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Vogelgezwitscher auf der A4

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Jetzt ist sie schon seit fast einem Jahr gesperrt, die alte A4. Die Bäume rauschen leicht, Vögel zwitschern, kein Mensch, kein Motor weit und breit. Herrlich,

aber etwas Beängstigendes hat der Aufenthalt auf dieser Brücke auch. Stillstand, Leblosigkeit, ein Hauch von Katastrophe, Bilder aus einem Science-Fiction-Film kommen in den Sinn.

Und überhaupt: Kein Motor weit und breit ist nur so lange fein, bis man selbst irgendwohin fahren will. Oder so: In meinem Dorf / in meinem Königreich gibt es nur ein Auto: Meins. Gut, das war jetzt ziemlich egoistisch.

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Und dahinten beginnt der Tagebau (5)

Tagebau Liblar, Tagebau Frechen – jetzt wohnen wir schon über ein halbes Jahr am Rande des Tagebaus Hambach.
Sehen kann man von diesem Tagebau nichts. Jedenfalls nicht von unserem Dorf aus, auch nicht von den Feldern und Wäldern ringsum aus. Klar, denn der Tagebau ist ja ein Loch in einer völlig flachen Landschaft. Um in den Tagebau hinein sehen zu können, muss man also an den Rand dieses Loches.

... das ist nur 100 Meter vom Tagebaurand entfernt ...

… das ist nur 100 Meter vom Tagebaurand entfernt …

Das war früher, beim Tagebau Frechen, ganz einfach. Man ging an den Rand und guckte hinunter. Mit der Erinnerung im Kopf bin ich vor einiger Zeit mit zwei Menschen zum Tagebaurand geradelt, um den beiden unsere Attraktion zu zeigen. „Betreten streng verboten!“ stand auf mehreren Schildern. Die Schilder gab es in Frechen auch, da braucht man sich nicht drum zu kümmern, sprach ich und radelte durch eine Lücke im Baustellenzaun. Wir gingen noch ein wenig über ein Feld, dann standen wir am Rand des riesigen Loches. Keine 5 Minuten standen wir da, da kam schon der Werkschutz angebraust und es kam zu einem Gespräche, an dessen Ende ich froh war, dass der Werkschutzmensch nicht die Polizei gerufen hat. 1995, das habe ich da gelernt, war ein Tagebau noch nicht weiter als ein Loch in der Erde. 2014 ist ein Tagebau eine Art Hochsicherheitszone, die von dem Betreiber permanent gegen sogenannte Umweltaktivisten abgeschirmt werden muss.

Weil aber jeder mal einen Blick in das tiefe Loch werfen will, hat das RWE an mehreren Stellen Aussichtspunkte eingerichtet. Der größte trägt den schönen Namen „terra nova“ – und weil man irgendwie modern sein will, ist vor dem terra ein Doppelpunkt – :terra nova. Ein Restaurant, ein Fußball-Golf-Platz, Kinderspielplatz, Strandstühle mit Sonnnenschirmen, damit man die Aussicht in den Tagebau genießen kann:

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Von hier aus müsste man den eigentlichen Tagebau sehen können, aber er verschwimmt völlig im Dunst

 

Terra nova – neues Land – soll wohl darauf verweisen, dass hier irgendwann einmal neues Land entstehen soll. Vorläufig aber kann man nur sehen, wie altes Land abgebaggert und auf Eisenbahnwaggons verladen wird. „Kann man sehen“ ist allerdings übertrieben, denn falls man nicht einen außergewöhnlich klaren Tag erwischt, kann man gar nichts sehen. Nur so viel, dass das Loch da irgendwie ungeheuer groß sein muss. Das kleine Ding da, das ist vielleicht einer der Riesenbagger. Ist der da links nicht viel größer? Keine Ahnung. Bei den Dimensionen fehlen einem einfach die Vergleichsmaßstäbe. 300 Meter tief ist das Loch im Moment, 10 km breit an der breitesten Stelle – aber wo ist die breiteste Stelle?

(wird fortgesetzt)

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Das ist nur ein kleiner Teilbereich, den man deswegen relativ gut erkennen kann, weil sie hier gerade erst angefangen haben