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Zwei Weicheier im Nebel

Ich bin doch kein Weichei! Mein Mitradler will auch kein Weichei sein. So fahren wir los. Drei Grad, dichter Nebel. WetterOnline hat versprochen, bald käme die Sonne durch. Und wirklich, ist es da oben nicht schon ein wenig blau? Wenigstens ein kleines bisschen heller?

Wir radeln an der Bahnlinie entlang, Strampeln macht warm. Wenn man viel strampelt, werden sogar die Hände warm.

Dann zu einem Bauernhof, wo es ganz besonders gute Eier gibt. Mein Mitradler kauft wie immer zwei Packungen Eier, ich erkläre ihm wie immer, dass die Eier viel zu teuer sind, dass Hühner, weil sie kein Gras fressen, gar keine Lust haben, auf einer Wiese rumzulaufen und dass es an Tierquälerei grenzt, Hühner, die von Natur aus panische Angst haben, wenn ein großer Vogel am Himmel erscheint, direkt in der Einflugschneise eines Militärflughafens zu halten.

Wir radeln weiter, plaudern über die kleinen Enkelkinder, dann über die große Politik. Ich nicht so enthusiastisch, weil mir die Puste ausgeht. Nach ein paar Kilometern müssen wir eine Pause machen, denn mein Mitradler hat kalte Füße. Klar, er trägt zwar eine Wollmütze unter dem Fahrradhelm, eine dicke Jacke und eine lange Unterhose, aber seine schicken italienischen Sommerschuhe sind für das Wetter nicht so recht geeignet. Die Sonne lässt sich immer noch nicht blicken, der Nebel wird eher immer dichter. Meine Füße stecken in gefütterten halbhohen Schuhen, aber weil mir es an der nötigen Kondition mangelt, stimme ich der Abkürzung zu, ich kenne kenne die Wege ja.

Die Felder hier in der Gegend sind groß, es ist fast völlig eben, bald ist nichts mehr zu sehen, überall dichter Nebel. Ein Windrad taucht auf. Genauer: Der untere Teil des Sockels, vom Rest ist nichts zu sehen. Ich hatte das Windrad zwar etwas weiter links vermutet, aber irgendwo hier in der Gegend stehen zwei Windräder, das steht fest. Zwei Kilometer später eine Feldwegkreuzung. Hm. Wo geht es lang? Ich denke, du kennst dich hier aus, meint mein Mitradler. Normalerweise orientiere ich mich an den Kirchtürmen, brumme ich. Aber ich habe einen Joker im Ärmel, genauer: mein Smartphone in der Tasche.

Stolz erzähle ich, dass mein Smartphone jetzt dank GPS auch ohne Internetverbindung immer weiß, wo ich bin. Klappt prima, da, wo der grüne Punkt ist, sind wir, da die Kreuzung, wir müssen nur einfach geradeaus weiter fahren, immer geradeaus bis zum Bahndamm. Mein Mitradler, normalerweise kein Freund technischer Innovationen, ist beeindruckt.

Wir radeln weiter, das Gespräch ist verstummt, Kraft sparen, heißt die Devise. Zumal der Bahndamm doch viel weiter entfernt ist als gedacht. Tja, to make a long story short: Der Bahndamm kam nicht, statt dessen eine Landstraße, auf der man auch irgendwie in unser Dorf kommt, ist halt nur ein Stück weiter.

Wie konnte das nur passieren? Das GPS funktioniert doch einwandfrei …! Daheim gucke ich mir die Sache noch mal an. Oh, kleiner Einstellungsfehler, das Häkchen bei „Oben ist immer Norden auf der Karte“ hat gefehlt.

Hilfe, mein iPod weiß, wo ich bin!

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Ein Foto vom Rursee, für den, der weiß, wie duster es in der Eifel im Herbst sein kann, nichts besonderes, mit dem iPod aufgenommen vom Boot aus, mitten auf dem See.

Seltsam nur, dass in den zusammen mit der Aufnahme gespeicherten Daten auch der Ausnahmeort erfasst ist.

Ist doch klar, meinte der erste, den ich danach gefragt habe, das wird mit GPS gemacht. – Kann aber nicht sein, weil der iPod gar kein GPS-Modul hat.

Dann irgendwie mit Mobilfunk, der peilt halt die nächsten Mobilfunk-Antennen an. – Kann auch nicht sein, der iPod hat keinerlei Mobilfunk-Modul.

Aber man kann mit dem iPod doch ins Internet. – Ja, klar, aber nur, wenn man sich in ein WLAN einloggt. Leider ist mitten auf dem Rursee  garantiert kein WLAN, erst recht keines, das öffentlich ohne Passwort zugänglich wäre.

Nun leide ich nicht unter Verfolgungswahn und finde es auch nicht so besonders schlimm, wenn mein iPod mit einer rätselhaften Methode speichert, wo ich bin. Andererseits: Irgendwie beunruhigte mich das doch.

Also habe ich mal nachgeforscht. War nicht einfach, meist geht es um Geräte mit GPS oder Mobilfunk. Irgendwann bin ich dann doch auf die Lösung gestoßen:

Es geht tatsächlich mit dem WLAN. Und zwar, obwohl ich mit gar keinem WLAN verbunden bin. Irgendwo nämlich gibt es ein gigantisches Register, in dem sämtliche WLAN-Sender gespeichert werden, mit der genauen Standortangabe. Wenn ich jetzt mit meinem iPod durch die Gegend fahre, dann nimmt der iPod mit jedem erreichbaren WLAN Kontakt auf. Der Einwand, dass ein WLAN bekanntlich nur ein local area network ist, das allenfalls 20 Meter weit geht, zieht nicht: Das mit den 20 Metern gilt nur für das Herstellen einer stabile Verbindung. Dass da überhaupt ein WLAN rumsendet, kann der Empfänger im iPod von erheblich größerer Distanz registrieren.

Wenn ich also jetzt irgendwo ein Bild mache, dann speichert der iPod einfach den Standort des nächstgelegenen WLANs oder den Standort des WLANs, das er zuletzt anpeilen konnte. Letzteres ist nicht unwichtig: Das bedeutet nämlich, dass der iPod auch dann, wenn ich die Kamera gar nicht aktiviert habe und kein Bild mache, ständig darüber Buch führt, im Bereich welcher WLANs ich mich gerade aufhalte…

Beruhigend finde ich das alles nicht.