarungskonstellation.