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Müllbarrikade

Am 25. 10. 2019 im Hambacher Forst

Alte Bäume – junge Bäume

Eigentlich bin ich ja kein penibler Mensch. Eigentlich. Also manchmal dann doch. So würde ich gerne genau wissen, wie alt eigentlich die Bäume im sogenannten Hambacher Forst sind.

Der Laubwald mit seinen uralten Bäumen, kann man da lesen. Ein Dendrologe hat sich die Bäume mal angesehen und gemeint, bis zu 300 Jahre alt könnten einige Bäume sein. „Bis zu“ – das Zauberwort, wenn man es nicht so genau weiß, aber trotzdem eine hohe Zahl ins Spiel bringen möchte. Viele Bäume dort sind auf keinen Fall so alt, aber einige schon ganz schön dick und knorrig.

Im Nachbarwald

Nun, zugegeben, so richtig wichtig ist es nicht, wie alt die Bäume sind. Aber es tät mich ja doch mal interessieren. In unserem Garten beispielsweise wächst eine Rotbuche, ein riesiges Ding, jeder denkt, diese Buche hätte schon viele Jahre auf dem Buckel. Hat sie aber nicht. Sie ist zur Geburt eines jungen Mannes gepflanzt worden, der mir im Dorf öfters über den Weg läuft: Der wird dieses Jahr 38 Jahre alt.

Vorige Woche,  als die Fotografin am Tagebaurand fotografieren wollte, habe ich die für den Begleiter regelmäßig aufkommende Langeweile genutzt, um mal die Jahresringe von schon gefällten Bäumen zu zählen.


Ich bin also durch den Matsch gestapft und habe die dicksten Stämme ausgesucht, die ich finden konnte.

Einmal habe ich 148 Jahresringe gezählt, einmal 153. Dann noch zwei ordentliche Tannen: 62 und 64 Jahresringe. Gut, das ist kein Beweis, es können ja ein paar hundert Meter weiter durchaus weit ältere Bäume stehen. Lassen wir also das mit dem Peniblen wieder fallen. Es wäre schließlich auch schade, wenn unsere 38jährige Buche gefällt werden müsste.

Und am besten sich selbst

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„Der Wald gehört allen, die ihn lieben, und am besten sich selbst“ – einer der zahlreichen Sprüche, mit denen die von manchen Leuten und der örtlichen Presse aus irgendeinem Grund immer „Aktivisten“ genannten Menschen, die unweit von meinem Wohnort seit Jahren illegal auf einer Wiese campieren, im Ort Mauern, Straßenlaternen oder Papierkörbe verzieren.

Komischer Spruch, ging mir beim Spaziergang mit dem Hund durch den Kopf. Dass der Wald allen gehören soll, also vermutlich der Vertretung von allen, also dem Staat, ist der übliche Antikapitalismus. Da sich die Mehrzahl der „Aktivisten“ aber explizit als Anarchisten bezeichnen, kommt das mit dem Staat nun auch nicht in Frage. Vielleicht sollen dann ad hoc abgehaltene Versammlungen entscheiden, demokratisch nach dem Mehrheitsprinzip. Dummerweise hat die demokratisch gewählte rot-grüne Landesregierung und haben alle nachgeordneten Behörden entschieden, dass der Wald, um den es hier geht, abgeholzt wird. So stellen sich unsere grünen Anarchisten also offenbar den Entscheidungsprozess nicht vor.

Deshalb wohl der Zusatz „allen, die ihn lieben“. Nachtigall, ich hör dir trapsen. Man braucht kein Politologe zu sein, um zu sehen, dass mit diesem harmlosen daher kommenden Nebensatz demokratische Entscheidungsprozesse ausgehebelt werden sollen. Die Verfügungsgewalt über den aus Privatbesitz enteigneten („gehört allen“) Wald geht nicht auf das Volk in seiner Gesamtheit über, sondern auf den Teil, der selbst die Verfügungsgewalt usurpiert. Wer den Wald liebt, entscheiden die, die von sich behaupten, den Wald zu lieben. Weisungsbefugt also ist sozusagen das selbsternannte Zentralkommitee der Waldliebhaber.

Aber es geht weiter: „am besten sich selbst“. Hm, wie würde der Wald handeln, wenn er sich selbst gehören würde? Das ist ein weites Feld. Und wahrscheinlich gar nicht gemeint. Gemeint ist, dass man den Wald am besten sich selbst überlassen würde. Da kommt dann der romantische Kern unserer grün-anarchistischen Naturschützer zum Vorschein. Dann nämlich, so der feste Glaube aller Romantiker, wenn man die Natur im Allgemeinen und den Wald im Besonderen nur sich selbst überlassen würde, dann würde der gute Geist des Waldes das Regiment übernehmen, ein Sohn (oder eine Tochter?) der guten Mutter Natur. Und alles ist in Butter.

Der wild wuchernde Wald, der Urwald, das wiedergewonnene irdische Paradies, ein Ort natürlicher Harmonie, …  Mir scheint: Je mehr die Menschen den Kontakt zur real existierenden Natur verlieren, um so fester glauben sie an die treu sorgende Mutter Natur, an das irdische Paradies, das entstünde, wenn erst all die bösen Menschen weg wären, die den Wald nicht lieben.

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