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Die Spreu vom Weizen trennen


Mähdrescher rattern, Traktoren mit Anhängern donnern durch das Dorf: Die Getreide-Ernte hat begonnen. Wenn die Bauern ernten, habe ich mir gedacht, kann ich das ja auch machen. Und habe mein Getreide geerntet, bestehend aus einer einzigen Pflanze mit 5 Ähren, die sich wohl selbst ausgesät hat.
Erstaunlich, wie viele Körner aus einem einzigen Samenkorn sich entwickelt haben….
Mangels Mähdrescher war es übrigens gar nicht so einfach, die Körner aus den Ähren zu fummeln und dann die Spreu vom Weizen zu trennen. Wie würde Robinson auf seiner Insel das machen, ging mir durch den Kopf. Als Robinson wäre ich wohl eher ein Versager, denn für das kleine Schüsselchen habe ich ewig gebraucht. Und ob das Gerste oder Weizen ist, gar Roggen, weiß ich auch nicht. Aber andererseits: Der hatte ja viel Zeit, der Robinson.

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Unser Brot

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„Hier wächst unser Brot!“ pflegte der Vater meines Schwagers seinen 5 Söhnen zu sagen, wenn sie an einem Getreidefeld vorbei kamen. Klingt pathetisch, hat mir nie gefallen.

Wer in einem der beiden Erzählungsbände liest, die dieser Mann, der Albert Hantsch hieß, geschrieben hat, kann sich diese Ehrfurcht vor den Früchten des Feldes leicht erklären. In seinem kleinen Erzählband, der den für Nicht-Insider unverständlichen Titel „Vom Hummel zur Heuscheuer“ trägt, beschreibt er, mit welcher Mühe seine Eltern einen kleinen, steilen Bergacker mit Kartoffeln bebaut haben, Kartoffeln, die dann den ganzen Winter über als Nahrungsgrundlage der Familie gedient haben. Das war kurz nach 1900 in dem direkt an der tschechischen Grenze gelegenen Ort Tscherbeney, wo auch damals noch in der kleinen Wohnstube der große Webstuhl stand und von früh bis spät gewebt wurde, Zustände herrschten, wie sie Gerhart Hauptmann in seinem Drama „Die Weber“ geschildert hat.

 

Erntesonntag

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Die Getreideernte läuft auf Hochtouren, Am Sonntag ist das Feld hinter unserem Haus abgeerntet worden. Schwuppdiwupp, schon war der ganze Weizen weg.

Getreideernte: Wer dergleichen noch nicht aus der Nähe erlebt hat, macht sich wahrscheinlich eine falsche Vorstellung. Es fängt damit an, dass die Mähdrescher über die Dorfstraße fahren, Ungetüme, die 15 – 17 Tonnen wiegen und mit ihren Stollenreifen und dem 591 PS-Diesel ordentlich viel Lärm machen. Dahinter ein Traktor, der auf einem Anhänger das Mähwerk transportiert. Der Mähdrescher auf dem Bild, der hinter unserem Haus gemäht hat, hat ein 10 Meter breites Mähwerk, das muss natürlich separat transportiert werden. Dahinter fahren dann zwei Traktoren mit Anhängern, auch das ziemliche Ungetüme, die mit den niedlichen kleinen Traktoren, wie sie in TV-Spielfilmen vorzukommen pflegen, so viel zu tun haben wie ein Porsche Cayenne mit einem Goggomobil. Ich vermute, die TV-Produzenten leihen sich die netten kleinen Traktörchen immer beim örtlichen Oldtimer-Verein aus.

IMG_0035-2Der Mähdrescher kann den ganzen Tag ohne Pause ernten, denn in den Benzin-Tank passen 1200 Liter Diesel, in den Korntank 12500 Kilo Getreide, die blitzschnell in einen der speziellen Schwerlastanhänger geblasen werden. So ein Mähdrescher kostet in der Grundversion um die 500.000 €, die Aufpreisliste ist so lang wie bei BMW: Klimaanlage, Laserpilot, Bordcomputer mit Touchscreen, vollautomatische Höhenanpassung des Schneidwerks sind eigentlich schon Standard. Dazu kommt die permanente Ertragsmessung per GPS, so dass der Landwirt nach der Ernte von jedem Feld genau weiß, an welcher Stelle der Ertrag wie hoch war, um im folgenden Jahr die Düngung entsprechend anzupassen.

Der Mähdrescher auf dem Bild kann in der Stunde über 60 Tonnen Weizen ernten – daraus kann man gut 100.000 Brote zu je 1 Pfund backen.

So gegen 23.00 Uhr ist Schluss. Da donnert die Traktoren-und-Mähdrescher-Prozession zum letzten Mal durchs Dorf. Mit Vollgas, klar, der Feierabend ruft.

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