Schlagwort-Archive: Buch

Nicht ausgelesen: Truman Capote – Baum der Nacht

Truman Capote – den Namen kannte ich, hatte aber noch nie etwas von ihm gelesen. Zeit, es nachzuholen, dachte ich mir, als mir sein „Baum der Nacht“ über den Weg gelaufen ist.

Der Band enthält einige mehr oder weniger lange Erzählungen, die alle diesen typischen Sound amerikanischer Short Stories haben, ein Sound, dessen ich ein wenig überdrüssig bin. Da hilft es mir als Leser wenig, wenn ich weiß, dass Capote diesen Stil sozusagen erfunden hat, und auch nicht, wenn ich mir sage, dass es eine ungeheure Leistung für einen 22jährigen gewesen ist, solche stilistisch perfekten und psychologisch subtil durchkonstruierte Geschichten zu schreiben. – Dergleichen Bezüge sind literarturhistorisch gewiss interessant, aber auf meinem Sofa sitzt mit dem Buch in der Hand halt kein Literaturwissenschaftler, sondern ein Normalleser.

Alle Geschichten sind düster. Jedesmal geht es sozusagen Rolltreppe abwärts. Denn in jeder Geschichte taucht eine Figur auf, die nichts anderes ist als eine oder die Inkarnation des Bösen: Der Schwarzmagier, der Hexer, der Böse. Und wie der Böse es halt so macht: Er fängt langsam an und zieht sein Opfer in seinen Bann. I Put A Spell On You. Am Ende sind die Opfer regelmäßig völlig fertig mit den Nerven, wirtschaftlich ruiniert oder tot. Oder alles drei.

Sechs Geschichten dieser Art haben mir völlig gereicht. Ob die anderen Geschichten, die der Band enthält, anders sind, wollte ich dann nicht mehr herausfinden.

Ausgelesen: Peter Handke – Die Lehre der Sainte-Victoire

Stand in einem öffentlichen Bücherschrank in der Erstausgabe von 1980, augenfreundlicher Großdruck, nur gut 130 Seiten – da hab ich es mal probiert.

Peter Handke war ja einer der Helden meiner Jugend. Mit 16 habe ich mir zwei Bücher von ihm gekauft, die kleinen bunten Suhrkamp-Bändchen. Ach, was war das toll! Nicht, dass ich viel verstanden hätte, aber toll war es, irgendwie. Auf mein Drängen hin wurde dann Handkes „Kaspar“ Klassenlektüre in der Klasse 12 – aber, welche Enttäuschung, der Deutschlehrer hatte, wie ich meinte, keine Ahnung, die Mitschüler gähnten bei Handke genau so wie bei Goethe oder Brecht …

Lange habe ich jedes neue Buch von Peter Handke gelesen. Bis ich in den 80ern gemerkt habe, dass ich seine Tagebücher mit zunehmender Gleichgültigkeit schnell ins Regal zu den anderen gestellt habe.

„Die Lehre der Sainte-Victoire“ kannte ich noch nicht. „Saint-Victoire“, das ist der Berg in der Provence, den Cezanne wieder und wieder gemalt hat. Es geht also um die Provence und um Cezanne und außerdem um alles Mögliche. Man könnte sagen, eine Collage aus Notizen und kurzen Erfahrungsberichten. Nach der Lektüre habe ich die damals erschienene Rezension im „Spiegel“ nachgelesen und zu meiner Beruhigung festgestellt, dass der Rezensent ebenso wie ich nicht sagen konnte, was denn eigentlich der Kern des Buches sein soll.

Wäre Handke nicht Handke gewesen, da bin ich mir sicher, hätte der Suhrkamp-Verlag dem Autor das Manuskript um die Ohren geschlagen. Hat er offenbar auch ein wenig. Der Verleger persönlich hat sich eingemischt, drei Fassung wurden erstellt, dann ging das Werk in den Druck. Viele Exemplare dürften nicht verkauft worden sein.

Dabei finden sich unglaublich (oder allzu?) farbige und detaillierte Schilderungen in der „Lehre der Sainte-Victoire“, immer in einem hohen (krampfhaft hohen?) Stil, dazu geistreiche (oder prätentiöse?) Bemerkungen zur Malerei, Anspielungen und Zitate aus entlegenen und (zu recht?) vergessenen Werken.

Hat mich etwas ratlos zurück gelassen.

Ein Winter unter Hirschen

IMG_0818

Von Ralf Rothmann wollte ich schon immer etwas lesen. Auch dieses Buch lief mir über den Weg, wieder die ungelesene Originalausgabe, diesmal in einem öffentlichen Bücherschrank in der Fußgängerzone.

IMG_0817

Klingt poetisch, was auf dem Umschlag abgedruckt ist. Aber man darf sich nicht zu früh freuen, denn die meisten Erzählungen in diesem Band enden mehr oder weniger fürchterlich. Am besten hat mir noch der erste Text gefallen, in dem Rothmann erzählt, wie ein Ex-Partner seine Möbel aus der Wohnung abholt. Einfach, realistisch, eindrücklich.

Bei den anderen Erzählungen habe ich mich mehrmals gefragt, warum der Autor meint, so dick auftragen zu müssen. Reicht es nicht, wenn zwei Freundinnen sich von ihren mühseligen Sex-Abenteuern erzählen? Wieso müssen am Schluß nicht nur eine, sondern gleich vier Abtreibungen stehen? Eine andere Geschichte gewährt einen interessanten Blick auf brutale Zustände in Berlin-Kreuzberg. Am Schluss hat eine der beiden Hauptfiguren, ein Jugendlicher, einen Autounfall. Schlimm genug? Nein:Der Unfall muss filmreif auf einer Brücke stattfinden, der Jugendliche dabei theatralisch ums Leben kommen. Und dann erscheint da noch Hund, der dem Jungen mal gehört hat, ein Hundegeist – denn der reale Hund liegt derweil dösend auf dem Sofa … zu viel Effekt, scheint mir. Als ob Rothmann Drehbücher für ein abgestumpftes und übersättigtes Publikum entworfen hätte.

IMG_0819

Mit dieser Meinung stehe ich offenbar nicht alleine. Denn verkaufen lässt sich das Buch trotz besten Zustandes auch nicht gewinnbringend – 1 Euro kostet es im Internet-Antiquariat.