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Kleine Geschäfte (2)

ffwiberndt

Wilhelm Berndt (1798 – 1877)

Zum Mittagessen geht’s nicht besser,
erst wird was Wurst und Fleisch gekauft,
und auch die vielen Butterfässer
sind leer – und nochmal wird was eingekauft.

Und will das Fleisch man braten,
was hilft’s, man muss zum Händler gehen,
denn weder Schwein noch Gans,
noch Kuh noch Zicklein kann man zieh’n.

So fehlt’s an Mehl, an Graupen, Grieß,
an Milch, an Obst, an Sauerkraut,
da spricht mein Weib, die Annelies:
Wie schlimm ist’s, wenn man nichts anbaut.

Dieses Gedicht stammt von meinem Ur-Urgroßvater Wilhelm Berndt. Ein Gutbesitzer, der 1868 mit 74 Jahren seinen Betrieb dem Sohn übergeben hat, in die nahe Kreisstadt gezogen ist und das Leben dort fürchterlich fand. Kein dummer Bauer, der Großvater meiner Großmutter väterlicherseits, sondern ein Mann, der viele Ehrenämter hatte, auch politisch tätig war, als Abgeordneter bei der preußischen Nationalversammlung mitgemischt und den preußischen Roter-Adler-Orden verliehen bekam, zwar nur in der dritten von drei Kategorien, aber immerhin. –

ffwiberndtalt

Wilhelm Berndt mit 77 Jahren

Was da mit kleinen Läden zu tun hat? Man sieht da die Entwicklung sozusagen auf der vorigen Stufe: Der alte Mann findet es schrecklich, dass man überhaupt etwas einkaufen muss und sich in der Stadt nicht wie früher auf dem Dorfe selbst versorgen kann. Er findet also genau die damals neuen kleinen Läden schrecklich, die uns heute wieder als ein Symbol einer „guten alten Zeit“  erscheinen.