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Leipzig – Denkanstöße in Halle 14

Und dann gibt es in Leipzig noch die Spinnerei, ein altes Fabrikgelände, in dem allerlei Galerien, Designer etc. sich niedergelassen haben. Mittendrin eine Ausstellungshalle, die Halle 14.

Eine riesige Halle im schicken Kaputt-Stil, die von der aktuellen Ausstellung nicht einmal annäherungsweise gefüllt werden konnte.

Eine Wand in der Halle 14, hat nichts mit der Ausstellung zu tun

Die Ausstellung war nicht uninteressant, aber schon der hochtrabende Titel „Neue urbane Produktion“ hat mich gestört. Gemeint ist: Künstler oder Designer basteln in der Stadt an irgendwelchen Projekten. Wobei eines der Projekte, nämlich die Herstellung von Lampenschirmen mit Solarenergie, nicht in einer Stadt angesiedelt ist, sondern auf dem platten Land im schönen Österreich. Dieses Projekt übrigens zeigt außer der, wie die Austellungsmacher meinen, „Vision einer harmonischen und erfolgreichen Kooperation zwischen Natur und Maschine, Handwerk und Technologie“, dass die Produzenten, wenn sie es ernst meinen mit der im Gleichklang mit der Natur erfolgenden technikarmen Produktion, dann halt tagelang oder während fast der gesamten Wintermonate einfach nichts produzieren können.

Die Installationen, schreiben die Ausstellungsmacher, „werfen Fragen auf über das Miteinander von Arbeit und Leben im 21. Jahrhundert und einen bewussten Umgang mit Zeit, Rohstoffen und Arbeitskraft“. Denkanstöße sozusagen. Aber gehen nicht alle diese Denkanstöße in die Richtung, die wir sowieso jeden Tag hören? Keine Plastiktüten, Produktion aus recycelten Materialien, maßgefertigte Sneaker (als Zeichen gegen globale Ungerechtigkeit!), Möbel aus Abfall, Kacheln aus Bauschutt, …. ach, ist ja alles nicht falsch, aber was ist das anderes als Mainstream? Kunst, die wirkliche Denkanstöße in eine neue, unerwartete Richtung gebt, ist das alles nicht.

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Leipzig – Museum der Bildenden Künste

Leipzig hat natürlich auch andere Seiten als die Karl-Heine-Strasse. Zum Beispiel das Museum der Bildenden Künste, ein konsequent moderner Neubau (2004 eröffnet) im Zentrum von Leipzig.

Man hat sich zum Glück dafür entschieden, in die Altstadt, nicht weit von der Nicolai-Kirche, wo Bach oft die Orgel singen und dröhnen ließ (und durch die heute ein Touristenstrom strömt, so dass  andächtiges Verweilen schwer fällt), keinen nostalgisch-historisierenden Bau hinzustellen, sondern einen recht gewaltigen Kubus aus Glas und Stein.

Viel Ausstellungsfläche, nicht überfüllt, es gibt auch leere Wände. Und gute Werke von Neo Rauch und anderen Malern mit DDR-Wurzeln wie Arno Rink. Ich bin da vielleicht konservativ, aber gut gemalte gegenständliche Werke sind immer mein Favorit.

Und eine Sonderausstellung von einem Leipziger Künstler, der weder gut noch gegenständlich gemalt hat. Beieindruckend weniger seine Bilder, als die Texte an den Wänden: Zitate aus den Stasi-Akten des Künstlers, die geeignet sind, jeden Anflug von DDR-Nostalgie im Keim zu ersticken.

Auch der Flughafen zeichnet sich durch moderne und durchdachte Architektur aus. Vielleicht was groß geraten, denn wer fliegt schon nach Leipzig?