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Gegensätze in Flores, Guatemala

Es kommt nur auf den Blickwinkel an. Schaut man nach Osten, sieht man den einsamen, menschenleeren See.
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Dreht man sich herum, bekommt man einige Frauen in traditioneller Maya-Tracht in den Blick.IMG_6237n

Was man nicht sieht: Die Frauen sind weiter aus dem Süden Guatemalas gekommen, sie machen machen einen Sonntagsausflug nach Flores, es sind Touristinnen. In Flores trägt niemand die alten Maya-Trachten. 

Malerische altertümliche Strassen und Häuser habe ich in den vorigen Beiträgen gezeigt. Aber auch hier braucht man sich nur herum zu drehen und ein paar Schritte zu gehen und schon steht man vor einen hochmodernen Shopping-Mall, die von dicken Lautsprechern kräftig beschallt wird. Meist ist trotzdem recht wenig los im Shoppingcenter „Mundo Maya“.

DSC05020nWiederum ein Stück weiter noch ein Shoppingcenter, in dem dieses Gebäude steht:

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Eine Filiale der „Megapaca“-Kette. Hier werden im großen Stil Textilien verkauft, die aus den Altkleidersammlungen der USA stammen:

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Das Bild zeigt übrigens nur ein Drittel des Ladens. – Ich habe mir zwei Oberhemden, eine leichte Reisetasche und zwei dicke Winterjacken gekauft. Winterjacken werden aus den USA angeliefert, bleiben aber liegen. Wer braucht in den Tropen schon eine Daunenjacke?

 

Am Zentralplatz in Flores

Am höchsten Punkt der Insel Flores befindet sich der Zentralplatz, auch Park genannt, weil dort ein paar Bäume rumstehen. Dominiert wird der Platz aber von der Kirche und zwei weiß gestrichenen Gebäuden. In einem davon ist die Verwaltung des Departamento Petén untergebracht:
DSC04754 DSC04755Ein gepflegtes Gebäude, in dem nicht nur zur Mittagszeit nicht viel los ist. Dabei wird von hier aus das ganze Departamento regiert, eines der Bundesländer Guatemalas, das immerhin so groß ist wie Nordrhein-Westfalen oder Baden-Würtemberg. Gut, es leben nur knapp 600.000 Menschen auf dieser Fläche (1970 waren es nur 25.000 (!) – aber die Bevölkerungsentwicklung ist ein anderes Thema), trotzdem wundert sich der europäische Besucher, wie klein diese Verwaltungsbehörde zu sein scheint.
Direkt nebenan die Verwaltung der Stadt und der Gemeinde, in der immerhin 26.000 Menschen leben:
DSC04699DSC04752DSC04697Auch hier ist nichts los, eigentlich nie. Das Arbeitsamt besteht aus einem Raum, in dem sich zwei Mitarbeiter langweilen, denn wo es kein Arbeitslosengeld gibt, meldet sich selten jemand arbeitslos. So hat man genug Zeit, feine Statistiken zu erstellen und der Welt stolz zu verkünden, die Arbeitslosenquote in Guatemala liege bei 4,1 %.

Wenn man näher herangeht, sehen die Gebäude schon nicht mehr so toll aus, da hilft auch die Dämmerung wenig:

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Die wahre Attraktion des Platzes ist das Basketball-Feld. Jeden Abend treffen sich hier jüngere und ältere und versuchen, den Ball in den Korb zu werfen, andere schauen zu. Mittags liegt das Basketball-Feld verlassen da. Mittags bleibt man besser im Schatten, das weiß hier jeder. Nur so bekloppte Gringos wie ich laufen dann über die Plaza und fotografieren.
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Gringos perdidos

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„Gringo perdido“ – das ist ins Englische leichter zu übersetzen als ins Deutsche: „Lost white man“ trifft die Sache ziemlich genau. In El Remate am Lago Petén Itza gibt es einige Nordamerikaner und Europäer, die dort hängengeblieben sind und sich eine Existenz aufgebaut haben. Ein schönes Fleckchen, dieses El Remate, das außerdem an der Strasse liegt, die zu den weltberühmten Maya-Pyramiden von Tikal führt.

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Dass in El Remate die Infrastruktur, was das Shopping angeht, eher einfach ist, dürfte den Gringos, die ja schließlich gekommen sind, um der Welt des Konsums zu entfliehen, gerade recht sein. Und dann das eine oder andere Schwein direkt neben der Hauptstraße, also einfache, naturverbundene Strukturen – da lacht das Herz des Aussteigers.

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Allerdings muss der Gringo, wenn er an dem See, der rings ums Jahr lächelt und zum Bade ladet, dauerhaft bleiben will, irgendwie Geld heranschaffen. Was liegt näher, als an den anderen Gringos zu verdienen? Ein idealer Ort, um Touristen anzulocken, die nach Kultur und Pyramiden-Kletterei Lust auf Entspannung haben. Also betreiben die Gringos perdidos kleine Campingplätze, die sich alle rühmen, ökologische Campingplätze zu sein, und nicht mehr sind als eine Wiese mit einem einfachen Waschhaus. Einige haben es zum Hotelier gebracht, wenn auch manche Hotels deutlich zeigen, dass Startkapital recht bescheiden war.

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Ein Paar aus Kalifornien hat im Laufe der Jahre eine Urwald-Logde aufgebaut, die fast schon so groß ist wie ein ganzes Dorf, die 80 km weiter südlich liegende Finca Ixobel – ein sehr schöner Ort. Wer direkt am See, aber doch mit echtem Urwald-Feeling mitten im Regenwald wohnen möchte, kann das durchaus komfortabel in der Posada del Cerro, eine sehenswerte Anlage mit mehreren Gebäuden, die als rustikal zu bezeichnen eine Untertreibung wäre; entworfen und geleitet von einem deutschen Aussteiger und seiner brasilianischen Frau.

Nicht alle Gringos Perdidos allerdings haben Erfolg in der Aussteiger-Unternehmer-Branche, wie beispielsweise der Gringo, der davon lebt, „richtiges“ Brot zu backen und mit dem Fahrrad seinen Kunden zu bringen. Es sind nicht viele Kunden. Der Guatemalteke als solcher isst kaum Brot und so ein hartes, dunkles Zeugs, das Deutsche und einige amerikanische Öko-Freaks für gesund halten, schon mal gar nicht.