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What the fuck is HEIMAT?

Stefan Strumbel 2013

Tja, was verdammt noch mal ist Heimat? Heimat, was ist denn das für ein Scheiß – hatte sich nicht die deutsche Gesellschaft, sofern sie sich fortschrittlich und modern dünkte, genau darauf geeinigt? Heimat, das war doch eine sprachliche No-Go-Area, ein Begriff, der irgendwo zwischen Nazi und Spießertum angesiedelt war.

Ich habe das immer so empfunden. Ich habe dafür ein vielleicht überempfindliches Sensorium, weil ich aus einer Familie von Heimatvertriebenen stamme. Nicht, dass meine Eltern ständig von der „alten Heimat“ geschwärmt hätten. Auch den Vertriebenen-Organisationen standen sie eher distanziert gegenüber. Der Vater sprach kaum von seinen ersten 44 Jahren, die er in Schlesien verbracht hatte. Die Mutter schon eher, aber bei ihr, so scheint mir, stand eher der gesellschaftliche Absturz im Vordergrund, von der gnädigen Frau zur Flüchtlingsfrau, die ihre Kinder zur Armenspeisung ins Kloster schicken musste. Der Vater entschied schon 1950, dass an eine Rückkehr nicht zu denken sei, obwohl damals die Politiker vielfach noch das Gegenteil in Aussicht stellten, baute ein Haus im Rheinland und arbeitete mit einer ungeheuren Verbissenheit, mit Fleiß und Geschick daran, seiner Familie wieder einen gewissen Wohlstand zu verschaffen. Aber natürlich hing ein Bild des alten Gutshauses im Flur und die wenigen Gegenstände, die noch aus der Heimat stammten, wurden gehütet.

Bei meinem Onkel Fritz hing ein Wandbehang über dem Sofa, darauf hatte seine Frau, selbst Rheinländerin, das Wappen des schlesischen Dorfes, aus dem er stammte, das Wappen seiner Familie und in großen Buchstaben „Heimat du!“ gestickt. Das fanden wir unmöglich. Als Student und noch Jahre später hatte ich es schwer mit der elterlichen Heimat, die nicht meine war. Ich bin Kölner, hätte ich sagen sollen. Dabei wusste jeder echte Kölner sozusagen instinktiv, dass ich eben kein Kölner bin. So etwas lernt man schnell, wenn man auf dem Dorf unter lauter einheimischen Jungen aufwächst. Also sagte ich gar nichts. Die Herkunft der Eltern war No-Go-Area. Als ich mal auf Wunsch meiner Mutter einen kurzen Artikel anlässlich eines Familien-Jubiläums für eines der Vertriebenen-Blätter schrieb, rümpfte meine Schwester ebenso wie Nichten und Neffen die Nase. Revanchist, hieß das. Über die Heimat Schlesien hatte man nicht zu sprechen, auch den wirtschaftlichen Verlust durfte man nicht betrauern, wenn man dergleichen tat, wurde man sofort über Verantwortung und Schuld belehrt. Basta.

Es hat mich deshalb ziemlich überrascht, als ich gestern sozusagen direkt vor der Haustür folgendes Plakat entdeckte:

Ha, ausgerechnet die Grünen wollen nicht die Landschaft, auch nicht den Wald oder die Natur, sondern „unsere Heimat“ schützen! Klar, es ist Wahlkampfzeit und da versucht man die Leute, die in der Nähe des Tagebaus wohnen, mit dem Appell an ihr Heimatgefühl zu ködern. Da vergisst man doch glatt, dass „Heimat“ eigentlich ein verpönter Begriff ist, was für Spießer, etwas, das irgendwie „rechts“ ist.

Es wird ihnen übrigens nichts bringen, nicht nur weil die Absicht dahinter so durchschaubar ist. Die Leute hier wissen schon, dass die Grünen viele Jahre lang in Düsseldorf an der Regierung gewesen sind, auch in der Zeit, als die Tagebaue und Umsiedlungen genehmigt worden sind. Damals hat niemand von den Grünen in Politik und Verwaltung wegen dieser Frage auch nur einmal mit dem Rücktritt gedroht. So wichtig war die Zerstörung der Heimat von ein paar tausend Leuten dann doch nicht….

 

 

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