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Bettenanbieten

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Das Buch „Bettenanbieten“ von Joachim S. Gumpert habe ich nur wegen der Illustrationen aus dem Regal des öffentlichen Bücherschranks Kerpen gezogen. Die Illustration oben von Bernd A. Chmura beispielsweise zeigt sozusagen den Rezensenten 2.0 – während er liest, werden seine Gehirnströme gemessen und daraus automatisch seine Einschätzung des gelesen Textes generiert …..

Zu Hause erst habe ich gemerkt, dass es sich bei „Bettenanbieten“ um ein 1978 in der DDR erschienenes Büchlein handelt. Gelesen habe ich es kaum 5 km von der ehemaligen Zonengrenze entfernt, bei einer Erkundungstour durchs winterliche Wendland in einem Ort mit dem seltsamen Namen Simander.

Ein vergnügliches Büchlein, nicht nur wegen der Illustrationen. Kleine schrullige Erlebnisse und Begebenheiten aus dem Alltag der DDR erzählt der Autor. Immer voller Humor, aber dass die Zustände in der DDR dabei nicht gut wegkommen, ist nicht zu übersehen.  Hätte ich der DDR gar nicht zugetraut, dass dort solche Texte erscheinen können, habe ich gedacht.

Wieder zu Hause im Rheinland habe ich dann was rumgegoogelt. Das Buch ist unter Pseudonym erschienen, der Autor hat seinen Job als Verlagslektor aus politischen Gründen verloren. Jetzt stimmt mein Weltbild wieder.

Bücherschau, zweiter Teil

Ohne oder mit nur ganz schlechtem Internet hatte ich unterwegs viel Zeit zum Lesen von ganz normalen Büchern. Hier der zweite Teil meiner Leseliste:

rätsel kafka

Das beste ist der Umschlag, aber der ist auch auch nicht selbst entworfen, sondern eine Fotografie von Dalís „Hummer- oder Aphrodisisches Telefon” (1936). Aber so ganz stimmt das nicht, denn das Beste sind die beiden Geschichten von Franz Kafka, die hier abgedruckt sind. Eine („Blumfeld, ein älterer Junggeselle“) kannte ich noch nicht (irgendwie denke ich immer, ich würde alles von Kafka kennen – und dann taucht da noch was auf …), die andere („Ondradek“) ist bekannter. Wie gut diese Geschichten sind, sieht man unmittelbar, wenn man die anderen in diesem Band versammelten surrealistischen Geschichten liest: Es geht eben nichts über Meister Kafka.

Surreal sind auch die meisten Geschichten in dem dicken Science-Fiction-Sammelband von Heyne. Aber schon die Aufmachung dieser Bände zeigt, dass man dergleichen in Deutschland nicht zur Kultur, auf keinen Fall jedenfalls zur Hochkultur rechnet.

Heyne_Science_Fiction_Jahresband_1980

Das macht mir nichts und so lese ich von Zeit zu Zeit gerne gute Science-Fiction-Literatur. Bei Science-Fiction denken die, die sie nicht lesen, meist nur an irgendwelche Raumfahrtabenteuer oder Sternenkriege. Das ist glücklicherweise nicht so, die Science-Fiction-Literatur, die ich meine, ist überaus kreativ und zugleich nachdenklich machend. So in diesem Band die Geschichte von Robert Silverberg, die das Ende der Welt thematisiert oder die leider sehr kurze Story vom Altmeister Asimov, der humorvoll den Einsatz von Großcomputern in einem Krieg beleuchtet.

Von Robert A. Heinlein, den ich immer gerne lese (unvergleich sein „Fremder in einer fremden Welt“), ist „Der Mann, der den Mond verkaufte“ abgedruckt, weniger eine Geschichte, als ein ganzer Roman:

the man who sold

Eine intelligente Satire nicht auf den Wettlauf zum Mond, sondern auf kapitalistische Vermarktungs-Strategien, mithin immer noch lesenswert, auch wenn der Autor sich 1950 die erste Reise zum Mond doch etwas anders vorgestellt hat, als sie sich dann tatsächlich abgespielt hat. Aber auch das ist nicht ohne Reiz: Zu sehen, wie Heinlein bei seinen technischen Prognosen teilweise daneben gelegen hat, teilweise aber auch ins Schwarze getroffen hat.

Marcel Reich-Ranicki hat wahrscheinlich keine Science-Fiction-Literatur gelesen, er hat sich ja auch weitgehend auf deutschsprachige Literatur beschränkt. Ein buch eines deutschsprachigen SF-Autors habe ich auch angelesen, aber weggelegt: Nämlich „Zarathustra kehrt zurück“ von Herbert W. Franke, der einer der besten deutschen Autoren sein soll. Vielleicht ein Vorurteil von mir, vielleicht Zufall: Aber ist es nicht typisch für die Deutschen und die deutsche Literatur, dass sich Herbert W. Franke die Zukunft offenbar nur als eine Kette von Katastrophen vorstellen kann?

Nun hat es ja im Deutschland des 20. Jahrhundert wahrlich genug Katastrophen gegeben und Marcel Reich-Ranicki war mittendrin:

Marcel Reich Ranicki Mein Leben

Seine Autobiografie habe ich mit Skepsis angefangen, aber nach den ersten paar Seiten kaum noch aus der Hand gelegt. Nicht nur weil sie verdammt gut geschrieben ist, sondern weil sein Leben in Berlin, im Warschauer Ghetto, die Flucht, sein Überleben im Versteck einfach, wie soll ich sagen, berührt.

Und sein Wirken als Literaturkritiker in der Bundesrepublik ist für literarisch Interessierte auch Pflichtlektüre. Dass ich das erst jetzt gemerkt habe, ist eigentlich eine Schande.

Kuhhirt – ein interessanter Sommerjob

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Es soll Leute geben, die im sich im Sommer eine Ferienwohnung mieten oder noch mehr Geld für ein Hotel ausgeben.  Es geht aber auch billiger. Mein Tipp: Kuhhirt in Asturien.

Man verdient nicht schlecht, 1200 € pro Monat, da sind das Wohnen und einige Naturalien wie Milch, Käse und ein gutes Stück erstklassiges Rindfleisch dann und wann inbegriffen. Auch die Arbeitszeiten sind nicht schlecht, 8 Stunden täglich. Gut, am Wochenende muss man auch auf die Kühe aufpassen, aber dafür hat man dann einen Tag in der Woche frei.

Meist kann man oben in den Bergen sitzen und in Ruhe den Kühen zusehen.

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Es gibt natürlich auch unangenehmere Arbeiten, z. B. einen dieser verdammten uralten dunklen Ställe ausmisten. Aber zum Glück macht das jeden zweiten Tag der Patron selbst.

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Wenn den ganzen Tag kein anderer Kuhhirt zu Besuch kommt, kann es abends auch mal langweilig werden, das stimmt.

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Aber irgendwann ist es geschafft. Die Kühe gehen schlafen und der Kuhhirt hat frei. –

Ob es noch freie Plätze gibt? Klar, die Arbeit will niemand machen. Die Jugendlichen aus dem Dorf melden sich lieber arbeitslos und verdienen sich per Schwarzarbeit etwas dazu. Der Francisco, der immerhin 45 Kühe zu versorgen hat, musste schon die Ziegen abschaffen, weil er niemand findet. Ein Schwarzafrikaner war ein paar Monate bei ihm, dann ein Grieche, der Frau und Kinder verlassen hatte und keinen Unterhalt zahlen wollte, verschiedene Rumänen, auch ein Portugiese. Einen fleißigen Deutschen (m/w) würde er sofort nehmen!

Mehr aus dem Dorf in den grünen asturischen Bergen gibt es hier zu lesen –

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