Die Milchbar

Foto: Freilichtmuseum Kommern

Zuerst habe ich es für einen Witz gehalten, als mir jemand erzählt hat, die Milchbar in Brühl würde mittels eines Spezial-Schwerlasters ins Freilichtmuseum Kommern verbracht. Aber es stimmt: Das Lokal, in dem ich als Schüler öfters gewesen bin, wird jetzt zum Museums-Stück.

Dabei war die Milchbar schon in den 60er Jahren nicht mehr gerade ein Schmuckstück. Wenn wir nach der Schule nicht zum Tschibo (Kaffee 50 Pfennige) oder die dunkle, typisch kölsche Kneipe mit dem schauerlichen Namen „Kreisch“ gingen, dann landeten wir in der Milchbar. Deren Vorteil: Die Musikbox, immer gefüllt mit den aktuellen Hits. Einer meiner Mitschüler, Sitzenbleiber und Schlagzeuger in einer Band, die sich „The Cockneys“ nannte, gab den Ton an. Schon deswegen, weil er nicht so notorisch knapp bei Kasse war wie wir und ein Geldstück nach dem anderen in die Musikbox warf. Und heute noch höre ich, sobald ich an die Milchbar denke, „In a white room with black curtains …“

Bis auf die Musik war es in der Milchbar eigentlich recht langweilig, denn Mädchen ließen sich dort so gut wie nie blicken. Das mag daran gelegen haben, dass die Milchbar trotz ihres sanften Namens einen schlechten Ruf hatte, denn dort traf sich die Rocker-Szene Brühls, allen voran die berüchtigte Moses-Gang, deren Chef tatsächlich mit bürgerlichem Namen Moses hieß. Aber nach Schulschluss ließen sich die Rocker nicht blicken, wahrscheinlich, weil die Rocker anders als wir Zöglinge des altsprachlichen Jungen-Gymnasiums tagsüber Geld verdienen mussten.

Ansonsten hätte es genug Konfliktpotential gegeben (irgendwann hat die Moses-Gang sich auch mal mit Gewalt Zutritt zu einer Schulfete verschafft, wovon ich allerdings nicht mitbekommem habe, wahrscheinlich, weil ich völlig damit ausgelastet war, einem Mädchen hinterherzuschleichen, um sie endlich zum Tanzen auffordern zu können), denn wir Gymnasiasten waren ja keine Rocker, sondern eher Mods, wie man damals gesagt hat. Keine Motorräder, sondern Vespas (gut, nur einer hatte tatsächlich eine Vespa, aber die andere wollten auch so ein Ding und als ich mit 18 das Geld zusammen hatte, kaufte ich mir eine Vespa), keine Lederklamotten, keine Jeans, sondern „richtige“ Hosen mit Blazer, dazu Hemd (ich trug stolz Hemden von van Laack, die ich von meinem Schwager geschenkt bekam, aber das musste ja niemand wissen) oder Rollkragenpullover.

Irgendwas mit Milch hat in der Milchbar übrigens niemand getrunken. Vielleicht, weil die Milchmixgetränke etwas teurer waren als „Diesel“, mein damaliges Lieblingsgetränk.

Leckeres Vollholz

Dieses Beistell-Tischlein habe ich vor 12 Jahren gebaut: Eschenholz, die Platte aus dem Kastanienholz, das den Fußboden des Heubodens gebildet hat. Und urplötzlich, wie aus dem Nichts, haben die Holzwürmer entdeckt, dass das Eschenholz offenbar gut schmeckt: Jede Menge Löcher.

Die Löcher habe ich jetzt zugeschmiert und das Tischlein ein paar Tage in die Sonne gestellt, heiße und trockene Luft gefällt den Viechern ja nicht, heißt es. Und falls das nichts hilft und es seinen Weg in den Holzofen finden wird, wird es hiermit schon mal virtuell festgehalten.

Am Strand

In der Ferne lockt der Strand, der den schönen Namen Amió trägt. Ende September, letztes Saison-Wochenende: Ein paar Leute sind da, genießen die Sonne, baden im noch warmen Meer. Viel Platz, die einzige Bar – mehr eine Bude mit ein paar Stühlen davor, liegt ein Stück weit entfernt und hat im September schon geschlossen.

Ein ganz ruhiger Ferienort, von einer fast schon nostalgischen Ruhe. Direkt oberhalb des Strandes liegen die Kühe faul auf der fetten Wiese rum. Nach einem halbstündigen Spaziergang über Wiesen und durch ein Wäldchen mit knorrigen, immergrünen Kork-Eichen mit ihren stacheligen Blättern gelangt man über eine steile, rutschige Treppe an die Mündung des Flusses Tina Mayor, die Ría de Tina Mayor, die Grenze zwischen Kantabrien und Asturien.