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Franz Kafka: Die Erzählungen

(…. weil ich alle Bücher, die ich gelesen habe, hier vorstelle …)

Kafka – kennt man doch. Kafka – habe ich regelmäßig im Deutschunterricht durchgenommen. Und doch: Erstens mag ich Kafka nach wie vor und zweitens musste ich feststellen, dass ich längst nicht alle Erzählungen von Franz Kafka gekannt habe.

Ich bin auf Kafka gekommen, weil ich nach den zwiespältigen bis schlechten Leseerfahrungen mit deutschsprachiger Gegenwartsliteratur mich nach Klassikern umgesehen habe. Franz Kafka, „Der Bau“ lief mir über den Weg. „Der Bau“? Nie gehört. So habe ich mir das eBook bestellt und festgestellt, dass diese längere Erzählung mir tatsächlich völlig unbekannt gewesen ist: Der Ich-Erzähler, ein Tier, verkriecht sich in seinem unterirdischen, riesigen Bau, in dem es vor seinen Feinden sicher sein sollte, aber wird trotz allerlei Sicherheitsvorkehrungen doch zunehmend von seinen Ängsten gepeinigt.

Ach, habe ich gedacht, es geht doch nichts über Kafka und mir sämtliche Erzählungen bestellt. Na gut, auch Kafka hatte mal einen schlechten Tag und manches, was sich im Nachlass gefunden hat, wäre vielleicht besser in der Schublade geblieben. Und trotzdem hat sich für mich das Lesen und Wiederlesen von all den Erzählungen, von denen ich manche wie den „Bericht für eine Akademie“ nur vage im Kopf hatte, gelohnt.

Bücherschau, zweiter Teil

Ohne oder mit nur ganz schlechtem Internet hatte ich unterwegs viel Zeit zum Lesen von ganz normalen Büchern. Hier der zweite Teil meiner Leseliste:

rätsel kafka

Das beste ist der Umschlag, aber der ist auch auch nicht selbst entworfen, sondern eine Fotografie von Dalís „Hummer- oder Aphrodisisches Telefon” (1936). Aber so ganz stimmt das nicht, denn das Beste sind die beiden Geschichten von Franz Kafka, die hier abgedruckt sind. Eine („Blumfeld, ein älterer Junggeselle“) kannte ich noch nicht (irgendwie denke ich immer, ich würde alles von Kafka kennen – und dann taucht da noch was auf …), die andere („Ondradek“) ist bekannter. Wie gut diese Geschichten sind, sieht man unmittelbar, wenn man die anderen in diesem Band versammelten surrealistischen Geschichten liest: Es geht eben nichts über Meister Kafka.

Surreal sind auch die meisten Geschichten in dem dicken Science-Fiction-Sammelband von Heyne. Aber schon die Aufmachung dieser Bände zeigt, dass man dergleichen in Deutschland nicht zur Kultur, auf keinen Fall jedenfalls zur Hochkultur rechnet.

Heyne_Science_Fiction_Jahresband_1980

Das macht mir nichts und so lese ich von Zeit zu Zeit gerne gute Science-Fiction-Literatur. Bei Science-Fiction denken die, die sie nicht lesen, meist nur an irgendwelche Raumfahrtabenteuer oder Sternenkriege. Das ist glücklicherweise nicht so, die Science-Fiction-Literatur, die ich meine, ist überaus kreativ und zugleich nachdenklich machend. So in diesem Band die Geschichte von Robert Silverberg, die das Ende der Welt thematisiert oder die leider sehr kurze Story vom Altmeister Asimov, der humorvoll den Einsatz von Großcomputern in einem Krieg beleuchtet.

Von Robert A. Heinlein, den ich immer gerne lese (unvergleich sein „Fremder in einer fremden Welt“), ist „Der Mann, der den Mond verkaufte“ abgedruckt, weniger eine Geschichte, als ein ganzer Roman:

the man who sold

Eine intelligente Satire nicht auf den Wettlauf zum Mond, sondern auf kapitalistische Vermarktungs-Strategien, mithin immer noch lesenswert, auch wenn der Autor sich 1950 die erste Reise zum Mond doch etwas anders vorgestellt hat, als sie sich dann tatsächlich abgespielt hat. Aber auch das ist nicht ohne Reiz: Zu sehen, wie Heinlein bei seinen technischen Prognosen teilweise daneben gelegen hat, teilweise aber auch ins Schwarze getroffen hat.

Marcel Reich-Ranicki hat wahrscheinlich keine Science-Fiction-Literatur gelesen, er hat sich ja auch weitgehend auf deutschsprachige Literatur beschränkt. Ein buch eines deutschsprachigen SF-Autors habe ich auch angelesen, aber weggelegt: Nämlich „Zarathustra kehrt zurück“ von Herbert W. Franke, der einer der besten deutschen Autoren sein soll. Vielleicht ein Vorurteil von mir, vielleicht Zufall: Aber ist es nicht typisch für die Deutschen und die deutsche Literatur, dass sich Herbert W. Franke die Zukunft offenbar nur als eine Kette von Katastrophen vorstellen kann?

Nun hat es ja im Deutschland des 20. Jahrhundert wahrlich genug Katastrophen gegeben und Marcel Reich-Ranicki war mittendrin:

Marcel Reich Ranicki Mein Leben

Seine Autobiografie habe ich mit Skepsis angefangen, aber nach den ersten paar Seiten kaum noch aus der Hand gelegt. Nicht nur weil sie verdammt gut geschrieben ist, sondern weil sein Leben in Berlin, im Warschauer Ghetto, die Flucht, sein Überleben im Versteck einfach, wie soll ich sagen, berührt.

Und sein Wirken als Literaturkritiker in der Bundesrepublik ist für literarisch Interessierte auch Pflichtlektüre. Dass ich das erst jetzt gemerkt habe, ist eigentlich eine Schande.