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Nachhaltige Fortwirtschaft – ein Lernprozeß

Unsere asturische Bergwiese ist umgeben von der Gemeinen Hasel, auch Haselnussstrauch genannt, dazwischen ein paar Eschen und Wildpflaumen. Als wir die Wiese übernommen haben, waren viele diese Haselnusssträucher recht mickrig, von einem Brand geschädigt, den die Vorbesitzer gelegt hatten, um die wuchernden Brombeeren zu entfernen.

Ich habe die Haselnusssträucher ausgeschnitten und allenfalls einmal schlechten Gewissens ein Stämmchen herausgesägt, wenn ich einen Pfahl gebraucht habe. Haselnuss taugt nicht für Pfähle, hat der Nachbar gesagt. Treffer, denn die Haselnusspfähle waren schon nach einem, spätestens nach zwei Jahren verfault.

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Der Gemeinen Hasel scheint das milde Bergklima in Nordspanien zu gefallen. Unsere Sträucher wuchsen und wuchsen. Super, dachte ich, je mehr Bäume hier oben wachsen, um so besser. Wir sind schließlich nicht solche Naturschänder wie diese Asturier, die – wie ich mit Entsetzen feststellen musste – alles, was Baum oder Strauch heißt und am Weges- oder Wiesenrand wächst,  umhauen, sobald die Gewächse mehr als Menschenhöhe erreicht haben. Und dann – erneutes Entsetzen – verwenden sie das abgeschlagene Holz nicht etwa als Brennholz, sondern legen es in großen Haufen an die Wiesenränder als Absperrung, weil sie zu faul sind, die alten Steinmauern zu pflegen oder einen gescheiten Stacheldraht zu spannen. Ich hingegen – es waren schließlich deutsche Waldbesitzer, die in der Forstwirtschaft das Prinzip der Nachhaltigkeit eingeführt haben – pflegte jedes neu spießende Bäumchen, als hinge davon der Erhalt des Regenwaldes oder doch wenigstens des spanischen Klimas ab.

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Als Brennholz nahmen wir heruntergefallene Äste oder umgestürzte Bäume in einem der nahen Waldstücke. Oder die Reste, die die Asturier liegengelassen haben. Wenn die Brennholz brauchen, gehen sie nämlich in den Wald, fällen einen Baum und nehmen nur das gute Stammholz – den Rest lassen sie einfach liegen. Später haben wir zwei große Eschen fällen lassen, weil sie auf das Dach der Cabaña zu stürzen drohten. Aber natürlich wurden die Eschen nur in zwei Metern Höhe abgesägt, damit sie neu austreiben. Bald kam mehr Brennholz hinzu: Einige Haselnussbäume waren so groß geworden, dass sie in den Fahrweg hineinragten oder auf der Wiese beim Mähen störten. Die mussten weg, das schien mir mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit gerade noch vereinbar, zumal ich die neu wachsenden Stämmchen bei den Fällaktionen sorgfältig geschont habe.

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Brennholzstapel – asturische Methode

Alles wurde selbstverständlich als Brennmaterial genutzt, auch die dünnen Zweige. Leider stellte sich bald heraus, dass die Zahl der dünnen Zweige viel zu groß war. Der Holzschuppen füllte sich mit Stöckchen, die beim Einheizen bekanntlich viel Hitze geben und viel Arbeit machen. Sie blieben also liegen, während die Zahl der dickeren Scheite rasch abnahm.

Bei den nächsten Fällaktionen – durch Sturmschäden und üppiges Wachstum war wieder einiges angefallen – wurden schlechten Gewissens alles Zweige, die sich mit dem Beil mit einem Schlag durchtrennen ließen, entsorgt. Mangels Grünabfuhr auf der Wiese verbrannt oder verschämt in ein nahes Gebüsch geschmissen.

Dann schenkte uns der Nachbar jede Menge Eschenholz. Genauer: Er schenkte uns das Recht, von seinen Eschen die dicken Zweige abzusägen und das Holz als Brennholz einzulagern. Damit war der Holzschuppen endgültig voll, draußen wurde erst einer, dann noch ein Holzstapel angelegt. Die Mindestdicke der nicht zu entsorgenden Äste hatte ich inzwischen auf ca. 4 cm heraufgesetzt.

DSC06196Diesen Winter hat es in Asturien enorm gestürmt, die Haselnussbäume, die zwischenzeitlich 5 – 7 m hoch gewachsen sind, haben sich gebogen und an 5 Stellen die mühevoll wieder aufgebaute alte Natursteinmauer einstürzen lassen. Siehst Du, meinte der Nachbar, so geht es, wenn man das Zeugs wachsen lässt. Gut, ich habe also jede Menge Haselnussstämme abgesägt, ordentliche Stämme vielfach, das meiste wieder im Gebüsch entsorgt. Und noch was: Ich habe vorsorglich alle neu sprießenden Ableger der Gemeinen Hasel abgezwackt, das Wachstum von Nachwuchs im Keim erstickt. Aber das war vielleicht ein Zehntel des unablässig wuchernden Bestandes an Haselnussbäumen, der Rest wächst und wuchert, wuchert und wächst.

DSC06187Hätte ich es nur gemacht wie die Asturier: Beizeiten die jungen Stämmchen abhauen – und weg ist das Zeugs! Habe ich aber nicht, und so wächst mir die gemeine Hasel über den Kopf, und zwar nachhaltig!

Was die Natur uns schenkt ….

Was die Natur uns schenkt, —— und was wir nicht haben wollen, weil wir, wie man hier in Köln sagt, zu „verschnuppt“ sind. Ein paar Beispiele aus Asturien:

1. Brombeeren

Brombeeren wachsen fast überall in den Asturischen Bergen. Leider sagt der Asturier und bekämpft sie als Unkraut. Ich inzwischen auch. Früher haben wir mal Früchte gesammelt und Marmelade draus gekocht. Viel Arbeit, ziemlich körniges Mundgefühl. Jetzt überlassen wir die Brombeeren den Vögeln, dabei könnte man auch Saltimbocca vom Zander mit Brombeeren und Lauch servieren oder ein Brombeer-Tiramisu als Nachtisch.

2.  Haselnüsse

Rings um unsere Wiese wachsen Haselnussbüsche, teilweise schon richtige Bäume. Haselnüsse sind auch drauf. Überlassen wir den Eichhörnchen und anderen Tieren. Niemand erntet hier Haselnüsse, obwohl asturische Haselnüsse unten in der Stadt als asturische Spezialität gehandelt werden. Haselnuss-Spätzle könnten wir machen,  Haselnuss-Muffins oder frische Feigen (wachsen hier auch) mit schwarzem Pfeffer und Haselnüssen als Vorspeise. Macht alles zu viel Arbeit.

3. Holunder

Holunder betrachte ich auch mehr als Unkraut. Das Holz taugt nicht für den Ofen, die Büsche wuchern und wuchern. Außerdem mag ich Holunder nicht. Mehrmals haben wir Holunder-Gelee gemacht. Die blieb immer bis zuletzt stehen. Holunder-Birnen-Suppe oder Rehrücken (Rehe laufen hier auch rum, könnte man vom Schlafzimmerfenster aus erlegen ..) mit Holunder-Apfel-Sauce – kann uns alles nicht reizen, schon deshalb nicht, weil wir die Rehe lieber leben lassen, obwohl sie im winter an den jungen Bäumen rumnagen.

4. Esskastanien

Rio Casaño heißt der Bach unten im Tal, in der Casaño-Schlucht. Der Casaño, der Kastanienbaum ist der Baum Asturiens schlechthin. Unten in der Casaño-Schlucht kann man noch die igluähnlichen Steindinger sehen, in denen die Leute früher die Esskastanien im Winter aufbewahrt haben. Sehr nützlich, um den Hunger zu vermeiden.  Sind wir auch zu verschnuppt für. In Salzwasser gekocht isst man die Esskastanien hier. Na gut, muss nicht sein. Vielleicht ist ein Esskastanien-Eintopf leckerer oder ein Risotto mit Pilzen und Esskastanien? Wer weiß. Kühe und Esel fressen auch gerne Esskastanien. Die Bäume sind übrigens sehr nützlich. Hervorragendes Brennholz!

5. Schlehen

Sehen nett aus. Die Sträucher mit ihren tachligen Zweigen sind auch recht nützlich. Die Viehzüchter hier hacken sie ab und stopfen damit Stellen in den Zäunen. Den Kühen sind die Zweige zu picksig, da haben sie Respekt.  Die meisten werden nur Schlehen-Likör kennen. Warum nicht mal Schlehen-Sirup probieren, Schlehen-Apfel-Konfitüre oder Schlehen in Salzlake eingelegt? Ja, warum nicht? Wat der Buur nit kennt, dat frisst er nit, sagt man in Köln. Recht hat der Kölner, wir essen deswegen lieber Oliven ins Salzlake eingelegt, die gibt es im Supermarkt.