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Noch mal Instagram

Nach einer Weile mit Instagram, das ich noch immer spannend finde, fällt mir mehr&mehr der wichtigste Unterschied auf:

Bei Instagram kann man nichts erzählen. Weder mit Worten (gut, theoretisch schon, aber bei Instagram scheint der Ehrgeiz dahin zu gehen, das gepostete Bild mit möglichst wenig Worten zu begleiten) noch mit Bildern, weil man ja auf ein einziges Bild beschränkt ist.

Manchmal spricht ein Bild nun doch nicht für sich alleine und die Geschichte bleibt dunkel. Wie bei dem folgenden Bild – oder?

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Ein Winter unter Hirschen

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Von Ralf Rothmann wollte ich schon immer etwas lesen. Auch dieses Buch lief mir über den Weg, wieder die ungelesene Originalausgabe, diesmal in einem öffentlichen Bücherschrank in der Fußgängerzone.

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Klingt poetisch, was auf dem Umschlag abgedruckt ist. Aber man darf sich nicht zu früh freuen, denn die meisten Erzählungen in diesem Band enden mehr oder weniger fürchterlich. Am besten hat mir noch der erste Text gefallen, in dem Rothmann erzählt, wie ein Ex-Partner seine Möbel aus der Wohnung abholt. Einfach, realistisch, eindrücklich.

Bei den anderen Erzählungen habe ich mich mehrmals gefragt, warum der Autor meint, so dick auftragen zu müssen. Reicht es nicht, wenn zwei Freundinnen sich von ihren mühseligen Sex-Abenteuern erzählen? Wieso müssen am Schluß nicht nur eine, sondern gleich vier Abtreibungen stehen? Eine andere Geschichte gewährt einen interessanten Blick auf brutale Zustände in Berlin-Kreuzberg. Am Schluss hat eine der beiden Hauptfiguren, ein Jugendlicher, einen Autounfall. Schlimm genug? Nein:Der Unfall muss filmreif auf einer Brücke stattfinden, der Jugendliche dabei theatralisch ums Leben kommen. Und dann erscheint da noch Hund, der dem Jungen mal gehört hat, ein Hundegeist – denn der reale Hund liegt derweil dösend auf dem Sofa … zu viel Effekt, scheint mir. Als ob Rothmann Drehbücher für ein abgestumpftes und übersättigtes Publikum entworfen hätte.

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Mit dieser Meinung stehe ich offenbar nicht alleine. Denn verkaufen lässt sich das Buch trotz besten Zustandes auch nicht gewinnbringend – 1 Euro kostet es im Internet-Antiquariat.

Stierkampf

Vor gut einem Jahr, ich erinnere mich noch genau, hat unser Nachbar, der Herr Ruiz Rojo, auf einem der asturischen Viehmärkte nach langem Abwägen und Vergleichen einen anderthalbjährigen Stier gekauft, natürlich einen rassereinen asturischen Stier, der ungefähr so aussieht:

Asturischer Stier - Foto von Jorge Caldevilla

Asturischer Stier – Foto von Jorge Caldevilla

Er hatte mir damals das Tier vorgeführt und mich auf das Hinterteil hingewiesen. Ein herrliches Hinterteil, breit und fleischig, viele fleischige Nachkommen versprechend. Aber der Schönling hat sich nicht bewährt. Nicht dass es ihm an Potenz gemangelt hätte. Er hat seine Aufgabe stets prompt erledigt und eine Menge Nachwuchs gezeugt, lauter gesunde, rassereine und lebensfrohe asturische Kälber. Aber eins ist ihm nicht gelungen, beklagte sein Besitzer: Das Merkmal zu vererben, wegen dem er angeschafft worden war. Die Kälber erwiesen sich als zur Fleischproduktion wenig geeignet und erzielten keinen guten Preise.

Es galt, nicht länger zu warten. Ein dreijähriger Bulle ist noch eine Menge Geld wert, vor allem,  wenn er so ein prächtiges Hinterteil hat. Den Rest brauchte man dem Käufer ja nicht zu erzählen. Da der Herr Ruiz Rojo sich seinen guten Ruf bei den Bauern nicht verderben wollte, verkaufte er nicht an einen anderen Viehzüchter, sondern an einen Viehändler. Der kam mit seinem Range Rover angerauscht und nach kurzem Palaver einigte man sich auf einen guten Preis, am nächsten Tag schon sollte der Stier abgeholt werden.

Schon am frühen Vormittag holte der Nachbar den Stier von seiner Weide und trieb ihn bergauf zu einem seiner Kuhställe. Allerdings nicht alleine, sondern mit Hilfe seiner Frau, denn Stiere sind bekanntlich Tiere, die sich nicht so einfach führen lassen wie Kühe. Aber diesmal trottete der Stier friedlich den ihm wohlbekannten Weg zum Stall und wurde in eine Art Pferch gesperrt, einen etwa 10 x 15 Meter großen Platz mit einer Tränke, der ringsum von hohen Steinmauern umgeben ist.

Nachmittags kam ein silbergrauer Pickup mit einem ebenfalls silbergrauen geschlossenen Viehanhänger, der aussah wie ein Pferdetransporter, aber deutliche Spuren von Hufen und Hörnern hatte, den Berg hinauf gefahren, aus dem zwei junge Männer stiegen, die Gehilfen des Viehhändlers. Wir tranken gerade unseren Nachmittagskaffee und konnten von unseren Liegestühlen aus das Ganze gut überblicken. Der Hund konnte wegen der Steinmauern nichts sehen und setzte seinen Mittagsschlaf fort.

Der Anhänger wurde rückwärts genau in das Tor zu dem Pferch platziert, eine fahrerisch sehr anspruchsvolle Aufgabe, die ich gebührend bewunderte. Der Nachbar führte seinen Stier mit gutem Zureden langsam zum Anhänger, die beiden Männer guckten gelangweilt zu, hatten aber doch beide je einen kräftigen Stock in der Hand. Der Stier war schon zur Hälfte im Anhänger, bewegte sich aber nur ganz langsam, so dass einer der Burschen laut „Venga!“ rief – was man zu Kühen halt so sagt in Asturien, wenn sie weiter laufen sollen.  Da sprang unser Hund auf und bellte kurz, aber sehr kräftig. Das wiederum kam dem Stier wohl komisch vor und er blieb stehen, worauf er einige kräftige Stockhiebe auf das schöne Hinterteil bekam. Da wurde es ihm wohl zu bunt. Er ging los, aber rückwärts, bis er wieder draußen war, nahm kurz Anlauf und sprang in einem nicht uneleganten Satz über die brusthohe Steinmauer auf die Wiese hinter unserem Haus.

Foto: Wikipedia

Foto: Wikipedia

Dass Stiere so gut springen können! Das gab mir doch zu denken, denn ich hatte keine Lust, vom interessierten Beobachter zum Mitspieler zu werden. Zwar trennten den Stier noch zwei Zäune von unseren Liegestühlen, aber nur niedrige Stacheldrahtzäune mit morschen Pfählen, kein Problem für einen übel gelaunten und sprungkräftigen Stier. Ich beschloss also, mit dem Hund ins Haus zu gehen, um den Abwasch zu erledigen. Die Gattin sagte etwas wie „Du Angsthase“ und folgte mir nach. Der Abwasch war schnell erledigt, denn das Kaffee-Geschirr hatten wir in der Eile draußen stehen lassen. Der letzte Löffel war noch nicht abgetrocknet, da hörte ich, wie die Tür des Vieh-Anhängers zugeworfen und der Motor angelassen wurde. Die Luft ist rein, dacht ich und ging neugierig hinaus. Aber noch war der Anhänger leer. Der Fahrer versuchte nur, ihn rückwärts möglichst nahe vor die Eingangstür zum Stall zu bugsieren, was ihm dank seiner schon erwähnten Fahrkünste beim dritten Versuch auch gelang.

Der Stier, schloss ich, hatte sich in den Stall begeben, in dem dunklen und ihm wohlbekannten Raum fühlte er sich offenbar sicher. Der Nachbar ging herein und führte den Stier langsam zum Anhänger. Ob das Tier keine Lust mehr hatte und sich deshalb in sein Schicksal ergab oder ob ihm der Übergang vom dunklen Stall in den dunklen Hänger weniger unheimlich vorkam – er trottete brav in den Hänger, die Tür wurde zugeschlagen und verriegelt. Frauen wären sich jetzt vor Freude um den Hals gefallen, aber die Cowboys blieben cool, zogen ein Bündel mit Geldscheinen aus der Tasche, welches sie dem Nachbarn aushändigten, dem das verschwitzte Arbeitshemd auf dem Bauch klebte.

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Andere Geschichten aus Asturien und feine Bilder von Roswitha Mecke finden sich in diesem Büchlein, das es für 3,90 € bei Amazon gibt, als Ebook für 2,99 €:

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