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Antike Turteltauben (5)

Statue der Aphrodite

Die Taube in der Antike: Da könnte man hunderte Belege ausbreiten, aber ob mesopotamisch, etruskisch, griechisch, römisch oder biblisch, ob Aphrodite, Persephone, Hera, Venus, Ishtar, Astarte oder im Hohen Lied der Bibel – immer wird die Taube dem Weiblichen zugeordnet und immer der Liebe.
Im Einzelfall wird es dann etwas differenzierter, je nachdem, ob der sexuelle, der erotische oder der geistige Aspekt der Liebe im Vordergrund steht. In der (fälschlich) dem Apollodor von Athen zugeschriebenen “Bibliotheke” – einem Standardwerk zu antiken Mythologie – heißt es: “Die Taube ist der Aphrodite heilig wegen ihrer Wollust. Es wird nämlich gesagt, dass sie am meisten Sex habe”. Andererseits wird auch schon in der Antike die treue Gattenliebe der Taube hervorgehoben.
All das ist nicht verwunderlich: Die Taube, das sieht jeder, turtelt gerne herum. Was liegt näher, als sie zum Liebessymbol zu machen oder – auch Brieftauben waren schon im alten Ägypten bekannt – zur Überbringerin einer Liebesbotschaft? Dazu passt ideal die weiße Farbe. Wie Klausbernd Vollmar in seinem (vergriffenen) Buch „Das Geheimnis der Farbe Weiß“ herausgearbeitet hat, hat das Weiß einen Doppelcharakter: zur Unschuld passt es genauso wie zur Verführung, zur vergeistigten Liebes-Taube genau so wie zum Symbol der Wollust und des weiblichen Begehrens.

Die Geschichte mit Noah und der Arche, aber auch das Hohe Lied der Bibel liegen also sozusagen voll im Trend:

“Meine Taube in den zerklüfteten Felsen, zeige mir deine Gestalt / Lass mich deine Stimme hören, denn deine Stimme ist süß und deine Gestalt ist lieblich.” (Hoheslied 2.14)

Und wie beginnt “Die Fledermaus” von Johann Strauss?

“Täubchen, das entflattert ist,
stille mein Verlangen.
Täubchen, das ich oft geküßt,
Laß dich wieder fangen!
Täubchen, holdes Täubchen mein,
komm, o komm geschwinde;
sehnsuchtsvoll gedenk ich dein,
holde Rosalinde!”