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Botho Strauß: Wohnen Dämmern Lügen

(… weil ich in diesem Blog alle Bücher erwähne, die ich gelesen habe …)

Bis auf Seite 86 von 182 bin ich gekommen. Mehr wollte ich mir nicht antun.

An die 100 kurze Geschichten hat Botho Strauß in diesem Band versammelt. Und alle Geschichten haben eins gemeinsam: Sie berichten von schrecklichen Ereignissen. Kurz, knapp, eindrucksvoll. Unglaublich gut geschrieben. Das ist feinste deutsche Prosa in der Tradition von Kleist.

Strauß dringt in diesen Geschichten, so verrät es der Klappentext, immer wieder aufs Neue in Bereiche ein, in denen der Mensch nicht als soziales, gar als aufgeklärt-moralische Wesen handelt. Es geht ihm um das Instinkthafte, das Animalische, oft um den Punkt, wo Dämonisches durchbricht.

Keine Lektüre, um im Liegestuhl die südliche Sonne zu genießen. Und abends, wenn die Sonne weg ist, habe ich auch lieber etwas, das das Herz erwärmt.

Wilhelm Raabe: Die Gänse von Bützow

(… weil ich hier über alle Bücher, die ich gelesen habe, Buch führe …)

Ich bin ja gewiss alles andere als ein DDR-Nostalgiker, aber eins haben sie damals gemacht: feine Klassikerausgaben. Die heute im Müll oder öffentlichen Bücherschränken landen, wie auch Raabe Novelle „Die Gänse von Bützow“.

Ein von Klaus Ensikat fein illustriertes Bändchen, sorgfältig kommentiert, sogar das Nachwort ist lesbar und trieft nicht vor Ideologie (mal davon abgesehen, dass die Französische Revolution DDR-korrekt immer als „große bürgerliche Revolution“ bezeichnet wird).

Ein politisches Thema hat sich Raabe vorgenommen und parodistisch-satirisch gestaltet. Ja, tatsächlich, es handelt sich um eine lustige Novelle, eine Komödie.

Bei der Lektüre ging mir immer durch den Kopf, dass mich ein Schüler indischer Herkunft kurz vor dem Abitur mal gefragt hat, ob es eigentlich in der deutschen Literatur nichts Lustiges gebe. Ob „Rolltreppe abwärts“, „Schimmelreiter“, „Biedermann und die Brandstifter“,  „Homo Faber“, „Werther“, „Woyzeck“, die „Verwandlung“ oder der „Faust“ – ihm seien während seiner Schulzeit nichts als gescheiterte Gestalten begegnet, nichts als Elend und Verzweifelung.

Nun, hier haben wir eines der zugegebenermaßen seltenen Gegenbeispiele. Eine humorvolle Geschichte über ein ernstes Thema, nämlich einen Aufstand einer Dorfbevölkerung gegen ihre Obrigkeit. Aber, leider, nun doch keine Schullektüre, denn Raabe parodiert durchgängig die Gelehrtensprache der Zeit um 1800, so dass die Novelle heute auch für Menschen, die eine einigermaßen solide klassische Bildung genossen haben, nur noch mit Hilfe des Kommentars verständlich wird.

Martin Mosebach: Das Leben ist kurz

Ein Weihnachtsgeschenk. Bis gestern habe ich gebraucht, um die 155 Seiten auszulesen. Das spricht nicht für dieses Buch. Dabei mag ich Martin Mosebach, habe schon einige Romane von ihm gelesen. Einerseits – andererseits steht ein weiterer dicker Mosebach-Roman ungelesen im Bücherschrank. Denn bei aller Schönheit der, sagen wir mal, konservativ-erlesenen Sprache leiden Mosebachs Werke manchmal unter einer gewissen Langatmigkeit.

Diese „Bagatellen“ genannten kurzen Texte haben mir es schwer gemacht, in die Geschichten hinein zu kommen. Wieso soll mich das interessieren, was Sie da schreiben, Herr Mosebach, habe ich mir gedacht. Die Texte, die den Band beschließen, in denen es etwa um Wein geht, haben mich dann wieder versöhnlicher gestimmt. Aber es fällt mir leicht, mich von diesem Buch wieder zu trennen.