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Leos Sattel

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Zu den Sachen, die beim Ausräumen des Hauses meiner verstorbenen Schwester übrig geblieben sind, gehörte auch ein Sattel: Ein schönes nostalgisches Stück aus den 50er Jahren.

Kann ich nicht brauchen, dachte ich, solche Sättel sehen bequemer aus, als sie sind. Dann habe ich ihn trotzdem mitgenommen. Zur Erinnerung:

Der (ebenfalls verstorbene) Mann meiner Schwester, Leo, hatte sich Anfang der 50er Jahre ein Fahrrad gekauft. Damals ein Wertgegenstand, vor allem für einen jungen Mann, der gerade seine Lehre bei der Eisenbahn abgeschlossen hatte und der nicht aus einer begüterten Familie stammte – der Vater war auch bei der Eisenbahn gewesen, Lokführer, in den letzten Kriegstagen von Tieffliegern in seiner Lok erschossen, kaum 3 km Luftlinie von seinem Wohnort entfernt.

Leo war auch kein Lokführer, er verkaufte Fahrkarten in einer der zahlreichen Stationen der damaligen „Köln-Bonner-Eisenbahnen“, einer Privatbahn. Und obwohl er nicht viel Geld hatte, kaufte er kein einfaches Rad, sondern eines der besten, mit 5 Gängen. So etwas hatte kaum jemand. Ratenzahlung war damals im Fahrradgeschäft durchaus üblich. Leo zahlte 12 DM pro Monat.

Das Rad wurde regelmäßig geölt und gewienert – im Familienkreis spottete man, Leo putze sein Rad mit der Zahnbürste. Es sah immer picobello aus, auch dann noch, als die Nachbarn längst ein Auto putzten. Aber Leo fuhr Rad, er war schließlich bei der Eisenbahn und blieb sowieso am liebsten daheim.

In den 80ern begann meine Schwester sich für ihren Mann zu schämen: Mit dem ollen Ding fährst Du mir nicht mehr herum! Aber Leo blieb stur. Ein Auto wurde angeschafft, weil meine Schwester ein Auto wollte. Das Auto blieb meist in der Garage. Leo fuhr Rad, auch die 12 km über die Hügel der Ville zu meinen Eltern. Weitere Ausflüge machte er nicht. Er blieb, wie gesagt, am liebsten daheim oder fuhr mit „seiner“ Köln-Bonner Eisenbahn.

Irgendwann bekam der Sattel einen Riss im Leder. Das durfte nicht sein, weshalb ein neuer Sattel angeschafft wurde. Der alte wanderte in den Keller zwischen die Gartengeräte.

Meine Schwester war das alte Rad ein Dorn im Auge.  Als sie merkte, dass Leo nicht zu überzeugen war, nahm sie die Sache selbst in die Hand und schenkte Leo zu Weihnachten ein neues Rad. Und da Leo ein braver Ehemann war, benutzte er das neue. Das alte blieb im Keller. Da dumme Ding steht nur im Weg rum, schimpfte meine Schwester und stellte es irgendwann heimlich auf den Sperrmüll. Auch zu meinem Ärger, denn ich hatte ein Auge auf das gute Stück geworfen. Jetzt habe ich wenigstens den Sattel.

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Der faule Sack und sein Fahrrad

 

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Heute wollte ich mein Rad vom Winterdreck befreien. Wird ja langsam Zeit. Puh, das sieht nach Arbeit aus. Deshalb habe ich die Sache erst mal dokumentiert und eine Reihe Fotos gemacht. Hui, und jetzt ist schon Mittagszeit. Wird wohl heute nichts mit der Fahrradpflege.

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Frau sieht Mann (1)

Hiermit beginnt eine neue Serie:  „Aus Hausgeists Photolaboratorium“ . Fortsetzungen kommen ganz sporadisch.