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Fastelovend

Früher, das Bild ist der Beweis, traf sich die Familie zum Karneval. Hinten von Links: Vater, Mutter, Schwester mit Schwager und Nichte auf dem Arm, vorne von Links: Schwester 2, Neffe, Nichte 2 und ich. 1962, glaub ich.

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Probleme mit der Integration

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Dr Zoch kütt, wie man hier so sagt. Wie in jedem Dorf rings um Köln geht auch in unserem Dorf ein Rosenmontagszug. Die Leute gehen auf die Strasse, wir auch. Ein paar Bekannte, die nicht am Zugweg wohnen,  haben sich dazu gesellt, eine Nachbarin bringt eine Schüssel selbst gemachte Muzen vorbei. Das Wetter ist leidlich, die Stimmung gut, Konfetti regnet, Blaskapellen und Lautsprecher spielen ohne Unterlass kölsche Lieder.

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Ich stehe dabei, aber mir fehlt das, was man die innere Begeisterung nennen könnte. Karneval, na schön, aber ich könnte auch ohne auskommen. Dabei habe ich mein ganzes Leben nie weiter als 30 Kilometer Luftlinie vom Kölner Dom entfernt gewohnt. Bin also ein Rheinländer, sagt man. Wenn ich – wie letztens erst – höre, wie Leute darüber schimpfen, dass aus dem Ausland zugezogene Menschen sich auch in der zweiten Generation schwer tun mit der Integration, dann denke ich: Ja Leute, wenn das so einfach wäre. Ich weiß, wie schwierig das ist.

Das geht ja schon bei der Sprache los. Meine Eltern haben Deutsch gesprochen, perfektes, aktzentfreies Hochdeutsch. Die hiesige Sprache zu erlernen hielten sie für unter ihrer Würde. Kölsch reden wie die Nachbarn? Wer sind wir denn … ! Die Kinder im Kindergarten und die Mitschüler in der Volksschule, die sprachen untereinander fast alle Kölsch und ich musste früh meine erste Fremdsprache lernen. Zu den Jungs im Dorf habe ich trotzdem nie dazu gehört. Als Außenseiter hatte ich dann Freunde, die auch Außenseiter waren, auch Kinder von Vertriebenen oder Geflohenen, oder – mein bester Kinderfreund – ein Junge, der, weil absolut unsportlich, ziemlich weit unten in der Jungen-Hierarchie rangierte. So bilden sich Gruppen: Wir und die anderen.

Wir machten beim Karneval mit, so ein bisschen, ein kleines bisschen. Das heißt, die Familie traf sich am Rosenmontag im Haus meiner Eltern, wir gingen auf die Strasse, um Kamelle aufzusammeln, dann machte mein Vater eine Flasche Wein auf. Keiner aus der Familie sprach Kölsch, niemand sang eines des Lieder mit. Und der einzige, der tatsächlich ein unverfälschtes Kölsch sprechen konnte, ein Schwiegersohn, der unterdrückte seinen rheinischen Akzent so gut es ging – er wollte sich schließlich in unsere Familie integrieren.  Alle anderen 4 Schwiegersöhne bzw. Schwiegertöchter hatten übrigens auch einen Vertreibungs-Migrations-Hintergrund.

Nein, auch nach jetzt 65 Jahren im Rheinland, bin ich allenfalls an der Oberfläche ein Kölscher geworden. Letztens hatten wir Klassentreffen, zum ersten Mal seit 40 Jahren. Die Jungs haben Kölsch miteinander gesprochen, klar. Nur wenn sie mich ins Gespräch einbezogen haben, wechselten sie schnell ins Hochdeutsche. Na so was! Dabei singe ich immer mit Inbrunst mit, wenn alle „Isch mööch zo Fooß noh Kölle jonn“ intonieren.