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Kein richtiger Winter

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Eisschollen – auf unserem Gartenteich

„So einen richtigen Winter haben wir ja gar nicht mehr“, meinte eine Nachbarin, der ich auf dem Hundespaziergang begegnet bin. Kein richtiger Winter mehr – hört man öfters, hat mich schon früher immer geärgert, als ich noch jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit gefahren bin: Wenn ich dann mit dicken Handschuhen und einer nicht besonders schicken Mütze, die aber gut die Ohren bedeckte, nach einer Radfahrt, auf der ich höllisch aufpassen musste, im Wald nicht auf einer gefrorenen Pfütze oder auch nur Raureif auszurutschen, in der Schule ankam, musste ich mir anhören, wie Kollegen, die aus der gut geheizten Wohnung in die geheizte Garage gingen, um dann ihre paar Kilometer zur Arbeit zu fahren, völlig überzeugt sagten: „einen richtigen Winter haben wir ja nicht mehr.“

Tatsächlich? Ich will mich jetzt gar nicht auf eine generelle Diskussion über das Klima und seine Entwicklung einlassen. Ob es in Buenos Aires, Los Angeles, Peking oder auch nur Berlin wärmer geworden ist, ist für meine Fragestellung unwichtig. Aber ist es hier in diesem Teil des Rheinlandes, in dem ich fast ohne Unterbrechung seit über 60 Jahren wohne, wärmer geworden? Und zwar im Winter. Denn Durchschnittswerte führen nicht weiter: Im Jahresschnitt kann es ja auch wärmer werden, wenn im Winter die Temperaturen gleich bleiben.

Es ist für meine Fragestellung auch irrelevant, ob es 1890, 1910 oder 1925 besonders kalt war. Denn die Menschen, die sagen, wir hätten hier im Erftkreis keine richtigen Winter mehr, können sich ja meist nur an die letzten 80 Jahre erinnern, höchstens. Alles andere können sie nur vom Hörensagen kennen.

Ist ganz leicht, hatte ich gedacht: Ich schaue mir einfach die Daten der nächstgelegenen Wetterstation an, in diesem Falle Nörvenich. Da wird aber erst seit 1986 gemessen. Also Köln oder Aachen. Leider aber habe ich beim Deutschen Wetterdienst, der eine recht unübersichtliche Datenbank unterhält, auch für diese beiden Städte keine Daten aus der Zeit vor 1980 gefunden – und die Datensätze, die dort jedermann zugänglich sind, sind nicht gerade userfreundlich aufgearbeitet: Tabellen, die aussehen wie aus den ersten Tagen der Computer, voller Abkürzungen.

Jetzt weiß ich also immer noch nicht, ob es hier im Erftkreis früher noch richtige Winter gegeben hat. Das Eis im Gartenteich taut jedenfalls schon wieder.

Eisige Sache

Eine Geschichte zu diesem Bild, das von http://euredurchlaucht.wordpress.com/ stammt und sich ursprünglich hier in Dinas feinem Blog findet:

Bild

Die Sonne wird auf dem Eis funkeln, weiße Spitzen auf die grün-blauen Brocken zaubern. Aber es wird nicht die Sonne sein, die ihr kennt. Es wird nicht das Glitzern sein, das ihr kennt und es wird sich nicht der blaue Himmel darüber wölben, den ihr kennt.

Ein kaltes Licht wird die Sonne werfen, ein fahles Licht. Im Winter wird das Sonnenlicht kaum stärker scheinen als heute das Mondlicht. Auch im Sommer wird die Sonne nur ein Abglanz der Sonne sein, die ihr kennt.
Unten im Tal, wo jetzt die Äpfel reifen und die wohlschmeckenden Trauben gedeihen, werden sich nur noch Pflanzen halten können, die ihr jetzt auf den Höhen der Berge findet. Kleine, unscheinbare Blumen werden ihre Blüten zum Licht hin recken. Meist vergeblich. Denn oft wird das Licht nicht ausreichen, oft werden ungeheure Massen an dunklen Wolken über den Himmel ziehen. Immer neue Wolken, Tag um Tag, immer dichter, immer schwärzer.
Und wenn die Wolkenwände einmal vom Südwind hinweggeweht werden, wird euch der Anblick der fernen Bergketten über dem dick vereisten See nicht erfreuen können. Denn durch die klare Eis-Luft werdet ihr sehen, wie nah die Gletscher schon an euch herangerückt sein werden. Langsam, unerbittlich werden sie in die Täler hinab gleiten. Nachts wird euch das tiefgründige Rumpeln der Gletscher, das Krachen berstenden Eises aus dem Schlaf aufschrecken.
Eines Tages wird dieses Rumpeln und Krachen aufhören. Ihr werdet Hoffnung schöpfen, hoffen, Konstanz oder Radolfzell könnten überleben am Rande der Eismassen, so wie jetzt Longyearbyen am Rande der hunderte Meter dicken Gletscher Spitzbergens überlebt.

Doch lange wird sie nicht andauern, diese Pause. Denkt daran: Diese Pause wird eure letzte Chance sein, bevor das große Eis seine angestammten Gebiete zurückerobern wird. Wenn die letzte Frist vorbei sein wird, dann werden unendliche Schneemassen fallen und die Gletscher werden den ganzen Bodensee bedecken, alles zermalmen, was sich ihnen in den Weg stellt. Mir klingt schon jetzt in den Ohren, wie sie jubeln werden, wenn sie die Täler und Senken wieder besetzen werden, die sie einst in Fels und Gestein gepflügt haben. Wer ein Ohr dafür hat, der wird es hören können, wie das Eis jauchzen wird, wenn es endlich wieder alles unter sich bedecken kann.

Erst dann, wenn das Werk vollendet sein wird, wird die Sonne langsam wieder ihre alte Kraft gewinnen, der Himmel sein volles Blau. Und wenn es dann noch jemand geben sollte, der ein Flugzeug steuern kann, dann wird er über eine unendlich weiße im Sonnenlicht funkelnde Eisfläche fliegen.