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Verhext oder: der schwierige Weg zum gedruckten Buch

Irgendwann habe ich es in diesem Blog schon mal erwähnt, dass ich an einem Buch über Hexen arbeite. Das Manuskript ist längst fertig, aber die gedruckten Bücher sind erst heute angekommen.

Die gedruckten Bücher, nämlich 5 Stück. Das ist die gesamte Auflage. Tatsächlich hatte ich mir die Sache einfacher vorgestellt. Da es mir immer davor graut, einen Verleger zu suchen, habe ich das Buch dem GRIN-Verlag angeboten. Die nehmen mehr oder weniger alles, das hat bei einem Buch, das ich vor ein paar Jahren dort hingegeben habe, gut geklappt.

Diesmal hat der Verlag erstmal nur den Eingang bestätigt. Nach 4 Wochen habe ich dort angerufen, nein, nein, das dauert. Nach 8 Wochen kam die Zusage, aber mit einer Einschränkung: Ich müsse ein Literaturverzeichnis erstellen. Nun hatte ich den Text zwar nach allen Regeln wissenschaftlicher Publikationen so angelegt, dass die Fußnoten ein Literaturverzeichnis erübrigen, aber wenn es die Verlagsmitarbeiterin so will …

So wurde das Büchlein etwas dicker: statt 96 nun 106 Seiten. Das ist nicht ganz unwesentlich, denn beim GRIN-Verlag legt der Verlag den Verkaufspreis fest und der orientiert sich am Umfang. Zuerst kam die Mitteilung, das Buch sei jetzt als eBook erhältlich – zum Preis von – Schock! – 34,99 €

Wer mal reinsehen will: hier eine kostenlose Leseprobe: https://www.grin.com/login/#document/1027375

35 € für ein eBook von gut 100 Seiten scheint mir entschieden zu teuer. Die gedruckte Ausgabe komme später, hieß es. Ziemlich viel später kam sie tatsächlich, wieder ein viel zu hoher Preis: 44,99 €. Wobei man wissen muss, dass das gedruckte Buch nichts ist als eine einfach und billig gedruckte Broschüre. Und der Gag: Es gibt für Autoren keine Freiexemplare, nicht mal einen gescheiten Autorenrabatt. So kam es, dass mir selbst das eigene Buch zu teuer war.

Und: Bei den Preisen liest meine Abhandlung niemand, hab ich mir gedacht. Aber naturgemäß möchte ich als Autor, dass das Buch auch gelesen wird. Also hab ich kurzerhand beschlossen, das Buch auf eine Plattform hochzuladen, wo man allerlei wissenschaftliche Texte kostenlos runterladen kann, nämlich academia.edu. Das Problem: Ich musste dafür den gesamten Text neu setzen und umformatieren auf DINA4-Grösse. Da kann man ihn jetzt komplett lesen: (((hier)))

Aber nun hatte ich immer noch kein gedrucktes Buch. Nur eBook ist irgendwie unbefriedigend, mal will ja auch was für’s Regal oder das Archiv. Also habe ich die 5 Exemplare, die oben abgebildet sind, drucken lassen. Musste natürlich wieder alles umformatiert werden, außerdem ein Umschlag gestaltet werden. Auf die drei Tage Arbeit kommt es jetzt auch nicht mehr an, habe ich mir gedacht.

Da kostet mich nun 1 Exemplar in ordentlichem Druck 3,80 € und ich kann leichten Herzens mal ein Exemplar verschenken.

Hexen oder Hecke?

Es hat wohl schon seine Richtigkeit gehabt, damals, als es mir nicht gelungen ist, irgendwie eine Karriere an der Uni zu starten. Promotion und aus. Hat mich gewurmt damals, aber, wie gesagt, es hat wohl seine Richtigkeit gehabt.

Denn natürlich macht es mir Spaß, mich ab und an tief in abgelegene Quellen zu versenken, diesmal – wie im vorigen Beitrag erwähnt – über Hexen.

Aber dann ist es auch wieder genug. Dann lockt draußen die Sonne, die Hecken auf der Feldseite müssen geschnitten werden. Kein normaler Rückschnitt, sondern die Dinger sollen altersgerecht umgestylt werden, damit ich nicht immer mit der Heckenschere über dem Kopf oder von einer Leiter aus arbeiten muss.

Die sehen ordentlich gerupft aus, die armen Hecken. Und anstrengend ist die Sache auch. Zeit, wieder zurück zu Computer und Hexen zu gehen? Bei dem Wetter? Nö, da bietet sich doch ein Spaziergang über das weite Feld an …. so wird das nichts mit der Wissenschaft, ist schon klar.

Ach, die Hexen

Jetzt habe ich eine ganze Weile damit zugebracht, den oben eingefügten Holzschnitt (oder ist es eine Radierung?) im Internet zu finden. Dieser Holzschnitt spielt nämlich eine Rolle in einem wissenschaftlichen Text, den ich gerade schreibe.

Oder umschreibe, denn den Text habe ich vor ewigen Zeiten, nämlich 1988, verfasst und er ist in einer kurzen Fassung auch publiziert worden, allerdings nur an einem völlig abgelegenen Ort. Ist mir letztens in die Hand gefallen. Dann habe ich das nochmal gelesen und gedacht: Ach, ist doch schade drum – das überarbeitest du jetzt (wo es früh dunkel wird und draußen nieselregnet) und publizierst es gescheit.

Doch wie das so ist: Beim Abtippen bin ich vom Hölzchen aufs Stöckchen gekommen, soll ja alles besser werden als damals … so habe ich damals auch auf den Holzschnitt nur verwiesen, ihn aber nicht im Text abgebildet.

Dabei ist er nicht unwichtig: Er zeigt drei oder vier Hexen. Eine reibt sich gerade ein Bein mit einer Hexensalbe ein, die andere steckt noch im Schornstein, aber die vierte fliegt schon durch die Luft. Worauf es aber ankommt, ist der Mann, der durchs Schlüsselloch guckt. Kein Voyeur, sondern ein wissenschaftlicher Beobachter, der sieht, was die Frauen (die sich selbst für Hexen halten!) treiben, und der nachher schreiben wird, dass er gesehen habe, dass die Frauen, die felsenfest davon überzeugt sind, durch die Luft fliegen zu können, sich eingesalbt haben, dann aber nicht geflogen sind, sondern im Bett gelegen haben.

So wird also durch eine einfache empirische Versuchsanordnung die Wirklichkeit der Hexenritte als Fantasterei entlarvt. Könnte man denken. Doch der Beobachter, Johannes Weyer, der verdiente Kämpfer gegen das Unwesen der Hexenprozesse, hat gearbeitet wie gewisse Autoren des Spiegel oder Politiker, die ihren Doktortitel vor sich her tragen: Mal gucken, ob ich irgendwo was kopieren kann, was mir in den Kram passt. Und wenn nicht, dann wird die Story halt passend gemacht.