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Kurt Vonnegut: Geh zurück zu deiner lieben Frau und deinem Sohn

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Puh, ich komme so wenig zum Lesen. Oder habe keine Lust dazu. Für diesen Erzählungsband jedenfalls habe ich ewig gebraucht. Liegt aber nicht an den Erzählungen, die hier versammelt sind, da gibt es nichts zu meckern, auch wenn ich öfters den Einruck hatte, dass der Übersetzer sich nicht allzu viel Mühe gegeben hat.

Am meisten beeindruckt hat mich die Erzählung „Harrison Bergeron“. Da hat Vonnegut durchgespielt, wie eine Gesellschaft aussehen kann, in der das, was man so schön „Chancengleichheit“ nennt,  radikal durchgesetzt wird. Und wenn einer vom staatlich festgelegten Standard abweicht, dann wird er zurechtgestutzt, falls nötig beispielsweise seine Intelligenz elektronisch so gesenkt, bis er wieder der Norm entspricht …

Die Bilder zu meinem nebenstehenden Erzählungsband, den „unerotischen Sexgeschichten“, stammen von Hans-Jürgen Küster. Es handelt sich nicht um Illustrationen im engeren Sinne, ja, sie sind nicht einmal speziell für diesen Erzählungsband angefertig worden.

Sie sind mir sozusagen über den Weg gelaufen, ein glückliches Zusammentreffen.  Denn als Hans-Jürgen auf seiner Buchalov-Freunde-Tour 2014 auch bei uns vorbeigekommen ist und seine große Tausch-Kiste ausgepackt hat, da fiel mein Blick auf diese Zeichnungen: Genau, das wär’s doch! Und das ist es tatsächlich – der Meinung bin ich jetzt, wo nach einer absolut unkomplizierten Zusammenarbeit alles fertig ist, immer noch. Der eine oder andere mag die Zeichnungen für etwas sperrig halten – – – ok. – so soll es auch sein!
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Arno Schmidt – Windmühlen

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Nach langer Zeit mal wieder ein Buch gelesen. Na ja, ein dünnes Buch, ein Reclam-Büchlein. Aber so klein gedruckt, dass ich die Brille brauche.
Es lohnt sich aber, die Brille aufzusetzen. Obwohl ich „Zettels Raum“ nicht gelesen habe – sozusagen das Gegenteil eines Reclam-Büchleins – bin ich seit langem ein Fan von Arno Schmidt. Auch die in „Windmühlen“ versammelten Erzählungen habe ich mit Genuss gelesen, ein wenig Zeit nehmen muss man sich schon, denn leicht zu konsumieren ist Arno Schmidt nie.
Manchmal ist bei diesem Autor der Einwand zu hören, dass er mit viel sprachlichem Aufwand letztlich belangslose, handlungsarme Geschichten erzählt. Wer nur die beiden Erzählungen in „Windmühlen“, die in der Zeit des Nationalsozialismus spielen, liest, der wird zu einem anderen Sicht kommen.
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Als ich nur noch drei Seiten hatte, habe ich eine Pause gemacht und das Buch im Garten liegen lassen. Als ich zurück kam, hatte einer der lustig zwitschernden Vögel drauf geschissen. Den Rest habe ich tapfer gelesen, dann das Büchlein in die Blaue Tonne werfen müssen.